27. Juli 2015

Biologisch-regionale Küche in der Kita

Deckel auf, Pulver raus, Wasser drauf – fertig. Tüte auf, rein in die Pfanne – fertig. Konserve auf, im Topf erwärmen – fertig. Diese Art zu „kochen“ ist leider immer noch weitverbreitet. Auch bei den Caterern trifft man immer wieder auf Speisepläne die Unmengen von  sogenannten Convenience-Produkten, also Fertigprodukte, enthalten. Die Haarer Kindergärten wollten da nicht mitmachen – und entschlossen sich deshalb vor einem Jahr am Modellprojekt „BioRegio in der Kita“ teilzunehmen.

Frisch kochen in der Kita mit Bio-Lebensmitteln aus der Region – diese Idee stammt vom Fachzentrum Ernährung/Gemeinschaftsverpflegung aus dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg. Ein Konzept, das unter anderem die Gemeinde Haar sehr angesprochen hat. Seit eineinhalb Jahren werden die gemeindlichen Kindertagesstätten von einer eigenen Küche aus mit Essen beliefert. Gekocht wird für insgesamt 298 Kinder in der Küche des Kindergartens in der Casinostraße. Zunächst ein Projekt, um zum einen täglich frisches Essen zu bekommen, zum anderen aber auch, um finanziell etwas einzusparen.

Gesunde Vielfalt
„Unser Entschluss stand von Beginn an fest – wir wollten qualitativ gut kochen. Und auch keine einfache Küche: Wir wollten zum einen die neuesten Erkenntnisse der Ernährungswissenschaften einbeziehen und den Kindern die Vielfalt näherbringen“, erklärt Susanne Hehnen, Leiterin des Amtes Kita & Soziales im Rathaus. Doch auch das war der Gemeinde Haar schließlich nicht mehr genug: Die Idee, mit regionalen und Bioprodukten zu kochen, gefiel sehr. Trotzdem eine Herausforderung für die Küche, in der gerade einmal vier Personen beschäftigt sind. Doch siehe da – es hat sehr gut geklappt.

Praktisch kein Fertigprodukt mehr
„Wir haben seit Beginn des Projekts einen großen Sprung gemacht“, erklärt die Sachgebietsleiterin der Kitas in Haar. „Der Anteil an Convenience-Produkten ist stark gesunken – nur der Kaiserschmarrn kommt noch tiefgekühlt und die Kartoffeln werden geschält angeliefert. Ansonsten kochen wir jetzt zum Beispiel unsere Brühen selber und verzichten auf gekörnte Brühen. Das spart nicht nur Geld und ist gesünder, es schmeckt auch besser“. Gemüse wird frisch geschält und verarbeitet, das Fleisch wird über einen Haarer Metzger ebenfalls ausschließlich aus der Region bezogen, das Brot ist Vollkorn  – und dabei scheut man sich auch nicht vor „schwierigem Essen“.

Auch „schwieriges Essen“ auf dem Speiseplan
Schwierig bedeutet: Es steht auch mal Sauerkraut, Rote Beete oder Graupenrisotto auf dem Speiseplan – und überraschenderweise kommen auch diese Gerichte gut an. „Es darf auch mal etwas dem einen oder anderen Kind nicht schmecken – das ist ja ganz normal“, betont Susanne Hehnen. Probiert wird aber meistens – und manchmal gibt es da eben sehr positive Geschmacksüberraschungen für die Kleinen. Der Speiseplan ist durch die Regionalität nun auch jahreszeitengemäß. „Die Exotik ist fast rausgeflogen – manchmal gibt’s natürlich im Sommer Melone oder ähnliches“, sagt Hehnen. Die Küche habe eben auch einen Erziehungsauftrag zu erfüllen – und die Rückmeldungen sind zudem auch sehr gut. „Es gibt keine Beschwerden, viele nehmen die Qualitätssteigerung wahr. Allerdings laufen die einzelnen Gerichte in den einzelnen Kitas unterschiedlich gut“, erklärt Susanne Hehnen. Ihre Rezeptideen beziehen die Küchenkräfte übrigens von speziellen Bio-Speiseplänen aus dem Internet – eine sehr gute Quelle, freut sich Hehnen.

Modellprojekt abgeschlossen
Eine durchwegs positive Bilanz für das erste Jahr. Das stellte man auch im Amt für Landwirtschaft in Ebersberg bei der Abschlussveranstaltung des Modellprojekts BioRegio fest. Hier gab es dann auch eine Urkunde für die Haarer Kindergarten-Köche. „Wir wärmen nicht auf, wir kochen – und wir sind raus aus der Nudel-Tomaten-Ecke“, verkündet Susanne Hehnen stolz. Bürgrmeisterin Gabriele Müller weiß aus eigener Erfahrung, dass man als Mutter das Kind gut betreut und auch gut ernährt wissenwill. Selbst Kochen mit biologischen Lebensmitteln aus der Region ist ein hoher Anspruch. „Ich bin stolz, dass Frau Hehnen diesen Schritt geschafft hat – und, dass die Kinder mehr Spaß am Essen gefunden haben.“

Bildunterschrift: Sieglinde Bittl aus der Küche der Gemeindlichen Kindertagesstätte Casinostraße, Francesca Marzocca.vom Fachzentrum Ernährung und Gemeinschaftsverpflegung sowie Susanne Hehnen, Sachgebietsleiterin Kindertagesstätten und soz. Einrichtungen in der Gemeinde Haar.

Claudia Erl