Der Totengräber vom Nikolauskircherl

Im Laufe der Jahrhunderte haben unzählige Menschen im Setzerhof, einem der ersten erwähnten Höfe Haars, gelebt. Unter anderem auch immer wieder die Totengräber der gegenüberliegenden Nikolauskirche. Von einem dieser Leichenbestatter gibt es eine besonders kuriose Überlieferung: Er hatte, da die Zeiten schlecht waren, eine besonders bizarre Idee der Wiederverwertung entwickelt.

Der alte Setzerhof in Haars Ortsmitte in den 30er-JahrenUm den Setzerhof zu heizen, brachte er immer wieder Holz von der Arbeit mit nach Hause. Dabei handelte es sich aber um nichts anderes, als um alte, nur zum Teil verrottete Särge, auf die er beim Graben stieß. Auch die Bänder an den Trauerkränzen führte er dem Recycling zu: Diese bestanden damals noch aus Seide und die Frau des Totengräbers schnitt sie in feine Bänder und webte aus ihnen im sonnigen Garten des Setzerhofes sitzend neues Tuch. Die ausrangierten Kränze schließlich wurden von einem Nachbarn wiederverwertet: Er benutzte sie zum Räuchern seiner Würste und Schinken. Ob die Bevölkerung von all dem wusste, das ist nicht überliefert. Auf jeden Fall ein besonders nachhaltig denkender Zeitgenosse.

Friedhofseinteilung Nikolauskirche - Plan aus der Chronik

Die Friedhofeinteilung an der Nikolauskirche. Ja, selbst im Tod gab es noch "Klassen-Unterschiede" ...