06. August 2014

Wechsel im Vorstand des Haarer Tischs

Er war ein Mann der ersten Stunde, Mitbegründer und nicht nur durch seine Körpergröße herausragende Persönlichkeit des Haarer Tisches – doch jetzt hat er sich nach fast 10 Jahren offiziell aus dem Vorstand verabschiedet: Dr. Alexander Zill. Er geht nicht mit Wehmut, denn die Nachfolge ist bestens geregelt: Eva Genseleiter ist statt seiner nun im Vorstandsteam mit Klaus Rückert, Sigmund Manhart und Jürgen Partenheimer tätig.

„Es ist eine Frage der Zeit und des sonstigen Engagements, natürlich auch des Berufs. Und es ist ja nicht „mein“ Haarer Tisch. Der läuft klasse. Auch ohne mich. Wir haben ein großes, gewachsenes Team.“ Diese Worte des Abschieds kommen regelrecht fröhlich aus Alexander Zills Mund. Nach einem Jahrzehnt im Ehrenamt sei es einfach Zeit für einen Wechsel, meint er. Ganz aufhören wird sein Engagement dennoch nicht: Alexander Zill wird weiterhin Besorgungen für den Tisch machen und auch in den Schulen Vorträge über dieses soziale Projekt und die Armutsprobleme, die es eben auch in Haar gibt, halten. „Mit viel persönlichem Einsatz hat Alexander Zill den Haarer Tisch auf den Weg gebracht“, sagt  Bürgermeisterin Gabriele Müller ‚“. Für mehr als 300 Menschen, die mitten unter uns an der Armutsgrenze leben, ist er ein wichtiger Beitrag zur Alltagsbewältigung.“

„Ich wollte mich integrieren“
Zills Nachfolgerin Eva Genseleiter ist kein neues Gesicht beim Haarer Tisch: Bereits im November 2010 begann sie mit ihrem Engagement. Damals war sie gerade von Grasbrunn nach Haar gezogen und sich einfach auf der Internetseite der Gemeinde informiert, welche Vereine oder ehrenamtlichen Tätigkeiten es in ihrem neuen Wohnort gibt. Denn schließlich sollte Haar auch die neue Heimat der heute 54-Jährigen werden. „Ich wollte mich integrieren“, sagt sie. Und so ist sie froh, dass sie auf den Haarer Tisch gestoßen ist. „Ich hab mich schon beim ersten „Schnuppern“ sofort wohl gefühlt. Und eigentlich haben alle meine Kontakte, die ich heute in Haar habe, ihren Ursprung im Haarer Tisch“, erzählt Eva Genseleiter.

Erfreulicher Pflichttermin – Dienstagabend
Die Dienstagabende sind seither bei Informatikerin, die ein Unternehmen leitet, fest verplant: Sie sortiert mit den anderen Helfern die gespendeten Lebensmittel, putzt die Frischwaren und ist anschließend bei der Ausgabe dabei. Ihr persönlicher Lieblingsmoment – und das, obwohl es immer wieder bedrückende Momente gibt. „Es kommt so unfassbar viel Herzlichkeit von den Kunden zurück“, schwärmt Eva Genseleiter. Wenn sie mal müde aussehe, würde sie von vielen angesprochen, ob alles in Ordnung sei. „Und das, obwohl die Leute oft selbst so große Sorgen und Probleme haben“, sagt sie. Und genau das ist für sie ein wirklich schöner Ausgleich zu der technischen Ingenieurswelt, in der sie sonst tätig ist. „Das erdet mich“, sagt sie. Als Eva Genseleiter nun von Alexander Zill gefragt wurde, ob sie in die Vorstandschaft nachrücken wolle, hat sie auch nicht lange gezögert. „Haar gibt mir so viel – und jetzt kann ich ein wenig zurückgeben“, sagt sie.

Mehr Kunden, weniger Lebensmittel
Und dennoch ist sie ein wenig in Sorge, denn es lässt sich beim Haarer Tisch eine beunruhigende Tendenz erkennen: Es kommen immer mehr Leute, die auf die Hilfe angewiesen sind – jedoch die Lebensmittelspenden bleiben gleich oder gehen sogar tendenziell eher zurück. Was ohnehin immer fehlt, sind haltbare Lebensmittel wie Nudeln, Reis oder Konserven. Außerdem haben die Supermärkte für sich entdeckt, dass sie fast abgelaufene Lebensmittel auch in einer „Reduziert-Ecke“ noch zu Geld machen können. Zuvor kamen solche Waren zum Haarer Tisch. Deshalb kommt ein dringender Aufruf von den ehrenamtlichen Mitarbeiter an die Haarer Supermärkte, Bäcker, Gemüsehändler und Co sowie Privatpersonen: Bitte unterstützen sie den Haarer Tisch.

Im Bild von links: Bürgermeisterin Gabriele Müller, Dr. Alexander Zill und Eva Genseleiter in der Ausgabestelle des Haarer Tisch im Setzerhof

Claudia Erl