28. Oktober 2016

Wird Haar BMW-Standort?

BMW-Forschungszentrum „Autonomes Fahren“ bald auf der Finck-Wiese?

Haar könnte BMW-Standort werden: Der bayerische Automobil- und Motorradhersteller sucht einen Standort für sein Forschungs- und Entwicklungszentrum für autonomes Fahren – und Haar hat sich nun offiziell beworben. Der Gemeinderat befürwortete das einstimmig. Es ist keinesfalls eine Blindbewerbung: Vertreter von BMW waren bereits Ende September in der Gemeinde, es fanden Vorgespräche statt und Haar ist in der engeren Auswahl. Dennoch gibt es Mitbewerber. Die Entscheidung für den Standort wird BMW Anfang Dezember fällen.

BMW forscht schon länger zum Thema „selbstfahrendes Auto“, jedoch an unterschiedlichen Standorten. Diese sollen jetzt auf einem Areal vereint werden. Es war die DIBAG Industriebau, die die Gemeinde Haar bei BMW ins Spiel brachte: Der Doblinger-Konzern ist Besitzer der sogenannten „Finck-Wiese“ – dem 15 Hektar großen Gelände an der B304 /Ecke B471 und arbeitet bereits seit Jahrzehnten mit BMW zusammen. Für die Fläche am Haarer Ortsausgang wurde ein maßgeschneidertes Konzept entworfen: Auf dem Gelände könnten in drei Bauabschnitten etwa 60.000 Quadratmeter Bürofläche, Werkstätten und die erforderlichen Stellplätze entstehen. 2.000 Mitarbeiter würden dann hier beschäftigt werden, um die Entwicklung selbstfahrender Autos voranzutreiben. Der erste Bauabschnitt hätte einen Umfang von 7 Hektar. Sollte Haar den Zuschlag bekommen, wäre Baubeginn bereits im Mai 2017. Denn: Einziehen will BMW bereits Anfang 2018.

Mit Tempo an die Vorbereitungen

Für die Gemeinde bedeutet das, ungewöhnliche Wege zu gehen, um den ambitionierten Zeitplänen von BMW Rechnung zu tragen – und das obwohl Haar noch keinen Zuschlag für das Projekt hat. „Wir müssen sozusagen den zweiten vor dem ersten Schritt machen, damit wir unseren Hut überhaupt in den Ring werfen können“, sagt Bürgermeisterin Gabriele Müller. Schon vor der Standortentscheidung sind alle baurechtlichen Vorbereitungen zu treffen, damit BMW die Grundvoraussetzungen für einen Zuschlag für Haar vorfindet. Trotz des Eiltempos werden im Laufe des Verfahrens Detail-Fragen auf den Tisch kommen und sorgfältig abgeklärt, versprechen Investor und Gemeinde. Die Ratsmitglieder sind sich einig, dass sich das Tempo und der Arbeitsaufwand lohnen: BMW würde Haar gut zu Gesicht stehen. „Wir würden ein hochqualifizierter Forschungsstandort mit Strahlkraft weit über unseren Ort hinaus“, betont Bürgermeisterin Gabriele Müller. Die Gemeinde hat BMW aber auch einiges zu bieten und geht mit angemessenen Selbstbewusstsein und Optimismus in den Wettbewerb.

Keine andere Bebauung geplant

Was, wenn Haar den Zuschlag nicht bekommt? „Dann geht alles zurück auf Anfang – und dann wird nächstes Jahr auf der Finck-Wiese wieder Mais angebaut“, erklärt die Bürgermeisterin. Anderweitig ist keine Bebauung geplant. Anfragen von Logistikunternehmen, Baumärkten etc. für die „Finck-Wiese“ gab es in den letzten Jahrzehnten immer wieder. All das hätte viel Publikums- bzw. Last-Verkehr gebracht für eines der Filetgewerbegrundstücke in Haar. Deshalb hat das Rathaus immer auf DEN passenden Partner gewartet, der idealerweise die gesamte Fläche nutzt. Dieser könnte jetzt gefunden sein.

Einbindung der Bürger

Bereits am 17.11. wird es eine öffentliche Sonder-Gemeinderatssitzung zum Start des Planverfahrens geben, zu der natürlich auch alle Bürger herzlich eingeladen sind. Damit die Haarerinnen und Haarer von Anfang an mit im Boot sind, lädt Bürgermeisterin Gabriele Müller dann auch noch am 24.11. um 19 Uhr zu einer Bürgerinformation in den Bürgersaal ein. Hier werden auch Vertreter der DIBAG anwesend sein um Fragen zu beantworten.

Claudia Erl