23. Oktober 2015

Weitere Turnhalle ist Notunterkunft

Mitte Oktober ist eine weitere Turnhalle als Notunterkunft für Flüchtlinge belegt worden. Das Landratsamt teilte die Entscheidung am 7. Oktober mit, bereits eine Woche später sind die ersten fünfzig Männer aus Afghanistan in der Halle am Schulzentrum im Jagdfeld eingezogen. In den nächsten Wochen werden sich die 300 Betten füllen. Im Gegenzug soll die vhs-Halle, die seit Juni mit 66 jungen Männern belegt ist, nach Auskunft des Landratamts, Ende Oktober wieder frei werden.

Turnhallen zu belegen ist keine zufriedenstellende Lösung. Für keine Seite. Auf der unmittelbar nach Bekanntwerden der Belegung einberufenen Elternversammlung, habe ich bei einigen Müttern und Vätern große Besorgnis, vereinzelt sogar Ablehnung wahrgenommen. Ganz anders reagieren die Schüler selbst: Sie fragten „Wo können wir helfen?“ Und gleich am Ankunftstag haben sie beschlossen, die spartanische Gemeinschaftsunterkunft der Flüchtlinge mit selbst gemalten Bildern freundlicher zu gestalten.

Diese Freundlichkeit und Offenheit, wie sie die Kindern ganz intuitiv zeigen, sollten auch wir Erwachsene uns zum Vorbild nehmen. Es ist ein Gebot der Mitmenschlichkeit die Flüchtlinge zu versorgen und ihnen ein Dach über dem Kopf zu geben. Auch wenn es für unsere Schulen und Sportvereine bedeutet, dass vorübergehende Einschränkungen in Kauf genommen werden müssen, wir verkraften das und unsere Kinder auch.

Dass wir Städte und Gemeinden und auch die zahlreichen Ehrenamtlichen diese Hilfe nicht unbegrenzt leisten können, ist unbestritten. Schon jetzt wünschen wir uns mehr Unterstützung vom Bund beispielsweise für den Wohnungsbau und klare Regeln für die Zuwanderung, eine bessere personelle Ausstattung in den Behörden, mehr Koordination, transparentere Information und schnellere Asylverfahren. Zur Ursache der anhaltenden Flüchtlingsströme dringen wir damit aber auch nicht vor. Hier ist die internationale politische Ebene gefragt.

Niemand hätte noch vor einem Jahr damit gerechnet, dass die Unterbringung von Flüchtlingen eine der Hauptaufgaben auf kommunaler Ebene werden wird. Die gegenwärtige Situation verlangt uns einiges ab. Sie gibt uns aber auch die Chance zu zeigen, welche Kraft in uns steckt. Integration kann gelingen – wir haben es nach dem Krieg und nach der Jugoslawienkrise schon einmal bewiesen.