Erstes Haarer Handicap-Treff war ein voller Erfolg


"Welches Handicap hast Du? Und wie kommst Du damit zurecht?"

Das wollte der Behindertenbeirat Haar in Zusammenarbeit mit der Jesuskirche von interessierten Bürger wissen. Etwa fünfundzwanzig Menschen folgten der Einladung zwischen Gottesdienst und sonntäglichem Mittagessen ins evangelische Gemeindehaus.

Da war die Rentnerin mit Schwerbehindertenausweis, die einfach nur mal schauen wollte, wer sich so einfinden würde zum ersten Handicap-TREFF. Denn manchmal fühle sie sich schon ein bisschen einsam, sagte sie, besonders wenn der Aktionsradius durch die Gehbehinderung immer kleiner werde. Für einen anderen Rentner war die Gehbehinderung eher Motivation sich noch mehr für andere einzusetzen. Peter Bock heuerte beim Behindertenbeirat an und begann Arztpraxen und therapeutische Dienstleister auf ihre Barrierefreiheit zu testen. Die Auswertung wolle er bald der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, fügte er an.

Nicht bremsen lassen wollte sich auch der 20jährige Paul Wegner, der unverdrossen im Elektro-Rollstuhl durch den Regen ins Pfarrzentrum rollte. Im Schlepptau immer dabei Mama Petra, die freimütig zugab: "Uns gibt es nur im Doppelpack! Man könnte auch sagen, wir sind wie ein Ei - wenn Paul das Dotter ist, dann bin ich das Eiweiß. Ich versuche ihn halt bei all seinen Ideen zu unterstützen!" Das ist Mutterliebe! Aber auch bewundernswertes Engagement für Menschen mit Handicap! Aufopfernd beispielsweise auch die Symbiose eines weiteren Rentner-Paars: Beide über 80, sie durch fortschreitende Makula-Degeneration fast erblindet, er ihr Schlüssel zu Welt. "Natürlich hat meine Frau jetzt noch mehr Angst, dass mir etwas passiert...Ich gehe nicht mal mehr zum Radfahren, um sie nicht zu beunruhigen! Alleine wäre sie völlig hilflos.", erzählte er mit fester Stimme und fügte leise hinzu, während er ihre Hand streichelte: "Einfach ist das für uns beide nicht!"

Neben solch bewegenden Eingeständnissen meldeten sich im ersten Handicap-TREFF aber auch Menschen zu Wort, die einfach nur Hilfe anbieten wollten. Beispielsweise der Haarer Rikschafahrer, der mit seinem Dreirad selbst Rollstuhlfahrer mitnehmen würde. Oder die Lach-Yoga Therapeutin, die aus Erfahrung wusste, wie wichtig eine starke Seele für einen gesunden Körper ist. "Gerne können wir mal zusammen lachen!" Die ehemalige Viktualienmarkt-Blumenfrau Erika Schuster würde gerne Nägel mit Köpfen machen und Menschen mit Rollstuhl in Haar endlich ein Auto organisieren. Dafür sei sie sogar bereits mit ihrer Bank in Kontakt getreten!

"Was ist Dein Handicap? Wofür kämpfst Du?"

Das wollte der Handicap-TREFF von den Haarer Bürgern*innen wissen und hinterließ eindrückliche Erzählungen und viel Nachdenkliches bei den Besuchern. Er motivierte zu spontanen Hilfsangeboten und zu großen Geständnissen. So die Frau, die lange still zugehört hatte und zum Schluss schnell noch erzählen musste, wie gerne sie anderen Menschen helfe. "Weil Helfen, das ist meine Leidenschaft!" Was für ein schönes Schlusswort befand Moderatorin und Handicap-TREFF Initiatorin Bettina Endriss-Herz.

Bürgermeister Dr. Andreas Bukowski und Pfarrerin Annedore Becker ließen es sich nicht nehmen, der beeindruckenden Sonntagmittag-Bürgeraussprache bis zum Schluss beizuwohnen und betonten gleichermaßen zugewandt, die Wichtigkeit solcher Veranstaltungen.

Endriss-Herz, selbst Rollstuhlfahrerin, wünschte sich für den nächsten Handicap-TREFF am 30.10. wieder ebenso viel Menschlichkeit, trotzdem nützliche Informationen und interessante Tipps aus erster Hand und zeigte sich beeindruckt und dankbar für das große Interesse!

Weitere Infos:

behindertenbeirat@gemeinde-haar.de

(von Bettina Endriss-Herz)