Der Frieden von Haar?

Vor mittlerweile fast 80 Jahren endete der zweite Weltkrieg. Eine Unterschrift – vermutlich aus Haar – spielte dabei eine historische Rolle.

Die "Alte Haarer Turnhalle" hat ein besonderes Flair: Der knarzige alte Holzboden, die große Bühne und der hölzerne Balkon geben der Mehrzweckhalle nicht den typischen, etwas sterilen "Sporthallen-Stil". Doch niemand würde vermuten, dass in dieser Halle am 5. Mai 1945 wohl Weltgeschichte geschrieben wurde.

Es gibt Hinweise darauf, dass hier der Oberbefehlshaber der 1. Armee, General Hermann Foertsch, im Beisein amerikanischer Offiziere, die bedingungslose Kapitulation der in Süddeutschland stehenden deutschen Streitkräfte unterzeichnete. „An der linken Seite des Tisches saßen die amerikanischen Offiziere, wobei Viersterne-General Jacob Denvers präsidierte. Ihnen gegenüber nahm die deutsche Delegation Platz. Die Stimmung war eisig“, erinnert sich der als Dolmetscher fungierende Hauptmann Hans-Otto Berendt noch Anfang der 70er-Jahre.

FriedensvertragEr verortet dieses Ereignis klar in die Haarer Turnhalle, auch das im Bundesarchiv aufbewahrte Papier nennt als Ort der Unterzeichnung "Haar". Und so ist das Ereignis als "Kapitulation von München-Haar" in die Geschichtsbücher eingegangen. Zu Recht? Die Historiker sind sich nicht einig: Einiges weist darauf hin, dass die Kapitulation im sogenannten Thorak-Atelier im benachbarten Baldham unterzeichnet wurde. Wie auch immer: Durch die Unterschrift endete für hundertausende Soldaten der 2. Weltkrieg.

HJ_Heim

Eigentlich war die Haarer Turnhalle 1938/39 unter ganz anderen Vorzeichen errichtet worden: Sie sollte Teil eines mustergültigen Hitler-Jugend-Heims werden. 1939 entstand an der heutigen Friedrich-Ebert-Straße ein Bau mit "Scharräumen", "Kameradschaftsraum", "Führerraum" und einem "Feierraum", der stolze 475 Quadratmeter maß. 1954 wurde an dieses bestehende Gebäude die Konradschule angebaut – und in diesem Zug der große Feierraum abgerissen. An dessen Stelle steht heute die alte Eingangshalle zur Grundschule. Das restliche HJ-Gebäude existiert noch: In den Räumen befindet sich das Gesundheitszentrum der VHS. Und auch die historische Turnhalle wird noch fleißig genutzt – für Kurse und Schulveranstaltungen.

Die alte Turnhalle heute