22. Dezember 2016

Dauerärger mit den Bussen

Vor einem Jahr hat der Betreiber der Buslinien im Landkreis München gewechselt. Nach einer turnusmäßigen Ausschreibung übernahm die DB Regio Bus Bayern, eine hundertprozentige Tochter der DB Regio AG den Betrieb. Sie hatte das günstigste Angebot abgegeben, das Landratsamt erteilte als zuständige Behörde für den öffentlichen Nahverkehr den Zuschlag. Seither reißen im Haarer Rathaus die Beschwerden von Fahrgästen, vor allem von Eltern von Schulbuskindern, nicht ab.

Die Linie 242 ist besonders betroffen. Häufig hat der Bus Verspätung und die Kinder kommen zu spät zum Unterricht. Ständig wechselnde Fahrer haben mitunter Verständigungsprobleme. Mal kennen sie den Weg nicht, mal fahren sie die falsche Haltestelle an oder überfahren eine Station. Dass die Liniennummern und Endhaltestellen auf den Bussen nicht angezeigt werden, ist noch das geringste Übel. Unübersichtlich wird es besonders am Bahnhof Haar, wenn drei oder vier Busse mit der Kennung „MVV-Betriebsfahrt“ die Haltepunkte gleichzeitig ansteuern. Da wiegt der jüngste Zwischenfall wesentlich schwerer: Ein Fahrgast forderte Grundschulkinder kürzlich auf, die Schuhe auszuziehen, im Bus über die Sitze zu toben.Er selbst filmte mit der Handykamera mit und sagte, er würde die Aufnahmen ins Internet stellen. Der Busfahrer ließ es zu und schritt nicht ein.

Die Eltern sind aufgebracht, machen sich Sorgen und haben auch schon zur Polizei Kontakt aufgenommen.

Bürgermeisterin Gabriele Müller hat sich nun an Landrat Christoph Göbel gewendet: „Der jetzige Vorfall geht über die üblichen Missstände hinaus. Hier wird die Aufsichtspflicht verletzt und ich bitte Sie als Aufwandsträger dringend, umgehend die entsprechenden Maßnahmen einzuleiten und den Betreiber in die Pflicht zu nehmen.“

Vergangene Woche erst lud die Kreisbehörde den Linienbetreiber zum Krisengipfel ein, denn Beschwerden kommen nicht nur aus Haar. Seitens des MVV und der Kreisverwaltung wurden bei dem Gespräch noch einmal klar die Missstände und die Unzufriedenheit bei der Erbringung der vertraglich zugesicherten Leistungen thematisiert, heißt es aus dem Landratsamt. Man wolle künftig die Möglichkeit von Vertragsstrafen konsequenter ausnutzen. Gesprächstermine mit den Gemeinden und dem Buslinienbetreiber werden angeboten – im Frühjahr 2017. „Gespräche mit dem Landratsamt und mit dem Busbetreiber führen wir regelmäßig. Wir melden jeden einzelnen Vorfall“, bestätigt Bürgermeisterin Gabriele Müller. „Wir nutzen jede Chance, um Verbesserungen zu erwirken. Wir sind zuständig für die Schulwegbeförderung und angehalten öffentliche Buslinien zu nutzen. Jahrelang hat das reibungslos funktioniert. Da müssen wir vor allem wegen der Buskinder wieder hinkommen – und zwar schnell.“

Ute Dechent