23. Oktober 2015

Jahrzehnte im Ehrenamt für Bücherfreunde

Sie sind die fleißigen Heinzelmännchen zwischen den vielen Bücherregalen, sie sind da für die großen und kleinen Bücherwürmer in Haar – und das ehrenamtlich und teilweise schon seit Jahrzehnten: Die Bücherei-Damen in der Haarer Gemeindebücherei sind eine echte Institution. Und einmal im Jahr werden sie zu einem schönen Essen eingeladen – auf Kosten der Gemeinde. Doch im gemütlichen Rahmen wird nicht nur gegessen und geplaudert, sondern auch geehrt.

Gut 20 Damen sortieren in den Räumen in der Leibstraße Bücher, ordnen prallgefüllte Regale, nehmen Medien zurück, leihen sie aus und sind auch immer für einen Lesetipp zu haben. „Das ist eine Leistung, die Sie da erbringen, die man nicht hoch genug schätzen kann“, freute sich Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller beim diesjährigen Dankeschön-Essen. Gerade weil das Gut Bildung ein sehr hohes ist, und in Form von Büchern besonders schön transportiert werde, sei ihr die Arbeit der Damen viel wert, so die Bürgermeisterin weiter. Besonders erfreut zeigte sich auch Bücherei-Leiterin Désirée Bitzer darüber, dass es so viele treue Seelen in der Gemeindebücherei gibt. Drei von ihnen konnten heuer ein besonderes Jubiläum begehen.

Doris Egerland
Seit 15 Jahren gehört Doris Egerland zu den Büchereidamen. Viele kennen die blonde quirlige Frau aus dem Sekretariat der Mittelschule. Hier liegt auch der Ursprung für ihre ehrenamtliche Tätigkeit: „Isolde Moritz war ja meine Vorgängerin an der Schule und später wurde sie zur Büchereileitung“, erinnert sich Doris Egerland. Sie war es dann auch, die die Sekretärin gefragt hatte, ob sie nicht Lust hätte, mitzumachen. Hatte sie. „Ich habe bei der Bücherei die Lesenummer 303 – das heißt ich bin schon ewig Leserin hier. Schon damals, als die Bücher noch bei der Konrad-Kirche waren“, erzählt sie. Da fiel ihr der Entschluss sich ehrenamtlich zu engagieren nicht schwer, denn sie wollte „der Bücherei auch mal was zurückgeben“. Außerdem säße man dann ja auch noch näher an der Quelle, ergänzt Doris Egerland lachend. Sie selbst ist eine leidenschaftliche Biografie- und Roman-Leserin. An Menschen habe sie eben Interesse – und da kommt ihr ihr Ehrenamt sehr entgegen. Für ihr Engagement erhielt sie Blumen und Pralinen von der Gemeinde.

Eleonore Kiening-Exner
Noch fünf Jahre länger, nämlich 20 Jahre, ist Eleonore Kiening-Exner im Ehrenamtsteam der Bücherei. Sie war schon im Ruhestand, als sie angesprochen wurde, ob sie sich vorstellen könnte, in der Bücherei mitzuarbeiten. „Bücher waren schon immer eine Liebe von mir“, erklärt sie – und so war sie gleich dabei. Etwas umständlicher als heute sei es damals gewesen, als man noch mit Kärtchen bei der Ausleihe gearbeitet hätte. Die Umstellung auf den Computer fiel ihr dann nicht so schwer, ganz unbekannt sei ihr das aus ihrer Arbeitszeit ja auch nicht gewesen. In ihrer langen Zeit, die sie nun schon im Team ist, liebt die Biographien-Liebhaberin vor allem den Kontakt zu den Menschen. Durch die fortschreitende Technik und die Möglichkeit Bücher von Zuhause zu reservieren, halten sich die Leser zwar nicht mehr so lange in der Gemeindebücherei auf, doch es reicht trotzdem noch aus, sich über Bücher austauschen zu können. Am liebsten führt sie neue Leser in die Vielfalt der Bücherei ein, begleitet sie durch die Regale und zeigt den einen oder anderen Schatz her. Eleonore Kiening-Exner ist auch der lebende Beweis, wie geistig fit lesen hält – denn der 83-Jährigen ist ihr Alter nicht anzumerken. Neben den Geschenken der Gemeinde bekam sie auch das silberne Ehrenzeichen des Sankt Michaelsbunds verliehen.

Lydia Brummann
Ganze 25 Jahre wirkt Lydia Brummann nun schon in der Bücherei mit. Als ihre ehemalige Nachbarin Hannelore Furtner, eine Mitbegründerin der Bücherei, sie vor einem Vierteljahrhundert ansprach, waren ihre Kinder bereits aus dem Gröbsten raus. „Außerdem wollte ich mich auch gerne einbringen in die Gemeinde“, sagt sie. Dass sie einmal 25 Jahre dabei sein wird, das hat sie allerdings bei Beginn ihrer Tätigkeit nicht geahnt. Lydia Brummann startete zu einer Zeit, als die Bücherei noch in der Dragonivilla, dem heutigen Familienzentrum, untergebracht war. So hat sie eine große Entwicklung miterlebt: Umzug, Umstellung auf Computer, eine ständig wachsende Leserschar und Medienbandbreite. Der größte Unterschied zu früher ist für sie, dass die allermeisten Leute nicht mehr so lange in der Bücherei schmökern. Besonders schön findet sie aber die immer stärkere Einbindung der Kinder: Schon im Kindergarten besuchen die nämlich die Bücherei und auch die speziellen Veranstaltungen, wie Vorlese-Nachmittage, können sie begeistern. Auch, weil die 66-Jährige mittlerweile selbst zwei Enkelkinder hat. „Jetzt lange ich auch wieder viel häufiger in die Kiste mit den Pappbüchern“, erklärt sie lachend. Auch sie bekam die Geschenke der Gemeinde sowie das goldene Ehrenzeichen vom Sankt Michaelsbund verliehen.

Claudia Erl

 

Im Bild von links:

Lydia Brumann, Eleonore Kiening-Exner, Bürgermeisterin Gabriele Müller, Doris Egerland