23. September 2016

Trauer um Max Mannheimer

Die Gemeinde Haar trauert um eine große Persönlichkeit und um einen wahrhaft großen Menschen. Im Alter von 96 Jahren ist Max Mannheimer am 23. September verstorben. Bürgermeisterin Gabriele Müller würdigt ihn als „couragierten Kämpfer gegen das Vergessen, für Frieden und Aussöhnung. So wird er uns immer im Gedächtnis bleiben.“

Max Mannheimer war jüdischen Glaubens. Zusammen mit seinem Bruder Edgar hat er das Inferno des Nationalsozialismus überlebt. Er wurde aus Dachau befreit und hatte alles verloren, was einem Menschen Halt gibt: fast seine komplette Familie, seine Heimat.

Das Land seiner Peiniger wollte er eigentlich nie wieder betreten. Der Liebe wegen kam er aber nach Deutschland zurück. Viele Jahre hat er über seine Erlebnisse geschwiegen. Die Kunst, die Malerei war ihm schließlich ein Ventil. In seinen Bildern verarbeitete „Ben Jakov“, wie er sich nannte, Erlebtes und Erlittenes. Drei seiner Werke hängen im Amtszimmer der Haarer Bürgermeisterin. Sie zeugen von den Seelenqualen, aber auch von der Hoffnung, die den Menschen Max Mannheimer nie verlassen hat.

Erst in einer schweren Krankheitsphase hat er Worte gefunden über die Schrecken des Krieges zu reden. Ab Mitte der achtziger Jahre war Max Mannheimer dann unermüdlich unterwegs und hat dem Leid mit seiner persönlichen Geschichte ein Gesicht gegeben. In seinen zahllosen Vorträgen, vor allem in Schulen, berichtete der Holocaust-Überlebende von Verfolgung, vom Arbeitslager, von Hunger, Krankheit und Angst. Mannheimer hat für die Nachkriegsgeneration, die in Frieden und Freiheit aufwachsen durfte, Unvorstellbares überlebt. „Ihr seid nicht verantwortlich für das was geschah“, sagte er den jungen Leuten „Aber, dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.“

„Max Mannheimer hat bis zuletzt mit unermüdlichem Einsatz gegen das Vergessen gekämpft und damit einen unschätzbar wertvollen Beitrag zur Versöhnung geleistet“, sagt Bürgermeisterin Gabriele Müller. Er selbst hat einmal folgenden Satz gesagt: „Trotz der bitteren Erkenntnis wozu Menschen fähig sind, wollte ich nicht, dass der Holocaust mich davon abhielt, an das Gute zu glauben, an die Hoffnung, an das Leben."

Der Tod von Max Mannheimer berührt auch die beiden Haarer Altbürgermeister.

Helmut Dworzak:
"Mit dem Tod von Max Mannheimer haben wir nicht nur einen politischen Wegbegleiter und Freund verloren. Man trifft im Leben wenig Menschen mit so viel Wärme und Humor. Er verstand es bei jeder Begegnung ein Gefühl der Vertrautheit und persönlichen Sympathie zu vermitteln. Dazu kam sein unglaubliches Erinnerungsvermögen und die Freude an skurrilen Begebenheiten. Er konnte eine längere gemeinsame Autofahrt mit einer ununterbrochenen Serie von Witzen mühelos zum unterhaltsamen Abend umgestalten.  Gerade angesichts seiner leidensvollen Biografie hat mich diese Kraft und Lebensfreude immer wieder in den Bann geschlagen. Es war ein Geschenk, Max Mannheimer kennen zu dürfen."

Hans Wehrberger:
" Unser Land, unsere Gemeinde Haar...sind um eine einmalige Persönlichkeit ärmer geworden. Um einen Mann, der immer nur die guten Seiten der Menschen sehen wollte. Ob er über seinen Lebensweg, die Tagespolitik, oder andere Meinungen sprach, immer redete er mit sehr gewählten Worten, ohne Bitterkeit und mit einem unglaublich großem Herzen und Humor. Begegnungen mit ihm haben unser Leben sehr bereichert. Vieles von seinem Wesen und seinen Worten werden wir nicht vergessen. Wir sind traurig."

Die Volkshochschule Haar hat im Rahmen der "Haarer Hörpfade" ein Interview mit Max Mannheimer geführt.

In "Ich hatte drei Leben" erzählt er seine Lebensgeschichte.