19. November 2018

„Globale Gesundheit beginnt bei uns“ – auch in Haar

„Alle Wünsche werden klein, gegen den, gesund zu sein.“ Eine alte Weisheit, in der bis heute eine tiefe Wahrheit steckt. Mehr als das: Gesundheit ist das größte Gut – und wäre sie global zu gewährleisten, wären die Weltprobleme deutlich geringer. Was wir dazu beitragen können? Darüber berichteten die Vernissage-Gäste zur Ausstellung im Haarer Rathaus „Globale Gesundheit beginnt bei uns“.

Es sind nur wenige Schautafeln, dafür haben die es in sich: Die Ausstellung des Deutschen Medikamenten-Hilfwerks action medoer e.V. im Haarer Rathausfoyer soll aufrütteln. Denn man kann vieles tun, um die Weltgesundheit zu verbessern – auch jeder einzelne, auch hier in Haar. Zur Vernissage füllte sich der große Sitzungssaal nahezu bis auf den letzten Platz, denn es war zu einer hochrangig besetzten Diskussionsrunde geladen worden.

Das Dritte von 17 nachhaltigen Entwicklungszielen
2015 haben die Vereinten Nationen 17 nachhaltige Entwicklungsziele formuliert, mit denen bis 2030 die globalen Probleme der Weltgemeinschaft gelöst werden. Das Dritte davon lautet „Gesundheit und Wohlergehen“ – und steht damit ganz weit vorne in der Priorität. Umzusetzen sind diese Ziele aber nur durch das Engagement jedes einzelnen. Und sei es in noch so kleinen Taten oder einem schmerzlosen Umdenken im Alltag.

Viel Engagement in Haar
In Haar ist man sich dieser Verantwortung duchaus bewusst und gerade im Gesundheitssektor ist die Gemeinde lange aktiv: Schon alleine die Klinik oder die verschiedenen Gewerbe im Gesundheitssektor, aber auch die Aktionen von Schulen und Privatbürger in Sachen Entwicklungshilfe zeigen das Engagement, wie Bürgermeisterin Gabriele Müller berichten konnte.

Vorbildlicher Weg
Der Bundestagsabgeordnete und Sprecher für Entwicklungspolitik Uwe Kekeritz (Bündnis90/Grüne) zeigte sich vom schulischen Engagement begeistert, das er im Zuge eines der Diskussion vorgelagerten Vortrags am Ernst-Mach-Gymnasium kennengelernt hatte. Zudem die gemeindlichen und Vereins-Aktivitäten, die Bemühungen Fairtrade-Town zu werden, die Eine-Welt-Arbeit, die Tansania-Verbindungen – all das wäre laut Kekeritz ein vorbildlicher Weg.

Wege und Steine
Zu diesen Partnerschaften und Wegen konnten die Anwesenden beeindruckende Geschichten erzählen, welche Steine im Weg liegen, welche Erfolge bereits gefeiert werden konnten. So fördert beispielsweise HA-ILE e.V. (Partnerschaft Haar-Ilembula) die Ausbildung von Krankenpflegepersonal – doch das Krankenhaus vor Ort kann derzeit keine Gehälter bezahlen, wie der 2. Vereinsvorsitzende Dr. Peter Lauffer erzählte. Auch wenn die Basismedikament, mit denen laut Bernd Pastors (Vorstandssprecher des Deutschen Medikamentenhilfswerks action medeor e.V) 90 Prozent aller Krankheiten zu bekämpfen sind, vor Ort sind, so sind diese laut Uwe Kekeritz für den 35-jährige weißen Mann optimiert. Für den Rest der Bevölkerung oder auch für seltenere Krankheiten sei die Entwicklung von Medikamenten für die Pharmaindustrie nicht relevant. Sie bringen kein Geld.

Samen bei der Jugend säen
Zukunftsweisend war schließlich die flammende Rede von Studiendirektor Edwin Busl vom Ernst-Mach-Gymnasium, der unter anderem für die Schulpartnerschaft Tansania sehr aktiv ist: Die Saat für alle globalen Zukunftsziele müsse man in der Schule säen. „Hier kann man eine Bühne betreten, bei der man Werte vertritt, die in der wirschaftlich dominierten Welt untergebuttert werden“, sagte er. Es gehe um Empathie und Solidarität. „Etwas beginnt bei uns – das ist die eigentliche Message. Wir haben maßgeblich Verantwortung etwas zu verändern“, sagt der engagierte Lehrer. Und uns in der westlichen Welt dabei immer nur als Vorbild hinzustellen sei ein fataler Fehler. Auch wenn sich jeder einzelne engagieren kann, müsse darauf hingewirkt werden, dass die Entwicklung in den Ländern selbst stattfindet.

Ein Geschenk
„Wir sind in Haar gesegnet mit Menschen, die aktiv sind“, freut sich Bürgermeisterin Gabriele Müller abschließend. Ein Geschenk, das nicht als selbstverständlich angesehen wird.

Die Ausstellung läuft im Foyer des Rathauses vom 15.11. bis 28.11.2018

 

Foto v.l.n.r. Jochen Döring (HA-ILE e.V.), Moderator Dr. Alexander Fonari, Uwe Kekeritz, Mitglied des Bundestags für Bündnis90/Grüne und Sprecher für Entwicklungspolitik, Gabriele Müller, 1. Bürgermeisterin Haar, und Bernd Pastors, Vorstandssprecher des Deutschen Medikamentenhilfswerks action medeor e.V., Studiendirektor Edwin Busl Vorsitzender SchuPa Tansania e.V. und Mitarbeiter in der Schulleitung des Ernst-Mach-Gymnasiums