04. August 2017

Handlungsspielraum beim Handel

Am Haarer S-Bahnhof hat ein Discounter seinen Laden aufgegeben. Nachfolger ist eine Billigbekleidungskette. Viele Haarer bedauern das und wenden sich an uns im Rathaus. Auch ich bin über die Veränderung alles andere als begeistert. Häufig werde ich aufgefordert, tätig zu werden. Aber Mitspracherecht hatte die Gemeinde beim Abschluss dieses neuen Mietvertrags nicht. Sie ist bei Mieterwechseln und Vermietungen in fremden Gebäuden immer auf die Kooperationsbereitschaft der Immobilienbesitzer und –verwalter angewiesen. Gespräche mit uns hat es im aktuellen Fall nicht gegeben, das waren rein privatwirtschaftliche Entscheidungen, ohne die Interessen der Bürgerinnen und Bürger zu berücksichtigen. Viele S-Bahnnutzer haben auf dem Heimweg noch schnell ihre Einkäufe für den täglichen Bedarf erledigt und auch zahlreiche, vor allem ältere Bewohner aus der Ortsmitte, schätzten die kurzen Wege. Jetzt gibt es im Zentrum leider keinen Lebensmittelladen mehr.

Einer Zentralisierung der großen Märkte wollen wir in Haar auf jeden Fall vorbeugen. Die Läden gehören in die Wohngebiete, nicht auf die grüne Wiese. In der Juli-Sitzung hat der Gemeinderat auf Antrag der SPD-Fraktion ein Einzelhandelskonzept für ganz Haar beschlossen. Geprüft werden soll, wo die Ansiedlung neuer Märkte und Einzelhandelsflächen sinnvoll ist – wo sie einerseits benötigt werden und andererseits Aussicht auf Erfolg haben - und welche Branchen bei uns fehlen. Untersucht werden soll vor allem auch, wie wir künftige Entwicklungen und die bestehende Geschäftswelt fördern können. Ich nenne hier die Leibstraße und das Jagdfeldzentrum.

Mit dem Ergebnis des Einzelhandelskonzepts wollen wir ein Lenkungsinstrument in die Hand bekommen, um aktiv mit den Ladenbesitzern und Entwicklern ins Gespräch zu kommen, die Branchenvielfalt wieder erweitern und bisher schlecht versorgte Gebiete anbinden. In Gronsdorf wird uns das in Kürze gelingen, weil der Investor im Vorfeld das Gespräch mit der Gemeinde suchte. Die Mietverträge für einen kleineren Vollsortimenter sind schon unterschrieben. Nicht von der Gemeinde, sondern von einem Investor mit einer Supermarktkette – zum Wohl der Bürgerschaft. So geht es dankenswerterweise auch.