09. Juni 2015

Mehr Mitmenschlichkeit

Immer mehr Menschen suchen Zuflucht aus Krisengebieten in Europa. Täglich erreichen uns Bilder von erschöpften Menschen über die Medien, die bei uns ankommen. Allein der Landkreis München muss aktuell 90 Personen pro Woche unterbringen. Die Regierung von Oberbayern hat die Zahl der Zuweisungen binnen weniger Wochen verdreifacht.

Die Mitarbeiter des Landratsamts arbeiten unter Hochdruck daran, den neu ankommenden Flüchtlingen, die oft schwere Schicksalsschläge und traumatische Erlebnisse hinter sich haben, überhaupt ein Dach über dem Kopf bieten zu können. Eine geordnete Planung ist kaum möglich. Die Staatsregierung schafft es seit vielen Monaten nicht, rechtzeitig Aufnahmekapazitäten zu errichten und damit die ankommenden Flüchtlinge menschwürdig unterzubringen. Diese Versäumnisse spüren jetzt Landkreise, Städte und Gemeinden als letzte Glieder in der Kette. Leidtragende sind vor allem aber die Flüchtlinge selbst.

Haar zählt bislang zu den Kommunen, die - trotz unserer Bereitschaft - noch relativ wenige Flüchtlinge aufgenommen haben. Kurz vor den Pfingstferien rief auch mich der Landrat an, dass dringend Notfallquartiere gesucht werden. Alle Einzel- und Sammelunterkünfte seien bereits belegt. Turnhallen werden derzeit geprüft und Standorte für Traglufthallen gesucht. Befriedigend sind diese Unterbringungsmöglichkeiten weder für die Ämter noch für die Flüchtlinge selbst. Wenn Schüler und Sportler angesichts der Not der Menschen auf Annehmlichkeiten verzichten müssen, ist Toleranz gefordert. Aber: Mehr als vorübergehende Notlösungen können solche Quartiere nicht sein.

Ich bitte Sie alle herzlich, die Flüchtlinge bei uns ehrlich willkommen zu heißen und ihnen beim Zurechtfinden in der fremden Umgebung zur Seite zu stehen. Ehrenamtliche Helfer leisten seit vielen Monaten Wertvolles. In Kürze wird bei der Caritas eine von der Gemeinde finanzierte Koordinatorin ihre Tätigkeit aufnehmen. Weil staatliche Gelder fehlen, müssen wir mit kommunalen Mitteln diese Aufgabe übernehmen und die Gemeinschaft in Haar stärken. Dieses Mehr an Mitmenschlichkeit wollen wir uns leisten