10. April 2015

Verantwortungsbewusste Wirtschaftsförderung

Seit Herbst 2013 ist die Gemeinde Haar mit zwei Grundstücken auf dem Markt, um neue Unternehmen zu gewinnen. Zahlreiche Anfragen sind mittlerweile im Rathaus eingegangen. Für die Fläche auf der Nordseite des Bahnhofs sind wir bei einer aufstrebenden Firma in der engsten Auswahl. Das niedrige Zinsniveau kurbelt die Investitionsbereitschaft für Neubauten kräftig an. Unsere Kampagne „Workside Haar“ kommt also zum richtigen Zeitpunkt. Auch deshalb, weil mit dem „Jugendstilpark“ ein hochwertiges Wohngebiet entsteht, das zusätzliche Attraktivität bietet.

Unternehmen überlegen sich ihre Standortentscheidung gründlich. Verschiedene Kriterien beeinflussen dabei die Wahl: Lage, Verkehr, Kommunikationswege, aber auch die sogenannten weichen Faktoren wie Freizeitangebot, Betreuungs- und Bildungslandschaft. Als Gemeinde sind wir als Gesamtpaket auf dem Markt. Deshalb ist es unsere Aufgabe, die Qualität unserer Standortfaktoren zu erhalten und auszubauen. Wir bieten Unternehmen Wachstumsperspektiven, die Unternehmen uns aber auch, denn nach wie vor sind die Gewerbesteuereinnahmen ein wesentlicher Baustein des kommunalen Haushalts. Kürzlich wurde im Gemeinderat gefordert, dass wir uns vom „Premium“-Gewerbe verabschieden und auch über die Ansiedlung von Produktionsbetrieben mit entsprechenden Lärm- und Verkehrsbelastungen nachdenken sollten. Das ist für mich schwer nachvollziehbar und ohne Nachteile für die umliegende Wohnbebauung nicht umzusetzen.

Als das Gewerbegebiet in Eglfing mit seinen modernen großzügigen Büroräumen Mitte der neunziger Jahre „in Betrieb“ ging, sprangen unsere Steuereinnahmen von durchschnittlich 3,5 Millionen Euro auf rund 12 Millionen Euro. Wir haben damit einen soliden, gedeckten Haushalt, der einige Zusatzleistungen beinhaltet, die nicht in jeder Gemeinde selbstverständlich sind, wie die Ausstattung der Ganztagsklassen, drei Bäder, Freizeitheime für die Jugend und zahlreiche soziale Leistungen. Große Sprünge erlaubt unsere momentane Finanzlage jedoch nicht. Deshalb arbeiten wir im Rahmen der Wirtschaftsförderung konsequent daran, dass die Gewerbesteuereinnahmen steigen und wir wieder Geld sparen können für künftige Aufgaben. Den wenigen, wertvollen Boden, den wir in Haar zur Verfügung haben, müssen wir aber überlegt und verantwortungsbewusst vergeben. Wir sind ein begehrter Wohnort, vor allem für Familien und wir stehen für städtebauliche Qualität. Mehr Geld in der Gemeindekasse, aber weniger Lebensqualität ist keine Rechnung, die ich für Haar aufmachen möchte.