Empathie, Resilienz & Co.

Pädagogische Fachbegriffe und ihre Bedeutung

von Dip.-Soz.Päd. Hildegard Rieder-Aigner


Akzeptanz
bedeutet Annahme, Zustimmung, Anerkennung. Als Grundhaltung in der pädagogischen Arbeit ist die vorbehaltlose Annahme jedes einzelnen Kindes mit seiner unverwechselbaren, individuellen Persönlichkeit unverzichtbar. Diese Achtung der Person ist - wie die Menschenwürde - nicht verhandelbar, ein unangemessenes Verhalten dagegen schon. Die Trennschärfe von Person und Verhalten ist ein bedeutsamer Aspekt in der Erziehung, denn auch die Besten machen Fehler. Kein Kind kann jedoch ohne Schaden zu nehmen, auf die Liebe seiner Eltern oder die wohlwollende Zuwendung der PädagogInnen verzichten. Frühere Generationen nahmen das oftmals nicht  so genau, da hieß es einfach: „Wenn du nicht aufräumst, nicht aufisst, nicht tust, was ich sage, dann mag ich dich nicht mehr…“. Heute bestätigt man einerseits die Beziehung: „Ich mag dich…“ und grenzt andererseits ab: „…aber ich mag nicht, wie du dich benimmst, dass du seine Sachen herum schmeißt, deine Geschwister ärgerst, mir nicht zuhörst, dich nicht an abgesprochene Regeln hältst, wenig Rücksicht auf andere nimmst…“. Erwachsene, denen diese Differenzierung schwer fällt, sollten sich an eigene Kindheitsnöte erinnern mit folgendem Spruch: „Liebe mich, wenn ich es am wenigsten verdiene, denn dann brauche ich es am meisten“.   

Authentitzität
Übersetzt wird dieser Begriff mit Echtheit, Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit. Diese sind Grundhaltungen und Eigenschaften, die einen hohen Stellenwert in der pädagogischen Arbeit haben. Vor allem Kinder erspüren sehr genau, wie authentisch also glaubwürdig und offen Erwachsene ihnen gegenüber sind.
Obwohl Geschichten, Spaß und Humor vor allem in der Kindheit eine wichtige entwicklungspsychologische Rolle spielen, möchten Kinder den Unterschied zwischen Phantasie und Realität dennoch genau wissen und erfahren. Mit anderen Worten, sie möchten in jeder Altersstufe ernst genommen und akzeptiert werden. 

Basiskompetenzen 
Zu den Basiskompetenzen zählen grundlegende Fähigkeiten, die einem Kind ermöglichen, mit anderen Kindern und Erwachsenen in Austausch (Interaktion) zu treten und sich mit den Dingen in seiner Umgebung auseinander zu setzen. Ausgangspunkt dieser Ansicht ist unter anderem die Selbstbestimmungstheorie. Sie besagt, dass jeder Mensch, also auch jedes Kind, drei grundlegende, psychologische Bedürfnisse hat, die bis zu einem gewissen Ausmaß befriedigt sein müssen um sich anderen Aufgaben zuwenden zu können. Diese sind:
1.      Soziale Eingebundenheit   
2.      Autonomieerleben
3.      Kompetenzerleben 

Empathie
Menschen mit Empathie haben Einfühlungsvermögen in andere Personen. Daher zählt sie in der professionellen Pädagogik zu den Schlüsselqualifikationen. Empathie ist keine Technik, die eingeübt werden kann. Sie setzt Selbstreflexion voraus und schließt Mitverantwortung für Kinder und Erwachsene mit ein. Da Empathie als ein nicht wertendes Verstehen anderer Personen bezeichnet wird, ist ein hohes Maß an Selbstdisziplin in Wort und Tat gefragt. Das eigene Sprechen und Handeln wird stetig überprüft und verbessert. Das Verhalten anderer wird ebenfalls wohlwollend-kritisch hinterfragt. 

