27. Juli 2018

Was wird aus dem Haus im Herzen Haars?

Pläne zur Nachfolgenutzung des Maria-Stadler-Hauses

Appartements für Senioren, Wohnungen für Kita- und Pflegepersonal und Büros für die Rathausverwaltung: So sieht die derzeitige Planung zur Folgenutzung des Maria-Stadler-Hauses aus. Diese Grundidee soll nun nach mehrheitlichem Beschluss im Gemeinderat weiter ausgearbeitet werden.

Das Maria-Stadler-Haus im Herzen der Gemeinde wird im Frühjahr 2019 frei, dann ist das neue Pflegeheim an der Vocke- / Ecke Leibstraße fertig. Das Haus in der Salmdorfer Straße weckte schon im Vorfeld Begehrlichkeiten. Doch das Gebäude aus den 80er-Jahren soll seinen ursprünglichen Zweck behalten, älteren Menschen Wohnen in zentraler Lage zu ermöglichen.

Weitere Facette für Senioren

„Wir hätten damit eine weitere Wohn-Facette für ältere Mitbürger im Angebot“, erklärt Bürgermeisterin Gabriele Müller. Ursprünglich war das Maria-Stadler-Haus als klassisches Altenheim erbaut worden: Hier sollten auch rüstige Senioren einziehen, die sich ein wenig Gesellschaft und Unterstützung wünschten. Nach der Pflegereform ging das Konzept aber nicht mehr auf und das Haus wurde schnell zum reinen Pflegeheim. Derzeit haben die älteren Haarer die Wahl zwischen Betreutem Wohnen, einer ambulanten Versorgung zuhause sowie demnächst Wohnen mit Service. „Jetzt können wir den Ursprungsgedanken des Maria-Stadler-Hauses wieder aufgreifen“, freut sich die Bürgermeisterin.

Beim „Gemeinschaftlichen Wohnen“ in der Ortsmitte wird es im ersten Obergeschoss 1- bis 2-Zimmer-Appartements mit Balkon und Küche bzw. Küchenzeile geben. Eine Betreuung ist nicht vorgesehen, aber Gemeinschaftsbereiche, die von einer großen Küche bis zum heutigen Speisesaal mit Dachterrasse viel Platz zur Begegnung schaffen. Für die Umsetzung des Konzepts kann sogar eine staatliche Förderung über das Programm „Selbstbestimmt Leben im Alter“ beantragt werden.

Wohnraum für Fachpersonal

Auch im zweiten Stockwerk bleibt die bestehende Grundstruktur des Hauses aufrechterhalten. Hier ist Wohnraum für Pflegekräfte und Kita-Personal geplant, beides Berufsgruppen, an denen es nicht nur in der Gemeinde Haar mangelt. Bezahlbare Wohnungen anbieten zu können, wird uns einen Wettbewerbsvorteil auf dem heiß umworbenen Fachkräftemarkt verschaffen, so die Bürgermeisterin.

Verwaltung im Erdgeschoss

Im Erdgeschoss schließlich sind Büros für das Rathaus geplant, denn das ist schon heute an seiner Kapazitätsgrenze angekommen: 74 Mitarbeiter teilen sich 65 Zimmer: eine Cafeteria wurde bereits zum Büro umgebaut, Mitarbeiter teilen sich Räume, sogar ein Fraktionszimmer wird tagsüber schon von der Verwaltung genutzt. Für weitere Stellen gibt es keinen Platz mehr. Mit Bezug des Jugendstilparks wird die Einwohnerzahl aber von derzeit 22.000 auf knapp 25.000 ansteigen. Neue Stellen sind dann unausweichlich, um das Plus an Aufgaben bewältigen zu können.

Der Plan sieht deshalb vor, ganze Abteilungen in das jetzige Maria-Stadler-Haus auszulagern: Bauverwaltung und Bautechnik, Umweltreferat und der Zweckverband Ernst-Mach-Gymnasium, weil sie viel miteinander zu tun haben. Die Nähe zum Rathaus ist erforderlich und maßgeblich, die unterirdische Verbindung ideal. Die Räume könnten in der derzeitigen Aufteilung belassen werden, es würden lediglich keine Bäder bzw. Küchen mehr eingebaut. Der große Speisesaal könnte den kleinen Sitzungssaal aufnehmen, denn ab der Wahl 2020 wird es in Haar durch die gestiegene Einwohnerzahl 30 statt wie bislang 24 Gemeinderäte geben. Mit dem gesamten Erdgeschoss im Maria-Stadler-Haus können die Verwaltungseinheiten bis zu 30.000 Einwohner versorgen – wobei sich der Gemeinderat dafür aussprach, ein solches Wachstum zu steuern und auf einen möglichst langen Zeitraum auszudehnen.

Größtmögliche Flexibilität bei baulicher Vorgabe

Das Haus bietet baulich wenig Veränderungsmöglichkeiten: Durch die Vielzahl tragender Wände muss die Grundstruktur der einzelnen Zimmer beibehalten werden, lediglich Türen können einzelne Appartements zu größeren Einheiten verbinden. Maximale Flexibilität ist jedoch bei der individuellen Aufteilung innerhalb der dreigliedrigen Nutzung gegeben: Sollte die Nachfrage bei den Senioren oder den Fachkräften größer oder kleiner sein, können Appartements ohne Aufwand umgewidmet werden, da alle Räume barrierefrei sind.

Planungen gehen weiter

Die Ideen für die Folgenutzung sind nun zur Konkretisierung auf die Reise geschickt worden. Die erste grobe Kostenschätzung geht von etwa 8,1 Millionen Euro Umbau- und Sanierungskosten aus. Für die Nutzung des Hauses für Senioren und Fachkräfte sprach sich der Gemeinderat einstimmig aus. Dass die Verwaltung im Erdgeschoss untergebracht werden soll, fand von Seiten der CSU nur die Zustimmung des dritten Bürgermeisters Thomas Reichel.