15. Februar 2018

Mobilitätskonzepte gesucht

In vielen Gemeinden im Großraum München gibt es ein drückendes Thema: Den Verkehr. Haar leidet besonders darunter, denn unsere Gemeinde wird gleich von zwei Bundesstraßen durchschnitten. Das Ergebnis einer von der Gemeinde beauftragten Verkehrszählung bestätigt, was wir täglich wahrnehmen: Die großen Straßen sind voll und zwar durchgehend. Gut 30.000 Fahrzeugbewegungen sind es pro Tag auf der B304, auf der B471 in Spitzenzeiten 18.000. In der Leibstraße wurden 9.000 Autos gezählt.

Die Verkehrszählung war der Auftakt zur Erstellung eines ökologisch vernünftigen Mobilitätskonzepts für Haar. Unsere Ziele sind: Weniger Autos und damit Lärm und Abgase im Ort, den Straßenraum für Fußgänger und Radlfahrer noch attraktiver zu gestalten – obwohl wir schon viel erreicht haben – und den Öffentlichen Nahverkehr weiter zu stärken.

Die hohe Quote an Durchgangsverkehr, vor allem auf den Bundesstraßen, bekommen wir als Gemeinde nicht allein in den Griff. Das wissen wir. Hierfür braucht es überörtliche Konzepte. Hier sind die übergeordneten Behörden und politischer Wille gefragt, aber seit Jahren passiert zu wenig. Das Resultat sind verstopfte Straßen und überfüllte S-Bahnen, weil immer mehr Menschen unterwegs sind.

Elf Gemeinden im Münchner Osten haben sich nun mit Teilen der Stadt München und dem Planungsverband zu einer Arbeitsgruppe zusammengeschlossen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Wir Bürgermeister nehmen damit eine Aufgabe in die Hand, die nicht unsere ist. Wir machen sie jetzt zu unserer, weil wir uns seit Jahren von der Regierung im Stich gelassen fühlen. Weil wir für die Lebensqualität unserer Bürger etwas vorwärts bringen wollen. Weil wir auch wissen, dass es nicht zielführend ist, wenn die eine Gemeinde der anderen den schwarzen Peter zuschiebt. Der Siedlungsdruck wird so schnell nicht nachlassen.

Ein Schritt in die richtige Richtung wäre die Verlegung der B471 an die Autobahn A99. Nach gut zehn Jahren Stillstand gibt es jetzt wieder Bewegung: Der Landkreis steigt in die Planungen ein. Für die Realisierung aber brauchen wir den Freistaat Bayern, der seine Verantwortung hoffentlich auch annimmt, denn die ganze Region braucht ein neues nachhaltiges Mobilitätskonzept und eine zügige Umsetzung.