29. Juli 2021

Grundschulkinder lernen im Freibad schwimmen

Engagement unterstützt von Förderverein, TSV und Gemeinde Haar

Eine besorgniserregende Auswirkung der anhaltenden Pandemie läuft gerade in den Grundschulen auf: Deutlich weniger Kinder haben in den letzten eineinhalb Jahren schwimmen gelernt. Ein gravierendes Versäumnis, das nun Dank herausragenden Engagements aufgeholt werden kann.

Die Schwimmbäder waren zu. Viele Monate konnten keine Schwimmkurse stattfinden und auch der Schwimmunterricht in den Schulen war über weite Strecken nicht möglich. Die Konsequenz daraus: Alleine etwa 30 Kinder aus den zweiten und dritten Klassen der Konradschule können derzeit nicht schwimmen. Für Petra Kienbacher, Lehrerin und Sportbeauftragte der Haarer Konrad-Grundschule, ist das alles nahezu ein Worst-Case-Szenario. Denn sie ist zutiefst davon überzeugt, dass sicheres Schwimmen eine der wichtigsten Grundkompetenzen für Kinder ist. Und so hat sie gemeinsam mit Alexandra Pawleczak vom TSV alles daran gesetzt, ihre Mission trotz Corona und geschlossener Hallenbäder umzusetzen. Mit Erfolg: Auf die Schnelle – genauer gesagt innerhalb von nur drei Tagen -  konnte durch pragmatische Entscheidungen seitens des Haarer Bürgermeisters Andreas Bukowski, dem Bäderleiter Sante Ciavarelle und dem TSV Haar Geschäftsführer Ralf-Ulrich Machwirth ein Freibadkurs für Schwimmanfänger auf die Beine gestellt werden.

Geübt wird im Freibad
Am frühen Sonntagmorgen, noch bevor das Freibad offiziell seine Pforten öffnet, war dann das Nichtschwimmerbecken auch schon gut gefüllt: Hier hatten sich Zweit- und Drittklässler aus der Konrad-Grundschule versammelt, um zu üben – und zwar völlig egal, ob es geregnet hat oder die Sonne schien. Die Kinder waren hochmotiviert - und so konnten einige schon nach kürzester Zeit ohne Schwimmhilfe ein paar sichere Züge hinlegen, andere hatten noch großen Respekt vor dem Wasser. Doch die Truppe rund um Petra Kienbacher hatte auf alle ein Auge, feuerte an, beruhigte, sprach Mut zu und lobte für jeden Fortschritt. Das Ziel ist bei allen Grundschüler*innen das Gleiche: Sie wollen das Seepferdchen bestehen.

 

Schwimmen lernen – nicht in der Schule!
Doch warum müssen die Kinder denn überhaupt Schwimmen lernen, wenn ab der 3. Klasse Schwimmen auf dem Stundenplan steht? Im regulären Schulschwimmunterricht müssen die Kinder bereits schwimmen können, denn Nichtschwimmer und Schwimmer dürfen nicht zusammen unterrichtet werden. Genau genommen müsste es dafür sogar zwei Becken geben und natürlich eine zweite Lehrkraft. Doch das ist in den allermeisten Schulen nicht möglich. Die Nichtschwimmer aber einfach nur neben dem Becken sitzen lassen, das konnte und wollte Petra Kienbacher auf gar keinen Fall. Auch – oder gerade jetzt – in Pandemiezeiten nicht.

Gelungene Haarer Co-Produktion
„Wir können jetzt glücklicherweise im Rahmen des Projekts „Sport nach 1“ wieder Anfängerkurse anbieten, die auch gerne angenommen werden“, freut sich Petra Kienbacher. Gemeinsam mit dem TSV Haar hat sie einen Trainer-Stamm organisiert: Alexandra Pawelczak von TSV leitet den Kurs und wird von den beiden Co-Trainerinnen und Leistungsschwimmerinnen Julia und Lisa Kienbacher unterstützt. Natürlich ist auch Petra Kienbacher am Beckenrand mit dabei – und so konnten die Trainerinnen mittlerweile 18 Nichtschwimmer*innen unter ihre Obhut nehmen. Die Kosten für den Personalaufwand übernimmt die Gemeinde Haar und sehr gerne stellt der Bäderleiter Sante Ciavarella auch das Freibad zur Verfügung. „Das ist alles sehr gut investiertes Geld – absolut sinnvoll“, betont Bürgermeister Andreas Bukowski, der selbst Rettungsschwimmer ist. Und auch der Förderverein der Grundschule St. Konrad ist mit an Bord: Die Gruppe rund um Elisabeth Andolschek finanzierte ganz kurzfristig Schwimmhilfen, die den Kindern die ersten Züge im Wasser erleichtern. 10 Schwimmnudeln, 10 Schwimmbretter, 10 Schwimmgurte und die passenden Verbindungsstücke dazu wurden angeschafft. Insgesamt eine rundum gelungene „Coproduktion“ aus Förderverein, TSV, Schulen und der Gemeinde.

Große Fortschritte bei den Kindern
Wie sehr sich all dieser Einsatz lohnt, sah man bereits nach wenigen Übungsstunden: Die Fortschritt der Kinder sind enorm, sodass die ersten Schwimmabzeichen voraussichtlich schon in den nächsten Stunden abgenommen werden können. Ein großer Erfolg – der die Kinder nicht nur mit Stolz erfüllt, sondern eben auch echte Sicherheit bringt.

Weitere Kurse notwendig
Obwohl Petra Kienbacher wirklich über jede*n sichere*n Schwimmer*in glücklich ist, sieht sie noch eine große Aufgabe vor sich: Nach einer Abfrage stellte sich heraus, dass es alleine in der Jagdfeldschule 110 Nichtschwimmer gibt. Auch der Haarer Gemeinderat beschäftigte sich in der Juli-Sitzung mit der Nichtschwimmerproblematik, die SPD-Fraktion brachte den Antrag ein, die Hallenbäder im Sommer für Schwimmunterricht zu öffnen. Das ist jedoch leider organisatorisch nicht machbar und zudem ein enormer finanzieller Aufwand, jedoch entschied der Gemeinderat, dass noch während des Sommers möglichst alle Grundschulkinder im Rahmen von weiteren Freibad-Kursen zum Zug kommen.  Die Sportbeauftrage setzt aber auch alles daran, im Herbst weitere Anfängerkurse für die Schulkinder in den Hallenbädern zu starten. Damit die Badenanzüge und –hosen der Kinder bald ein rundes Abzeichen ziert. Mit einem Seepferdchen drauf.

Das Gruppenfoto zeigt neben den Kindern v.l. Dr. Andreas Bukowski (Bgm), Sante Ciavarella (Bäderleiter), Alexandra Pawleczak (Kursleiterin, TSV Haar), Petra Kienbacher (Sportbeauftragte, Lehrerin Grundschule St. Konrad); Markus Lauer (Vorsitzender TSV Haar); Elisabeth Andolschek (Förderverein Grundschule St.Konrad).