23. Juni 2017

6 Spielbereiche auf 3.000 Quadratmeter – für alle

Alter „Barbapapa-Spielplatz" wird zum ersten inklusiven Erlebnisplatz in Haar

Spielplätze gibt es in Haar eine ganze Reihe. Doch was jetzt an der Dianastraße entstehen soll, gibt es bislang in der Gemeinde noch nicht: Ein inklusiver Spielplatz mit sechs verschiedenen Bereichen, der allen Alters- und Fähigkeitsgruppe jede Menge zu bieten hat – und zwar nicht getrennt voneinander, sondern gemeinsam. Sogar Erwachsenen werden hier ihren Spaß haben.

Einstimmig nahm der Bauausschuss der Gemeinde Haar nach einer guten halben Stunde bebilderte Ausführung von Georg Bachmaier der planenden Firma Spielplatzgeräte Maier das Konzept an. Rund 245.000 wird die Umsetzung kosten – dafür sind anschließend rund 3.000 Quadratmeter in einer seit Jahren brachliegenden Ecke der Gemeinde wieder reaktiviert.

Alter Spielplatz langsam abgebaut

Die Haarer Kinder vor ein bis zwei Generationen kennen diese Ecke noch als „Barbapapa-Spielplatz", vom Volksmund benannt nach den besonders geformten Klettersteinen dort. Doch vor gut einem Jahrzehnt wurden hier immer mehr Spielgeräte abgebaut, die marode geworden waren. Ersetzt wurde damals nichts, denn die Kinder, die in dieser Ecke gelebt hatten, waren weitestgehend dem Spielplatzalter entwachsen. Der Bedarf wurde schlichtweg nicht mehr gesehen. Mit der Zeit ist die Fläche etwas „verwildert" – doch schon ab dem späteren Herbst wird aller Voraussicht nach die erste Teilfläche zum Spielen freigegeben werden. Der Bedarf im Viertel nimmt auch wieder deutlich zu, denn die Altersstruktur des Viertels verjüngt sich gerade langsam wieder und auch die Kita in der näheren Umgebung trägt dazu bei.

Konzept – nicht von der Stange

Das Gesamtkonzept überzeugt: Unter dem Gesichtspunkt, auch Kinder mit Handicap Spielmöglichkeiten zu schaffen, erarbeitete das Rathaus gemeinsam mit der erfahrenen Firma Maier jeden einzelnen Punkt. „Viele der Spielgeräte werden extra dafür konstruiert, die gibt es so noch nicht", erklärte Bachmaier. So wie etwa die Wippen, bei denen die Sitzplätze spielerisch mit einer Rückenlehne und einem Schließsystem umhaust sind, damit auch Kinder mit Handicap und Kleinkinder selbständig mit anderen wippen können. Andere Geräte bekommen extra Ein- und Ausstiegshilfen, es gibt Rampen an Rutschbahnen, ein großes Schaukelbett, in dem sehr viele Kinder Platz finden und vieles mehr.

Sechs Bereiche – ein riesiges Angebot

Geplant sind sechs Bereiche: Ein Kleinkinderbereich mit außergewöhnlicher Sandspielanlage mit Transportbahnen, Aufzügen und anderen dreidimensionalen Spielmaterialen, sowie Wippen, einem Wackelpferd mitsamt Kutsche zum gemeinsamen Abenteuerspiel. Im zweiten Bereich, dem Hügelbereich, gibt es Rutschen mit verschiedenen Aufstiegshilfen. Mit einer Gondel gelangt man von hier aus direkt in Bereich drei – dem großen Bewegungsparcours. Hier geht es um Motorik, an allen Brücken, egal ob aus Tellern, Seilen, Netzen oder Ringen. Stangenwälder werden aufgebaut, Hüpfplätze und –platten platziert. Ein Bereich, der die Motorik schult – und auch sehr gut für Erwachsene geeignet ist. „Zuletzt haben wir so eine Art der Anlage im Wildpark Poing aufgebaut", erklärt der Planer.

