24. Juli 2020

Juliane Dworzak geht in den Ruhestand

Abschiedsrede von Andreas Bukowski während der Juli-Gemeinderatssitzung:

Liebe Frau Dworzak,

eigentlich wollten Sie nie Schulleiterin werden, hat man mir aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen erzählt. Lehrerin, das war Ihr Traumberuf. Sie wollten nicht in die Verwaltungsarbeit eindringen, Sie wollten mit Kindern arbeiten, sie weiterbringen und unterstützen, weil sie es in der Schule nicht ganz so gut hatten. Deshalb sind Sie Hauptschullehrerin geworden.

Sie sind ein echtes Haarer Kindl, sind zwar wie die meisten Haarer Babys in München geboren, aber in der Gemeinde aufgewachsen, sind in der Konradschule zur Schule gegangen, haben sich hier verliebt, geheiratet, ein Haus gebaut, Ihre Kinder groß gezogen und haben nach einer Weile auch hier Ihr berufliches Umfeld gefunden. Geplant war das - zumindest dienstlich - nicht. Ganz im Gegenteil. 

Aber eigentlich lief ja alles darauf hinaus. Schon während des Studiums machten Sie Praktika an der neuen Jagdfeldschule. Damals war die Hauptschule dorthin ausgelagert. Sie haben die Zeit sehr geschätzt. Den damaligen ersten Rektor der Schule Wilfried Mölle, kannten Sie bereits aus Ihrer Grundschulzeit.

Nach dem Studium haben Sie als mobile Reserve 14 Schulen in den Landkreisen Ebersberg und München kennengelernt. Bevor Ihre eigenen Kinder kamen, waren Sie als Lehrkraft in Steinhöring und wollten auch gerne dort bleiben. Ihr Arbeitgeber aber hatte andere Pläne. Er hat Sie nach der sechsjährigen Familienpause für Ihre Töchter Katharina und Anna nach Neukeferloh versetzt.

1991 kamen Sie an die Jagdfeldschule. Sie wollten nicht so gerne an Ihrem Wohnort unterrichten, weil Sie befürchtet hatten, dass Ihre Haarer Schüler und Eltern ähnlich anhänglich werden könnten wie manche Kinder aus früheren Schulen, die dann öfter mal am Wochenende bei Ihnen in Haar klingelten.

Aber die Haarer konnten das „social distancing“ schon damals. Es entwickelte sich ein „sehr schöner Elternkontakt“ wie Sie berichten. Sie waren immer nahbar und wie mir erzählt wurde, waren Sie auch die einzige Lehrerin, die sich bei Elternbeiratsfesten, wie dem 25jährigen Jubiläum der Jagdfeldschule, nie zu schade waren, mal Bierbänke zu schleppen oder in der Küche mit abzuspülen. Frühere Elternbeiräte schätzen Sie dafür und für Ihr immer offenes Ohr bis heute.

Sie haben an der Jagdfeldschule immer die „Großen“ unterrichtet, dritte und vierte Klasse. Großes Eltern-Thema von Beginn an der Übertritt auf Gymnasium oder die Realschule. Jeder kann sich die intensiven Gespräche vorstellen und auch die Verantwortung, die auf Ihren Schultern lag. Ihnen ging es immer um die Kinder, um die beste Förderung für jedes einzelne Kind.

Als Schulleiterin Maren Günther 1998 ins EU-Parlament wechselte, kam Frau Monika Modrow-Lange als Rektorin nach Haar, jetzige 2. Bürgermeisterin in Ottobrunn. Das damalige Kollegium beschwor Sie, das Amt der Konrektorin anzustreben. Sie haben sich überreden lassen, auch weil Sie annahmen, dass Sie als Gewerkschafts- und SPD-Mitglied ohnehin keine Chance hätten. Tja, man darf die CSU nicht unterschätzen.

Als Kontektorin haben Sie die Freude an Leitungsaufgaben entdeckt und als 2010 die damalige Schulleiterin schwer erkrankte, haben Sie den Chefsessel übernommen. Sie haben diese Aufgabe drei Jahre kommissarisch ausgeübt, mehr Geld gab es dafür nicht. 2013 schließlich sind Sie offiziell zur Schulleiterin ernannt worden.

Sie haben die Position schätzen gelernt, weil sie viel Kreativität und Gestaltungsspielraum ermöglicht. Ihre Verbindung im Ort war von Vorteil, wie Sie bald erkannten. Sie öffnete Türen. Sie schätzten die kurzen Wege und das wertschätzende Miteinander.

Positive Motivation war Ihr Leitsatz, Integration ein weiteres Ihrer großen Themen – in mehrfacher Hinsicht. Ihr oberstes Ziel war es immer, neue - meist - Kolleginnen zu integrieren, in den Jahrgangsstufen zu vernetzen und eine kollegiale Arbeitsatmosphäre zu schaffen, in der man sich gegenseitig stützt, wenn es mal nicht so rund läuft. Hausmeister, Sekretärin, Mittagsbetreuung, vhs-Grundschul-Kolleg und Kreisjugendring – alle Partner der Schulfamilie wurden eingebunden.

Integration sahen Sie auch als positives Element, die vielen verschiedenen Kulturen an der Jagdfeldschule zusammenzubringen. Die Vorteile aus allen Welten zu erkennen und kreativ das Beste daraus zu ziehen, in kleinen Klassen gezielt Sprache zu fördern und zu unterrichten und auch mal gemeinsam zu feiern.

Unter Ihrer Führung ist die Jagdfeldschule wiederholt zur Umweltschule ernannt worden, was man sich jährlich neu verdienen muss.

Zum Ende Ihrer Laufbahn wurde Ihr Berufsalltag nicht ruhiger, ganz im Gegenteil.

Der Aufbau der Ganztagsklassen, der Erweiterungsbau und zuletzt die Corona-Pandemie mit allen ihren Herausforderungen kosteten Nerven. Auch die zunehmende Bürokratisierung macht zu schaffen. Sie haben sich vor drei Jahren nach einer schweren Krankheit bewusst entschieden, zu bleiben und den Schulbau bis zum Ende zu begleiten. Eigentlich sollten wir im September die Einweihung feiern, nun verschiebt sich der Einzug und Sie sind uns herzlich willkommen noch ein Weilchen mit uns zusammenzuarbeiten. Wir brauchen Ihre Erfahrung und Ihr Wissen bis zum letzten Nagel.

Eigentlich hätten wir Sie auch mit einem schönen Fest inmitten Ihrer Schulfamilie in den Ruhestand verabschiedet, aber das dürfen wir momentan leider nicht. Einfach gehen lassen wollten wir Sie aber auch nicht. Wir wollen Ihnen zumindest hier im Kreis des Gemeinderats unseren Respekt und unsere Anerkennung aussprechen für all die wertvolle Bildungsarbeit, die Sie in Haar und in ihrem Leben geleistet haben.

Genießen Sie die Zeit, die nach dem 31. Juli kommt, im Kreis Ihrer Familie. Bleiben Sie gesund, erholen Sie sich von den Strapazen des Berufslebens und auf Wiedersehen bei den vielen Gelegenheiten, bei denen wir uns offiziell und kulturell hoffentlich bald wieder in Haar zusammenfinden.

Auf dem Foto v.l. Anna Dworzak, Katharina Dworzak, Helmut Dworzak, Juliane Dworazk, Andreas Bukowski (Bgm)