Evaluation
Die Anwendung von Evaluation bedeutet: Bewertung, Beurteilung, Überprüfung einer Institution, einer Aufgabe, eines Auftrages oder eines Projekts nach seiner Zielsetzung und Wirkung. Im ökonomischen Sinn geht es oft um eine Kosten-Nutzen-Relation. In pädagogischen Arbeitsfeldern geht es vor allem um die Qualitätskontrolle in öffentlichen Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungseinrichtungen. Zur Evaluierung werden die Rahmenbedingungen und die pädagogischen Konzeptionen herangezogen. Auch die Elternbefragung in KiTas ist Teil davon. Grundsätzlich wird  zwischen der Selbstevaluation durch die hauptamtlichen Fachkräfte und der Fremdevaluation durch eine unabhängige Beratung von außen unterschieden. Nutzen der Evaluation zeihen alle Beteiligten, denn daraus folgen die Planung, das Handeln, die Kontrolle und gegebenenfalls eine Korrektur wie in einer Qualitätsspirale. Als solche kann sie auch für jeden einzelnen Menschen im Privat- und Familienleben hilfreich sein. 

Interaktion
Mit Interaktion sind gemeint: Zwischenwirkung, Wechselbeziehung und gegenseitige Einflussnahme von Erwachsenen und Kindern untereinander, von Einzelnen und Gruppen. Für Kinder sind interaktionelle Beziehungen zu gleich- und verschieden altrigen Personen zur Entfaltung der Persönlichkeit äußerst wichtig. Auf die Zugehörigkeit zu einer Gruppe (Gemeinschaft) können sie nicht verzichten. Mit zunehmendem Alter bekommt diese interaktive Zugehörigkeit immer größeres Gewicht. Interaktionen finden vor allem in der Sprache aber auch in der Körpersprache ihren Ausdruck. 

Integration und Inklusion
Die beiden Begriffe sind bereits zum Allgemeingut geworden, denn sie bedeuten  Einschließung, Einbeziehung, Eingliederung. Die pädagogischen Bemühungen, kein Kind aus einer wohnortnahen KiTa auszugrenzen, sind seit einigen Jahren erfolgreich. Bei genauer Unterscheidung der Begriffe Integration und Inklusion ergeben sich dennoch Unterschiede: Die Integration nimmt einzelne Kinder mit besonderem Förderbedarf (begrenzt) in bestehende Regelgruppen auf. Das einzelne Kind wird in eine bestehende Gruppe iintegriert. Unter Inklusion versteht man die bedingungslose Teilhabe aller Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben. Inklusion ist umfassend und geht auch in  den Bildungseinrichtungen um einen großen Schritt weiter. Kinder mit Behinderungen werden künftig nicht mehr in Sondereinrichtungen speziell gefördert (Segregation) sondern haben das Recht in jeder KiTa oder Schule zu leben und zu lernen. Diese Regelung stellt eine große Herausforderung für unser tradiertes Bildungssystem dar. Inklusion stützt sich auf  die „UN-Behindertenrechtskonvention“ und legt fest, dass es für alle Menschen mit Behinderungen weltweit gleiche Chancen und Rechte geben muss. Die Bundesrepublik Deutschland und alle 16 Bundesländer haben das Übereinkommen unterschrieben, das nun seit dem 26. März 2009 in deutsches Recht und in die Praxis umzusetzen ist.  

Motivation
Unter Motivation versteht man die Summe der Beweggründe für das Handeln von Menschen aller Altersgruppen. Allerdings ist das reflektierende Bewusstsein über die eigenen Motive ein langjähriger Lern- und Erfahrungsprozess. Fragt man Kinder nach dem Grund ihres Verhaltens, so bekommt man oft die´karge Antwort: „…weil der oder die das  gemacht hat, oder …ich weiß es nicht“. Das ist der Hinweis darauf, dass es eine innen- und eine außengeleitete Motivation gibt. Eltern fragen oft: „Wie kann ich mein Kind zum Lernen motivieren?“. Antwort: Kinder sind grundsätzlich von sich aus motiviert zu lernen, denn das ist die Lieblingsbeschäftigung ihres Gehirns. Allerdings lernt jeder Mensch nur das, was ihn interessiert. Damit wären wir wieder bei der Motivation, die für bestimmtes Lernen erforderlich ist, das heißt Wissbegierde und Interesse für das zu wecken, was gerade jetzt gelernt werden muss. Dies ist die unumgängliche Aufgabe für das Kind selbst und für seine Eltern oder Familien und für die PädagogInnen in KiTas und Schulen.   

