25. November 2016

Erwin Taschner, unser „Grüner Engel“ aus Haar

Er ist DER „Grüne Engel“ aus Haar – und das bereits seit über 56 Jahren. Nun wurde er für sein außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement für die Natur ausgezeichnet: Erwin Taschner erhielt als erster Haarer Bürger die Auszeichnung „Grüner Engel“ vom bayerischen Umweltministerium. Und zwar hochverdient.

Der Naturschaugarten am Wertstoffhof, Nistkästen im ganzen Gemeindegebiet, Magerrasenflächen am Straßenrand, Insektenhäuser, Biotope und Falken-Nistkästen auf dem Hochhaus und am Bezirksgut: Das Werk des Erwin Taschner ist unübersehbar in Haar. Und dennoch kennen ihn längst nicht alle hier. Er sei doch eher ein „stiller Engel“, den Trubel mag er nicht, erklärt er lachend. Aber sobald er anfängt, über die Natur zu sprechen, über Vögel und seine Berge – dann gerät der mittlerweile 84-Jährige ins Schwärmen.

Versetzt nach Haar
Man hatte ihn nach Haar versetzt – aus seinen geliebten Bergen heraus: Damals, im Jahre 1960, ist er als Polizeivollzugsbeamter des Bundes im nachrichtentechnischen Dienst zum Bundesgrenzschutz in die Landkreisgemeinde gekommen – in die alte Kaserne an der B 304. Mitgebracht hat er aus Rosenheim nicht nur seine Frau, sondern auch seine Liebe für die Natur. Das er die schützen wollte, das war ihm schon als Bub klar.

Ein einschneidendes Erlebnis
Geboren wurde Erwin Taschner 1932 in Landshut, aufgewachsen ist er in dem 300-Seelen-Ort Adelkofen, direkt am Wald. Ja, man könne schon sagen, er habe seine Liebe für die Natur in die Wiege gelegt bekommen. Aber seinen ganz speziellen Einsatz für die Tierwelt, hat er doch einem Schlüsselerlebnis zu verdanken. „Als Bub, in den Kriegsjahren, hatte ich eine Steinschleuder. Und wie alle anderen auch hab ich halt auf alles Mögliche geschossen. Eines Tages im Wald hat über mir ein Buchfink so schön gesungen – und ich hab einfach auf ihn gezielt.“ Der Vogel fiel ihm direkt vor die Füße, atmete noch ein paar Mal schwer – und als er in seinen Händen starb, läuteten die Kirchenglocken. Das wäre der Moment gewesen, in dem er beschlossen hat, die Natur zu schützen. Ein echter Gänsehautmoment – bis heute.

Das Engagement beginnt
Ab diesem Zeitpunkt waren die Berge und der Wald sein eigentliches Zuhause. Nicht selten war er auch noch als junger Erwachsener schon um drei Uhr morgens im Wald, um dann um sechs Uhr in die Arbeit zu fahren. Erwin Taschner hat sich engagiert: Seit 1958 bis heute im Landesbund für Vogelschutz, er war im Naturfreunde-Verein und vom Landkreis Rosenheim aus im Naturschutzdienst tätig – dazu gehörte die ganze Nordalpenkette des Landkreises Rosenheim.

Wissen weitergeben
Als er dann so nah an die Großstadt stationiert wurde, war sein erster Weg auch hier zum Alpenverein. Bald hat er naturkundliche Führungen durchgeführt, später auch bei der Volkshochschule. Dank Taschner wissen Haarer Kinder mehr über die Natur – beispielsweise auch, woher die Küchenschelle ihren Namen hat. Nein, das hätte nichts mit Küche zu tun, sondern käme vom Wort „Kühchen“, also kleine Kuh, erklärt er. Und deren Glocke. Denn so sieht das Gewächs eben aus. Woher er das alles weiß? Er weiß es eben, erklärt er lachend. Es habe ihn immer interessiert.

Enger Draht zum Umweltreferat
Viel Zeit verbringt Erwin Taschner als langjähriges Mitglied der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern e.V. bis heute am Ismaninger Speichersee: Er ist einer von wenigen Personen, der hier überhaupt Zutritt haben. Und er hat hier Jahrzehnte lang sommers wie winters bei jedem Wetter an der internationalen Wasservogelzählung teilgenommen. Bis heute erledigt der 84-Jährige Kontrollaufgaben im geschlossenen Teichgebiet bezüglich Krankheiten und Botulismus. Einen ganz engen Draht hat er zum Umweltreferat der Gemeinde Haar: Viele Taschnersche Ideen und Aktionen wurden in Zusammenarbeit mit dem Rathaus umgesetzt. Sein sicherlich größter sichtbarer Erfolg ist der Naturschaugarten am Wertstoffhof, der im Herbst 1998 eröffnet wurde. Gemeinsam mit dem Umweltrefernten Michael von Ferrari ist er damals losgezogen, hat mir der Sense in der Garchinger Heide gemäht – um Samen zu haben für die Haarer Magerstandorte, die mittlerweile weite Teile das Straßenbegleitgrün ersetzen.

Vielfach geehrt
Ist der Naturexperte denn mit seinem Haarer Werk zufrieden? „Das mit den Magerstandflächen war sicher eine Initial-Zündung für andere Gemeinden“, ist sich Erwin Taschner sicher. In Haar sei die Fläche schlichtweg begrenzt, auf der man agieren kann. Doch man hätte vieles Gutes rausgeholt. Von der Gemeinde bekam Erwin Taschner für sein Engagement bereits 2000 die Goldene Ehrennadel verliehen – für seinen großen ehrenamtlichen Einsatz zur Erhaltung der Artenvielfalt in der Gemeinde. 2005 wurde er dann auch vom Landkreis ausgezeichnet. Jetzt verlieh ihm die bayerische Staatsministerin Ulrike Scharf in der Regierung von Oberbayerin für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement die Auszeichnung „Grüner Engel“ – im Beisein seiner Familie, Michael von Ferrari und der ersten Bürgermeisterin Gabriele Müller. Die Rathauschefin ist sich sehr bewusst, welchen Schatz sie in ihrer Gemeinde hat. „Für uns in Haar ist Erwin Taschner schon seit Jahrzehnten unser grüner Engel“, sagt sie.  

Claudia Erl

Auf dem Foto v.l. Bürgermeisterin Gabriele Müller, der "Grüne Engel" Erwin Taschner, die bayerische Staatsministerin Ulrike Scharf und Umweltreferent Michael von Ferrari