Direkt im Anschluss geht es in Bereich vier, in dem ein Turm von 4,50 Meter Höhe mit einer 10-Meter-Tunnelrutsche entstehen wird. Der Aufstieg ist auf verschiedenen Weisen möglich, allerdings etwas komplizierter gestaltet, damit auch wirklich keine Kleinkinder alleine den Turm erklimmen können. Nebendran gibt es noch eine Menge Kletter-Spiel-Balancierkombinationen. Der Bereich fünf nennt sich Schaukelbereich – und besitzt wieder einen besonderen inklusiven Charakter in vielen unterschiedlichen Schaukelvariationen. Den Abschluss macht der sechste Bereich, in dem sich sicher auch die erwachsenen Haarerinnen und Haarer wohlfühlen werden: Im Fitnessbereich gibt es viele Geräte wie Swinger und Walker, Twister und Stepper, Barren und Push-Pull-Geräte. „Das ist nichts für Hochleistungssport aber sehr gut für Dehnungsübungen", erklärte Georg Bachmeier dem Bauausschuss, dem die Vorschläge gut gefielen.

Langlebig für ein breites Publikum

Auf Nachfrage wurde geklärt, wie wartungsanfällig die Anlage ist: Die allermeisten Spielgeräte sind aus Stahl, vollverzinkt und pulverbeschichtet – und dadurch sehr langlebig, erklärte Bachmaier. Außerdem konnte mitgeteilt werden, dass alle Bäume auf dem Areal erhalten werden können – die wildgewachsenen Büsche werden größtenteils entfernt. Ansonsten gibt es noch eine ganze Reihe Erdarbeiten zu erledigen, der vorhandene Hügel wird etwas abgetragen und die alten Wege werden wieder angelegt. „Wir haben mit der Kita in der Dianastraße im Vorfeld darüber gesprochen, die sich vor allem für ihre Hortkinder auf den neuen Spielplatz freuen – denn die sind momentan auf dem eigenen Gelände eher unterversorgt. Und ich habe mit dem TSV und der VHS gesprochen, denn die könnten hier auch Kurse für Erwachsenenbewegung abhalten", berichtete Bürgermeisterin Gabriele Müller. Als nächstes will die Rathauschefin die Anwohner mit an Bord nehmen.

Umsetzung in Etappen

Durch die Zustimmung des Bauausschusses kann der Planer sofort loslegen – das bedeutet, dass die Spielgeräte bestellt werden können. Durch die Sonderanfertigungen kann die Lieferfrist schon bis zu drei Monaten betragen. Die Gemeinde will den Spielplatz in Etappen umsetzen und beginnt auf Anraten des Planers mit Bereich vier – dem hohen Rutschenturm. Denn der ist dann schon im Herbst komplett bespielbar, unabhängig von den anderen Bereichen. Außerdem benötigt er den größten Maschineneinsatz, der andere Bereiche möglicherweise beschädigen könnte. Der Rest wird dann ab dem Frühjahr 2018 nach und nach errichtet.

CSU-Antrag zur Geschäftsordnung

Vorausgegangen war der Präsentation ein Antrag zur Geschäftsordnung gestellt von der CSU-Fraktion, die bemängelte, dass der Gemeinderat nicht nur eine Variante vorgestellt bekommen dürfe, sondern schon vorab in der Auswahl Mitspracherecht haben müsste. „Dieses Verfahren ist nicht richtig", sagte CSU-Fraktionssprecher Dr. Dietrich Keymer – und wollte die Abstimmung auf den nächsten Monat verschieben. Gabriele Müller führte aus, dass drei Spielplatzplaner von der Verwaltung beauftragt worden waren, ein inklusives Konzept zu erstellen. Nur zwei hatten sich schließlich beteiligt, wobei nur eines den Inklusionsgedanken aufgegriffen hat. Mit dieser Firma war dann weitergeplant worden. „Sie werden sehen, dieser Spielplatz hat nichts, was man von der Stange kaufen kann – weil es gewisse Kriterien erfüllen muss", kündigte Bürgermeisterin Gabriele Müller an. Da gäbe es nichts zu vergleichen. Das sahen auch die anderen Fraktionen so – und so wurde der CSU-Antrag abgelehnt. Am Ende konnte auch die CSU der Planung zustimmen – mit dem Vermerk, dass das Verfahren nicht richtig war.