25. Januar 2016

Eine Auszeichnung fürs Familienzentrum

Eigentlich mag Brgitte Ziegler keine Ehrungen, kein Brimborium um ihre Person – und dennoch kam sie nun um solch eine Aufmerksamkeit nicht herum. Und letztendlich rührte sie die Auszeichnung, die sie längst verdient hat: Brigitte Ziegler bekam die goldene Ehrennadel der Gemeinde Haar beim diesjährigen Neujahrsempfang im Pfarrsaal St. Bonifatius überreicht. Denn Sie hat eine Institution für Haar aufgebaut, die aus dem Gemeindeleben nicht mehr wegzudenken ist: das Familienzentrum.

Geboren wurde die Idee aus einer sehr persönlichen Erfahrung: Wenn das Baby mal auf der Welt ist und man vielleicht nicht so eng mit seiner restlichen Familie zusammenlebt oder gar neu in einer Gemeinde ist, dann kann es schon sehr einsam werden im Mutterdasein. „Du hast mir erzählt, dass Du in Deiner Verzweiflung damals schon beinahe angefangen hast, fremde Menschen auf der Straße zum Kaffee einzuladen“, erzählte Bürgermeisterin Gabriele Müller in ihrer Laudatio lachend.

Gekämpft hatte Brigitte Ziegler in den 80er-Jahren für ihren Traum, ein Haus für Familien in Haar zu erschaffen. Dabei scheute sie auch nicht, in den höheren politischen Gremien vorzusprechen – und sie fand in ihrer Hartnäckigkeit und ihrer gewinnenden Art schließlich auch Gehör. „Obwohl es doch einige gab, die laut fragten, wieso man Kaffeetrinken im öffentlichen Raum finanzieren soll“, erinnert sich die Geehrte. Doch was hinter dem Spaß, der Kreativität, den Gruppen und den Festen, dem Zusammentreffen und dem laut Brigitte Ziegler unbestritten guten Kaffee des Familienzentrums steckt, ist viel mehr: Ein niederschwelliges Angebot mit großem fachlichem Knowhow, ein Ort der Integration und der Hilfe. Junge Familien finden Anschluss und Halt, es werden Sorgen und Freuden geteilt, Freundschaften fürs Leben entstehen. Und Dreh- und Angelpunkt war eben bis zu ihrem Ruhestand Brigitte Ziegler, mit ihrem einnehmenden und quirligen Temperament und ihren sozialpädagogischen Fähigkeiten.

Nachdem 1984 die erste Mutter-Kind-Gruppe im Rathaus untergebracht wurde, konnte die Dragoni-Villa 1988 bezogen werden - zunächst noch in der ersten Etage. Die fachliche Bestätigung kam durch das Deutsche Jugendinstitut und 1989 wurde das Haarer Familienzentrum in die Förderung des Landratsamtes aufgenommen. Die Eroberung des schönen alten Hauses im Haarer Ortskern wurde weitergeführt – bis irgendwann das ganze Haus vom Familienzentrum in Beschlag genommen wurde. Erst 2014 kam ein Anbau dazu.

Brigitte Ziegler bedankte sich gerührt bei ihrer Familie, die sie in all dieser Zeit aushalten musste und ihren Mitstreitern. Voll Stolz blickte sie schließlich in den Saal und blickte dort in viele bekannte Gesichter: Alles Frauen, die durch das Familienzentrum gegangen seien und sich immer noch engagierten und Großes erreicht haben. „Frauen die bei uns waren werden schon mal Gemeinderätinnen. Oder Rektorinnen von Grundschulen. Und ganz selten werden sie sogar Bürgermeisterin“, schloss sie lächelnd.

Claudia Erl / Ute Dechent

Im Bild von links: Bürgermeisterin Gabriele Müller, Brigitte Ziegler, Pfarrer Markus Bittner.