26. November 2020

Haushalt 2021 beschlossen

In einem der größten literarischen Werke der deutschen Literatur, dem "abentheuerlichen Simplicissimus teutsch", tritt eine Figur auf, die recht gut zu uns und unserer Situation passt. Es ist die Figur des Baldanders. Eigentlich eine Schöpfung des schuhmachenden Meistersingers Hans Sachs, wurde Baldanders durch Grimmelshausens Schelmenroman, eben jenem Simplicissimus, zu einem bekannten Topos der Literatur.

Baldanders, wie der Name schon sagt, ist eine wandlungsfähige Kreatur. Sie kann die verschiedensten Formen annehmen und symbolisiert auf diese Art den stetigen Wandel, dem die Welt und damit wir alle unterworfen sind. Heute so, morgen so und übermorgen wieder anders.

Baldanders, so könnte auch die Überschrift für unseren Haushalt 2021 lauten. Geprägt vom unerwarteten Geldsegen dieses Jahres präsentierte er sich bis vor kurzem hoffnungsvoll und mutig in seinen Investitionen, ohne die dunklen Wolken am Horizont auszublenden.

Mit der eingetroffenen Hiobsbotschaft sehr viel niedrigerer Schlüsselzahlen als angenommen, zu unserem  Anteil an Einkommensteuer, Umsatzsteuer und Einkommenssteuerersatz, muss nun die Hoffnung zwar ein Stück größer werden, der Mut wäre allerdings Übermut, wollten wir alle unsere Investitionen, wie ins Auge gefasst, umsetzen. Leider müssen wir einige Projekte nun doch schieben.

Wir investieren natürlich nach wie vor in unsere Infrastruktur und unsere Ortsmitte. Wir schaffen, trotz allem, neuen gemeindeeigenen Wohnraum und wappnen uns mit der Erweiterung unseres Rathauses für die steigenden Anforderungen an unsere Gemeinde. Wir packen mit dem Neubau des Kindergartens St. Konrad ein weiteres Projekt an, um unserem hohen Anspruch im Bereich der Kinderbetreuung und Bildung weiterhin gerecht zu werden. Auch für die schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft, die ohne Unterkunft sind oder diese von einem Tag auf den anderen verlassen müssen, ist eine Verbesserung vorgesehen, indem Budget für den Bau einer Notunterkunft bereitgestellt wird. Zudem verbessern wir erneut die Ausstattung unserer Feuerwehr mit einem neuen Löschgruppenfahrzeug. Wie wichtig das ist, haben wir vor wenigen Tagen wieder gesehen.

Eigentlich wollten wir auch die Neuplanung des Jugendheims Dino angehen, um gemeinsam mit den Jugendlichen und den Leitern ein modernes Jugendzentrum zu schaffen. Auch unsere Bücherei sollte einen neuen Hafen finden und in der Bahnhofstr. 3 zusammen mit einem Lesecafe, einem Buchladen sowie einer darüberliegenden Augenarztklinik ein weiterer attraktiver Magnet für unsere Ortsmitte werden. Leider müssen wir beide Projekte verschieben, werden sie aber nicht aus den Augen verlieren und beim nächst möglichen Zeitpunkt realisieren.

Mehr als noch vor ein paar Tagen trägt unser Haushalt nun die Spuren drohenden Unheils in sich. Bei den freiwilligen Leistungen können wir nicht mehr aus dem Vollen schöpfen. Wir werden Einschnitte hinnehmen müssen. Die sich bereits seit Längerem ankündigenden Gewerbesteuereinbrüche müssen wir genauso schultern, wie die zu erwartenden Mindereinnahmen durch die Corona-Krise. Wie hart es uns tatsächlich treffen wird? Das vermag niemand zu sagen. Das Tal, das wir zu durchschreiten haben, ist genauso unwegig wie dunkel. Und Baldanders wird uns folgen, auf Schritt und Tritt.

Dennoch ist mir nicht bange. Unsere Haushaltsvorbesprechung und der damit verbundene Diskurs waren im Großen und Ganzen geprägt von konstruktiver Debatte. Auch wenn so manche Zielsetzung differiert, die meisten, die hier sitzen wissen, dass wir nur zusammen, die vor uns liegenden Herausforderungen werden meistern können. Zusammenhalt wird wichtiger denn je sein, wenn wir das finstere Tal zügig wieder verlassen wollen.

Dieser gemeinsame Geist war und ist spürbar, wenngleich ich nach wie vor enttäuscht bin, dass der notwendige Ausbau unserer Wirtschaftsförderung blockiert wurde. Hier benötigen wir dringend personelle Verstärkung, um gerade jetzt zu beginnen den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Die Wirtschaftsförderung darf nicht zum Politikum werden und so bitte und werbe ich nochmal eindringlich dafür, die eingenommene Haltung zu überdenken. An der Schlagkraft der Wirtschaftsförderung zu sparen, ist ungefähr so sinnvoll, wie die Uhr anzuhalten, um Zeit zu sparen. Sparen wir bitte nicht am falschen Ende.

Denn auch wenn alles bald anders sein kann, ist doch jeder seines eigenen Glückes Schmied. Doch zum guten Schmieden brauchts auch gute Ausstattung. Lasst uns dem drohenden Ungemach ein Schnippchen schlagen. Lasst uns auch im Bereich der Wirtschaft Schmied sein. Dann werden auf die mageren Jahre auch wieder fette Jahre folgen. Davon bin ich fest überzeugt.

Ihr Bürgermeister Dr. Andreas Bukowski