29. September 2015

Wechsel im Haarer Bauamt

Über 30 Jahre gehörte Rainer Wöhrl zum Haarer Rathaus – die letzten 27 Jahre war er für viele DAS Gesicht der Bauabteilung. Nun geht der beliebte Bauamtsleiter in den Ruhestand. Ja, wohlverdient. Trotzdem wird er fehlen. Einen Trost gibt es: Sein Nachfolger, Josef Schartel, scheint aus einem ähnlichen Holz geschnitzt zu sein.

In Haar kennt Rainer Wöhrl „jeden Stein“, wie Bürgermeisterin Gabriele Müller lachend betont. Egal wo und wann man ihn trifft, er weiß auf fast alle Fragen zu Haarer Bauangelegenheiten eine Antwort. Und das Gute: Auch ein Laie kann seine Antwort verstehen.Er kennt Haar wie seine Westentasche,. hat er doch viele Jahrzehnte auch hier gewohnt: Als Bub ist er aus dem Bayerischen Wald nach Haar umgezogen – sein Vater wurde 1961 als Polizist hierhin versetzt.

In Bauabteilung gelandet
Seine Verwaltungslaufbahn startete Rainer Wöhrl bei der LVA Landesversicherungsanstalt Oberbayern. Bis zum gehobenen Dienst brachte er es hier. „Ich wollte aber keinen reinen Schreibtischjob, sondern mit Leuten zu tun haben“, erinnert sich Wöhrl. So bewarb er sich im Haarer Rathaus. Hier durfte er zunächst alle Abteilungen kennenlernen: Er war im Einwohnermeldeamt, im Sozialamt und im Amt für öffentliche Ordnung sowie an der Kasse. Als er 1988 in der Bauabteilung eingesetzt war, fand der damalige Bürgermeister Hans Wehrberger, dass Rainer Wöhrl an der richtigen Stelle sei – auch wenn diese für den jungen Mann nicht der Favorit war. So lernte er um, absolvierte viele Schulungen und las sich fleißig in die komplexen Themen ein. Mit Erfolg. Das umfangreiche Sachwissen kombiniert mit seiner menschlich-verbindlichen Art ist eine Besonderheit. „Die Arbeit hier erfordert eine besondere kommunikative Fähigkeit – und die hat Herr Wöhrl“, sagt Gabriele Müller.

Kommunikative Begabung
Zuhören, auch mal lange – das kann Rainer Wöhrl. „Die Menschlichkeit darf zwischen Vorschriften, Paragraphen und Erfahrungnicht verloren gehen“, „sagt der scheidende Bauamtsleiter. „Man muss sich schon reindenken können in die Anliegen, die ja meistens nachvollziehbar sind“ so seine Devise. So kommt es, dass manchmal sehr verärgerte Bürger sein Büro betraten – verlassen haben sie es aber fast nie in diesem Zustand. Man habe einen gewissen Spielraum, aber auch ganz klare Gesetzesvorlagen –in diesem Zwischenfeld versteht er sich geschickt zu bewegen. Wichtig im Endergebnis ist ihm eine „sauberen, ordentlichen Abwicklung“, so sein Lieblingsbegriff.

Liebe zu Haar
Wie sehr Rainer Wöhrl der Gemeinde Haar verbunden ist, merkt man, wenn er über ihre Entwicklung spricht. „Es waren immer positive Entwicklungen, weil Haar sich dem Trend nicht angeschlossen hat, mit den Projekten raus auf die grüne Wiese zu gehen. Das war schon eine Riesenleistung, diesem Druck standzuhalten“, sagt Wöhrl nicht ohne Stolz. Die längste Zeit arbeitete er mit Bürgermeister Helmut Dworzak zusammen, dessen städtebauliche Leidenschaft er richtiggehend mitreißend fand. Große Projekte wurden gerade in dieser Ära verwirklicht und der Bauamtsleiter war hautnah dabei: Das gesamte Ortszentrum wurde entwickelt, das Jagdfeldzentrum revitalisiert, es wurden Kindergärten und ein Altenheim gebaut, innerörtliche Verdichtung war ein großes Thema. Sein persönliches Lieblingsprojekt war der Sport- und Freizeitpark in Eglfing, der über 40 Millionen Mark kostete. Aber auch die aktuellen Projekte wie den Jugendstilpark findet Wöhrl spannend. Seine grauen Haare hätten aber sicher auch mit manchen Projekten seiner jahrzehntelangen Tätigkeit zu tun, lacht Wöhrl: Der Bahnhof, den er nicht fertigbringen konnte, hätte ihn doch so manche Nerven gekostet oder auch die Autobahnparallele.

