Die Landstraße mit ihren Apostelhäusern

"Der Verkehr auf der Landstraße durch Haar ist beachtlich und nicht selten ist auch rücksichtsloses Verhalten zu beobachten: Die Fahrzeuge weichen sich nicht richtig aus und haben dabei schon so manche Beschädigungen verursacht. Außerdem verkehren hier immer wieder unerlaubterweise überbreite Fahrzeuge, andere schlafen einfach während des Fahrens ein."

Keine Angst: Die B 304 ist zwar enorm frequentiert, aber nicht etwa in letzter Zeit zur echten Kamikaze-Strecke geworden. Eine wirklich wilde Zeit erlebte die Bundesstraße, als sie noch vor allem für Salztransporte und von Kaufleuten genutzt wurde – die zitierten Beschreibungen gehen etwa 200 Jahre zurück. Die alte Salzstraße jedoch existierte schon weit länger und ihr Verlauf änderte sich in ihrer Geschichte zweimal - zuletzt 1158, als Heinrich der Löwe die Isar-Brücke in Föhring zerstören ließ.

Viel befahren und holprig

Auch in Haar hat man von der Handelsstraße bereits sehr lange profitiert. Vor allem der Wirt (an der heutigen Salzgasse beim Familienzentrum) hatte durch sie immer volles Haus. Ab 1711 kamen neben den Fuhrknechten auch die Thurn- und Taxischen Postkutschen über diese Strecke: Sie transportierten damals nicht nur Briefe und Pakete, sondern auch Reisende. Eine bequeme Fahrt hatten diese jedoch mit Sicherheit nicht, selbst wenn man die Straße zur Chaussee ausgebaut hatte. Die Qualität der Straße war immer noch miserabel, wie auch prominente Zeitzeugen in ihren Aufzeichnungen festhielten. Hier ein besonderer Bericht dazu:

Am 6. November 1780 fuhr Wolfgang Amadeus Mozart auf der Landstraße durch Haar, um zur Uraufführung seiner Oper Idomeneo nach München zu kommen. Bequem war diese Reise wohl nicht für den damals gerade einmal 24-jährigen Komponisten: Schlaglöcher reihten sich aneinander auf der damaligen Salz- und Poststraße – und das bei den schlecht gefederten Kutschen der damaligen Zeit! Wie schlimm es für Mozart tatsächlich war, verrät ein Brief an seinen Vater. "Dieser Wagen stößt einem doch die Seele heraus. Und die Sitze hart wie Stein! Von Wasserburg aus glaubte ich in der Tat, meinen Hintern nicht ganz nach München bringen zu können. Er war ganz schwielig und vermutlich feuerrot, zwei ganze Posten fuhr ich die Hände auf dem Polster gestützt und den Hintern in Lüften haltend", beklagte sich Mozart.

Erinnerungen an die "alte Landstraß"

Aber auch heute gibt es noch genügend Haarer, die sich an die „alte Landstraß“ erinnern: Sie war eingesäumt von schönen alten Alleebäumen, es passten gerade einmal zwei Autos aneinander vorbei und am Straßenrand klafften tiefe Gräben. Der Straßenbelag bestand aus Schotter – und allein das rechtfertigte die Beschäftigung eines Straßenwärters: Ihn sah man damals praktisch ununterbrochen mit Schubkarre, Schaufel und Pickel über die Straße fahren. Seine Aufgabe: den Wasserlachen und Schlaglöchern zuleibe rücken. Die Kinder jedoch hatten ihre wahre Freude an der maroden Straße: Im Winter konnte man auf ihr prima Schlittenfahren, wenn es glatt wurde kamen sogar die Schlittschuhe zum Einsatz. Für die Kleinsten der Gemeinde war die Landstraße eine Art Spielplatz, schließlich gab es hier bis in die 50er-Jahre hinein weder Staus noch rote Ampeln.

Die Apostelhäuer

Nicht viel ist von dem Flair der alten Landstraße bis heute geblieben. Doch eines hat sich bis in unsere Zeit herübergerettet – wenn auch verändert: Wie ein Empfangskomitee reihten sich die "12 Apostelhäuser" – wie sie im Volksmund genannt werden - am Ortseingang Haar (von Ebersberg kommend) aneinander. Eigentlich waren es 13 kleinere Häuschen, die sich wie ein Ei dem anderen glichen. Heute sind die meisten in ihrem Aussehen durch Umbauten verändert – aber das ein oder andere erinnert noch an frühere Zeiten.