Resilienz 
Resilienz wird mit Widerstandsfähigkeit übersetzt. Dieser, in der Sozialpsychologie noch relativ neue Begriff dient dazu, nach stark machenden und gesund erhaltenden Faktoren im Leben von Kindern und jungen Menschen Ausschau zu halten. Resilienz bezeichnet somit die Fähigkeit eines Kindes (einer Person, einer Familie) erfolgreich mit belastenden Lebensumständen oder negativen Folgen von Stress umgehen zu können.
Konkret und dauerhaft geht es darum, sich von  schwierigen Lebensumständen nicht unterkriegen zu lassen, nicht an Problemen und Belastungen zu zerbrechen sondern allem zum Trotz, Lösungen zu finden sowie Fähigkeiten und Begabungen auszubauen - auch mit Hilfe vertrauenswürdiger Mitmenschen.

Resonanz
in der Pädagogik bedeutet in Schwingung kommen oder andere in Schwingung zu versetzen. Kinder und Jugendliche sind besonders empfänglich für Resonanz, denn sie führt zu Bestätigung und Anerkennung ihrer Person. Interesse wird geweckt, vielleicht sogar Begeisterung für eine Aufgabe, für ein Sachgebiet, kurz gesagt für lebendiges, motivierendes und vielseitiges Lernen. Resonanz in diesem Sinn können nur Menschen erzeugen, bewusst oder unbemerkt. Es gilt der unumstößliche Grundsatz der heißt: „Person ist  auf Person resonant“ und schließt aus, dass nicht noch so wertvolle, materielle Güter diese Wirkung ersetzen können. Resonanz benötigen übrigens alle Altersgruppen, ein Leben lang. Sie ist eng verwandt mit der Motivation. Resonanz wirkt durch anerkennende Sprache und Rückmeldung (Feedback) aber auch durch anregende Ideen oder das Finden von Lösungen bei Schwierigkeiten. Sie wirkt umso stärker, je näher sich Menschen stehen und je offener der Einzelne genau in diesem Moment für anregende Schwingungen ist. 

Selbstwirksamkeit
Das Wissen um die Kraft, selbst etwas erfolgreich bewirken zu können, wächst nur über die Ausbildung des Selbstbewusstseins. Alle weiteren Begriffe wie das Selbstwertgefühl, die Selbstbeobachtung oder die Selbstständigkeit grenzen den Einzelnen von der Gruppe ab und sind doch gleichzeitig die Voraussetzung für Sozialverhalten und Gemeinschaftsfähigkeit. Jeder Mensch und jedes Kind möchte aus eigener Kraft etwas bewirken sowie angemessen mitreden und mitgestalten können. Dieses Kompetenzerleben gehört zu den Basiskompetenzen. Wenn eigene Interessen und anerkannte Wertstellungen zusammentreffen, fühlt sich der kleine, wie der erwachsene Mensch eingebunden in die Gemeinschaft. Andernfalls erlebt er Frust und schlimmstenfalls soziale Ausgrenzung, die wiederum zu Fehlverhaltensweisen führt.

Situationsansatz 
Lebenssituationen werden zu Lernsituationen. Auf diesen einfachen Nenner gebracht, lässt sich der Situationsansatz leicht nachvollziehen. Er steht im Gegensatz zum funktionsorientierten Ansatz, in dem spezifische Fertigkeiten vermittelt werden.
So funktionierts: Pädagogische Fachkräfte etwa im Kindergarten greifen Themen aus dem Leben der Kinder auf, die über den Augenblick hinausweisen und übertragbare Lernerfahrungen beinhalten. Der Situationsansatz erlaubt die Mitsprache und Mitgestaltung der Kinder. Er fördert ihre Entwicklung zur Selbstständigkeit und unterstützt ihre kreativen Kräfte. Die Einrichtung und alle Beteiligten verstehen sich als lernende Organisation. 

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