Häuschen, Reisen, Engagement
Vier Bürgermeister, ungezählte Gemeinderatssitzungen mit wechselnden Rätsmitgliedern, „sein“ immer gut funktionierender Bauausschuss, hunderte Gespräche mit Bürgern, Bauträgern, Rechtsanwälten, Kollegen, die ungezählten Baupläne, die er studiert hat – all das liegt nun hinter Rainer Wöhrl. „Ich hab meiner Frau schon diesen Loriot-Film vorgespielt – „Pappa ante Portas““, lacht er, der er im November 64 Jahre alt wird. Seit einigen Jahren lebt er in Aschau am Inn, hier ist er bereits gut eingelebt, hat viel zu tun am Häuschen, versteht sich gut mit den Nachbarn und ist mittlerweile Behindertenbeauftragter der Gemeinde. Und Opa ist er geworden. Politisch will er sich nicht engagieren. Da geht er lieber auf Reisen. Süd-Dalmatien steht auf seiner Liste gerade ganz oben. Und im Advent geht’s nach New York, ein Traum, den er schon lange hegt.

Hin und wieder könnte ihn dann doch eine Frage aus der Gemeinde erreichen. Gerade wenn es um das geschichtliche Wissen geht. Denn in Sachen historischen Orts- oder Hofnamen, Ortsentwicklungsgeschichte, da ist Rainer Wöhrl nahezu ungeschlagen. „Ihr wisst’s ja, wie ihr mich erreicht“, sagt er augenzwinkernd.

 Josef Schartel ist neuer Bauamtsleiter von Haar
Um Haar kommt man irgendwie nicht herum“, das sagt Josef Schartel, der neue Bauabteilungsleiter in Haar. Doch was bewegt den gebürtigen Traunsteiner zu dieser Aussage? Nun ja – Haar gehört für ihn praktisch schon immer zum Leben: Schon alleine die Tatsache, dass er über die B304 von München in seine Heimat gefahren ist und man sich dann immer in Haar mit den Studienkollegen verabredet hätte.

Begonnen hat Josef Schartel seine Ausbildung beim Landratsamt Traunstein und wurde dann als junger Beamter ins Landratsamt München versetzt, wobei er dort viele Stationen durchwandert hat. Unter anderem habe er sich dabei mit den Sozialwohnungen im Jagdfeldring beschäftigt. Wieder eine Verbindung zu Haar. Insgesamt wäre es immer sein Bestreben gewesen, im Landratsamt an Stellen zu arbeiten, die direkt mit den Kommunen zu tun haben. Das hat ihm schon immer gefallen, denn ein abstrakter Aktenverwalter, das wollte er nie sein. Sein Entschluss, wieder aus dem Büro heraus unter die Menschen zu gehen, verfestigte sich, als er bei der Regierung von Oberbayern beschäftigt war. „Die einen mögen die Nähe zum reinen Gesetz, ich mag den Kontakt zu den Bürgern und der Politik“, sagt der 45-Jährige.

Planegg, Oberschleißheim, Haar
So arbeitete er bei der Gemeinde Planegg und zuletzt 11 Jahre lang in Oberschleißheim. Ein richtiger „Haar-Freund“ wurde er dann, als er im Moro-Arbeitskreis auf den damaligen Bürgermeister Helmut Dworzak stieß. Die ganzen innovativen Ideen der Gemeinde hätten ihn schwer beeindruckt.  Zudem hatte er in Sachen Bahn schon Kontakt mit seinem Vorgänger Rainer Wöhrl. Ein Paket, das ihm gefallen hat. Als er dann auf die Stellenausschreibung stieß, war es fast wie ein Wink des Schicksals – schließlich war er auch gerade in den Münchner Osten umgezogen. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ – das war seine Prämisse. So sahen es auch seine neuen Kollegen im Haarer Rathaus. Und so ist Josef Schartel nun der neue Chef im Bauamt.

Claudia Erl