23. September 2015

Laptops für Flüchtlinge

Eine fremde Sprache zu lernen, das ist schon schwierig. Wenn aber Lehrer und Schüler keine gemeinsame Sprache sprechen, dann wird es nochmal deutlich komplizierter. Helfen können da Bilder, Gesten, Zeichen – und natürlich Computer. Die Gemeinde Haar bekam nun 10 gebrauchte Laptops von der HypoVereinsbank geschenkt, die in Zukunft die ehrenamtlichen Deutschlehrer beim Unterricht mit den Flüchtlingen einsetzen sollen.

Seit Monaten unterrichtet der Salmdorfer Peter König ehrenamtlich Deutsch. In einem Container sitzen dabei bis zu 20 Personen vor ihm. Junge Männer, junge Frauen, denen unsere Sprache meist komplett fremd ist, manche sprechen auch kein Englisch. Der Ehrgeiz der Asylbewerber ist dafür enorm. Da müsse man schon erfinderisch sein, meint er – und berichtet davon, dass einige junge Frauen mal ein deutschsprachiges Lied hören wollten. Er fand „Über den Wolken“ von Reinhard Mey und spielte es ihnen vor. Bilder hätte er sich in diesem Moment gewünscht, um den Inhalt des Songs zur erklären – doch die hatte er nicht zur Verfügung.

Deutschlernen mit Computern
Computer für den Unterricht zu verwenden, das wäre eine echte Erleichterung – da war sich Peter König schon immer sicher. Und so kam ihm der Gedanke, bei seinem Arbeitgeber anzufragen – ob es da nicht einige ausrangierte Laptops gäbe. Die HypoVereinsbank sagte zu – und brachte nun zehn Laptops ins Rathaus. Sehr zur Freude von Bürgermeisterin Gabriele Müller. „Wir erleben hier dauernd, wie motiviert die Asylbewerber sind, Deutsch zu lernen“, kann auch sie berichten. Schon am Tag nach dem Einzug der 65 jungen Männer in der VHS-Turnhalle war ein Flüchtling zu ihr ins Rathaus gekommen. Er hatte sich bereits Lernmaterialien gekauft – und dafür einen großen Teil seines kleinen Taschengelds ausgegeben. Allerdings fehlte ihm die Möglichkeit, die beigefügte CD abzuspielen. Schnell hatte man einen alten Disc-Man unter den Rathausmitarbeitern organisiert – und das Lernen konnte losgehen. Jeder ehrenamtliche Deutschlehrer solle nun ein Laptop zur Verfügung gestellt bekommen, da sind sich Müller und König einig. Die Computer sollen den Asylbewerbern zugutekommen, an sie selbst sollen sie jedoch nicht ausgegeben werden.

Sinnvoller Einsatz
Für Christian Wagner, Direktor der HypoVereinsbank-Niederlassung München-Ost und seinen Kollegen Oliver Nökel, der bei der Bank für die IT zuständig ist, ist die Gemeinde Haar nicht fremd. „Wir pflegen schon lange einen sehr engen Kontakt, denn wir haben uns schon häufig für den Haarer Tisch engagiert“, sagt Wagner. Und die Laptops erfahren bei den ehrenamtlichen Helfern einen wirklich sinnvollen Einsatz, freuen sich die beiden Bank-Männer.

Claudia Erl