22. April 2016

Selbst mit angepackt

Groß ist er ja, der Garten der gemeindlichen Kindertagesstätte in der Casinostraße in Haar. Trotzdem waren die Eltern nicht recht zufrieden mit der Gartengestaltung. Als dann schließlich ein marodes Gartenhäuschen ausgetauscht werden musste, gab es die Initialzündung: Warum nicht gleich mehr Kletter- und Versteckmöglichkeiten gestalten - mit Abenteuer und Kreativität. Und alle Eltern und Kinder sollen sich daran beteiligen – in Form einer Mitmachbaustelle. Das war 2014. Jetzt ist der Kita-Garten fertig. Und ein echtes Schmuckstück.

Die Eltern waren wild entschlossen und bereit, nicht nur selbst einen guten Teil der Kosten zu tragen, sondern auch die Ärmel hochzukrempeln und die Gestaltung unter Anleitung selbst vorzunehmen. So einer Begeisterung konnte man sich dann auch im Rathaus nicht entziehen: Fifty-Fifty bei den Kosten (angesetzt sind 13.000 Euro Gesamtkosten), Unterstützung durch den Bauhof und Gemeindemitarbeiter – so sah der Deal zwischen den Eltern der Kita und der Gemeinde aus. Doch dann hieß es für den Kindergarten erst einmal: Geld sammeln. Die Spenden kamen – durch ein Sommerfest und eine Faschingsfeier, auf der Künstlermeile und durch Spenden von Eltern, der Sparkasse, KiMaPa, die IsarCowboys, der Rechtsanwaltskanzlei Franz. und der Baumschule Bayer.

In nur drei Tagen ...
Nach vielen Treffen, genauen Planungen, Doodle-Listen in der sich die Helfer online für die Arbeit eintrugen und der Verpflichtung des Gartenplaners Robert Schmidt-Ruiu, der bereits im Pausenhof der Grundschule St. Konrad sein Können beeindruckend unter Beweis stellte, konnte die Mitmachbaustelle starten. Die Ziele: groß! Holzklettergerüst mit Hängebrücke, ein neu gestalteter Pflanzenbereich anstelle der alten Hochbeete und im Krippengarten ein kleiner Hügel mit Rutsche und Aufstieg. „Mir gefällt der Ansatz von Herrn Schmidt-Ruiu den Garten als Erlebnisraum zu gestalten der Kinder auch herausfordert. Ein Garten darf bei ihm auch "einschätzbare Gefahren" haben - und was gibt es schöneres für Kinder als den kleinen Nervenkitzel einer Gefahr...“, freut sich auch Susanne Hehnen, Sachgebietsleiterin Kita der Gemeinde Haar. Mindestens zehn Erwachsene pro Tag waren eingeplant. Und natürlich die Kinder. Gerade einmal drei Tage plus ein Reservetag waren an Bauzeit angesetzt. Klingt extrem ambitioniert, mag sich der eine oder andere noch gedacht haben. Aber genau das war es dann auch. Und sogar noch etwas mehr.

Viele helfenden Hände
Aus vier Tagen wurden drei - je 10 Stunden Arbeitszeit waren nötig, um die Baustelle abzuschließen. Das bedeutet: 500 Helferstunden wurden von den Erwachsenen geleistet und zusätzliche 360 Stunden packten die Kinder mit an. Unterstützung erfuhren die Eltern durch Opas, Freiwillige und einigen afghanischen Flüchtlingen, die alle mit großer Motivation bei der Sache waren. Die Zentrale der Mitmachbaustelle war dabei unbestritten Robert Schmidt-Ruiu, der mit seiner mobilen Werkstatt, einem Mitarbeiter, jeder Menge Holz, Radlader und Bagger angekommen war. „Und vor allem: mit unglaublicher Geduld, Kreativität und Sachverstand“, ergänzt Pia Briesenick, Mutter und eine der Projektleiterinnen. So war die Baustelle gut strukturiert: Die Arbeiten wurden verteilt und dann ging es ans Werk. „Wir haben die Bretter entrindet, Kanten geschliffen, Fundamente gesetzt, Pfosten aufgestellt, Löcher gebohrt, Pfosten montiert, gesägt, Seile gespannt, tonnenweise Kies, Erde, Sand und Holzhäcksel bewegt, Hügel modelliert und bepflanzt, Wege angelegt, verschiedene Klettermöglichkeiten auch für die ganz Kleinen gebaut und immer vor Ort entschieden, wie es aussehen soll“, schwärmen auch Kerstin Schneider und Barbara Keszegh, die beiden anderen Projektleiterinnen.

Dem Regen getrotzt
Und zwischendurch waren immer einige Kinder am Werkeln: Auch sie brachten ihren Beitrag zum künftigen Abenteuer-Garten. Mit dabei war schließlich auch die Kindergarten-Küche sowie einige Eltern, die dafür sorgten, dass den fleißigen Gartenbauern nicht die Energie ausging und sie mit Verpflegung bei Kräften hielt. Da war es dann auch völlig egal, wenn es zwischendurch getröpfelt und manchmal sogar geschüttet hat. Keiner hätte die Baustelle zu diesem Zeitpunkt noch freiwillig verlassen.

Ein Geschenk für alle
Fast zwei Jahre Planung haben so nun ihren Abschluss gefunden. Und egal, wie viel Aufwand das auch gewesen sein mag: Zurück bleiben wirklich glückliche Gesichter. Denn es ist sogar noch viel toller geworden als geplant. Jetzt ist nur noch ein ganz kleines bisschen Geduld bei den Kindern gefragt, die sich natürlich schon die Nasen an den Scheiben Richtung Garten plattdrücken: Sobald der TÜV den Spielplatz in wenigen Tagen abgenommen hat, kann er endlich erobert werden. „Der Garten ist ein Geschenk von uns Eltern an die Kinder“, so die Projektleiterinnen. „Und für die gemeindliche Kita Casinostraße“, ergänzt Susanne Hehnen.

Die offizielle Einweihung findet dann am 29.4. statt – im Rahmen des großen Füßeflix-Abschlussfestes der Gemeinde.

Claudia Erl