29. September 2014

Naturnahe Augenweide

Tobias Lachenmaier ist Optiker in Haar, sein Geschäft liegt unweit vom Rathaus. Als die Bahnhofstraße im letzten Jahr umgebaut wurde, ist gegenüber seines Ladens eine kleine Grünfläche entstanden. Dafür hat der Geschäftsmann – als erster in der Gemeinde -  die Patenschaft übernommen.

Und schon im ersten Jahr blühen auf der kleinen Magerfläche Kugellauch, Felsennelke, Königskerzen und Thymian. Auch eine kleine Wildrose gehört dazu, die sich Tobias Lachenmaier selbst ausgesucht hat. Alle Pflanzen sind heimische Gewächse, die ohne Dünger und Pestizide gezogen wurden und damit ideale Nahrungsträger sind für Wildbienen und Insekten.

Trittsteine bauen
Vom Projekt der Buntstreifenpatenschaften hatte Lachenmaier von Barbara Stark gehört, die in Haar die Regionalgruppe des Netzwerks Blühende Landschaft gegründet hat und führt. Die Töchter gehen in eine gemeinsame Klasse. Barbara Stark ist seit 2010 als Anwältin der Artenvielfalt in Haar unterwegs. Unterstützung bekommt sie dabei von der Gemeinde Haar. In enger Zusammenarbeit mit Umweltreferent Michael von Ferrari sind so schon sechs Buntstreifenpatenschaften vergeben worden. Das Pflanzkonzept erstellen Stark, Ferrari mit den Paten gemeinsam. Bei den neuen „Pflegerhäusern“ sollen im Herbst bis zu zwölf weitere Flächen dazukommen.

„Die Buntflächen im Straßenraum sind wie Trittsteine, um die Haarer Biotope zu verbinden“, sagt Barbara Stark. In vielen herkömmlichen Gärten und Grünflächen finden Insekten kaum noch Nahrung: Englische Rosen, Geranien und auch Forsythien locken zwar durch Farbe und Duft, Futter für Bienen und Hummeln liefern sie aber nicht. „Die Blütezeiten müssen zum Lebenskreislauf der Honigsammler passen. Das ist bei regionalen Pflanzen der Fall; so wird die Artenvielfalt erhalten“, weiß Stark.

Regionalgruppe berät
Tobias Lachenmaier hatte sich mit seinen Mitarbeitern auf arbeitsreiche Stunden eingestellt. „Wir sind ganz überrascht, wie wenig Aufwand diese Patenschaft bedeutet“, sagt er. „Die meiste Arbeit war es anfangs die Ahornsamen zu entfernen.“ Gießen darf er nur in besonders langen Trockenphasen, denn die ausgesuchten heimischen Wildpflanzen brauchen weniger Wasser und bilden gerade in längeren Trockenphasen lange Wurzeln um in weiteren Tiefen noch Wasser zu erreichen. Gedüngte und künstlich schnell aufgezogene Pflanzen können das kaum leisten.  „Ein bisschen Nachhilfe brauchen wir bei der Pflege noch“ gesteht Lachenmaier „aber wir lernen ständig dazu.“

Beratung will sich auch Bürgermeisterin Gabriele Müller bei Barbara Stark holen. Die Geranienkästen am Rathaus sollen im nächsten Frühjahr mit bienenfreundlichen Pflanzen ergänzt werden. „Natürlich wollen wir das traditionelle rote Blütenmeer erhalten, aber wir haben als Gemeinde auch eine Vorbildfunktion zu erfüllen.“, sagt Müller.

Wer sich fürs naturnahe Gärtnern interessiert, findet Informationsmaterial auf der Seite der Regionalgruppe Haar, auf Facebook oder im Umweltreferat des Rathauses.

Im Bild von links: Barbara Stark, MIchael von Ferrari, Tobias Lachenmaier, Bürgermeisterin Gabriele Müller

Ute Dechent