25. November 2020

fair handeln – fair einkaufen

Kirchengemeinden seit drei Jahrzehnten aktiv

Die Gemeinde Haar bewirbt sich als Fairtrade Town. Um die Auszeichnung zu erhalten, müssen einige Kriterien erfüllt werden. Bürgerschaftliches Engagement wird dabei ganz groß geschrieben. So sollte sich eine Kirchengemeinde beteiligen, Schulen, Gaststätten, aber auch der Handel. Haar ist da gut aufgestellt: Das Ernst-Mach-Gymnasium ist bereits fairtrade-Schule. Alle großen Supermärkte verkaufen Produkte aus fairem Handel und in zwei Pfarreien findet regelmäßig ein Eine-Welt-Verkauf statt.

In der Pfarrei St. Konrad wirbt Christa Lampe seit über 30 Jahren für den fairen Handel und in St. Bonifatius betreut Gerti Pfeifer den Eine-Welt-Stand.

Verkauf nach den Gottesdiensten

Alle sechs Wochen baut Christa Lampe mit ihren Helfern am Sonntag rund um den Gottesdienst einen Stand am Kircheneingang von St. Konrad auf, Gerti Pfeifer organisiert den Eine-Welt-Stand in St. Bonifatius und in der Filialkirche Heilig Kreuz in Gronsdorf richtet Angelika Halbauer ihren Verkaufstisch ein. Alle Stände bieten eine ganze Reihe von Fairtrade-Produkten an. „Dabei kommen wir mit den Besuchern immer wieder ins Gespräch über den Sinn des fairen Handels“ berichtet Christa Lampe. Etwa 120 Personen besuchen die Gottesdienste und viele von ihnen kaufen an ihrem Eine-Welt-Stand regelmäßig den Kaffee oder Tee für zuhause. „Es gibt viele Kunden“, erzählt Christa Lampe, „die ganz bestimmte Produkte aus Ländern kaufen wollen, die sie intensiver kennengelernt haben, so zum Beispiel Kaffee aus Mexico oder Tansania.“ Sehr begehrt sei auch Kakao aus Afrika. Die Fairtrade-Produkte müssen natürlich gelagert, katalogisiert und für den Verkauf ausgezeichnet werden. „Wir machen das alles rein ehrenamtlich, aber mit großer Freude und aus Überzeugung“, sagt Angelika Halbauer.

Sonderaktionen

„In normalen Zeiten finden übers Jahr verteilt, faire Sonderaktionen statt“, berichten Lampe und Pfeiffer. So gibt es in St. Bonifatius einen Weihnachtsmarkt im Advent. Beim Adventsnachmittag der Senioren im Bürgersaal mit ca. 250 Besuchern bietet der Eine-Welt-Laden von St. Konrad seine Waren an und im Wittelsbacher Gymnasium in München organisiert eine Lehrerin zum Weihnachtsmarkt einen Verkaufsstand mit EW-Waren von St. Konrad.  Auch dort wird über den Sinn von Fairtrade mit den Schülerinnen und Schülern, aber auch mit Eltern und Besuchern diskutiert. Beim Seniorenfasching im Bürgersaal werden die Gäste mit Kaffee und Tee aus dem Eine-Welt-Laden bewirtet. Eine weitere Sonderaktion mit Verkaufsstand findet im Sommer auf der jährlich stattfindenden Künstlermeile in Haar statt, die tausende Gäste anzieht. Und jährlich am Buß- und Bettag bewirtet die Gemeinde die Senioren auf der Infoveranstaltung des Bürgermeisters ebenfalls mit Kaffee aus dem „Eine-Welt-Stand. „Leider hat Corona alle geplanten Aktionen gründlich durcheinander gebracht und wir hoffen nun, dass im nächsten Jahr wieder bessere Tage mit vielen Aktivitäten kommen“, hofft Lampe. „Bis dahin bitte auf faire Produkte in den Läden achten.“

Fairer Handel – wie funktioniert das?

Der faire Handel organisiert den Verkauf von landwirtschaftlichen Produkten aus Entwicklungsländern mit dem Ziel, den Bauern ein regelmäßiges und sicheres Einkommen zu ermöglichen. Die Bauern sind im Normalfall abhängig von den Weltmarktpreisen, die stark schwanken können, so dass sie nicht einmal ihre Investitionen an Geld und Arbeit erwirtschaften können. An Ausbildung und Gesundheitsfürsorge für ihre Kinder ist dann gar nicht zu denken. Fairtrade garantiert feste Preise und eine Abnahmegarantie. Das bedeutet für die Produkte etwas höhere Verkaufspreise, aber eben die Versorgungssicherheit der Bauern. Das ist gerecht den Bauern gegenüber und schützt  uns vor unkontrollierter Zuwanderung aus den Entwicklungsländern.

„Fairschenken“
Wir würden uns als angehende Fairtrade-Town sehr darüber freuen, wenn jeder, der in diesem Jahr Süßigkeiten zu Weihnachten oder Nikolaus verschenkt, an den fairen Handel denkt. Fairtrade-Schoko-Nikoläuse schmecken nämlich nicht nur lecker, sondern helfen weltweit Menschen, unter fairen Bedingungen arbeiten und leben zu können. 

 

Auf dem Foto.: Die kirchlichen Fairtrade-Damen: v.l. Angelika Halbauer, Christa Lampe, Irmgard Hofweber, Gerti Pfeifer und Elisabeth Guggenmoos