21. November 2016

Spendenprojekt der Gemeinde Haar läuft weiter

Kindern Chancen geben

Kindern Chancen geben – das ist in Haar nicht nur eine leere Floskel. Hier bemüht sich die Gemeinde seit 2008, dass Kinder mit nahezu gleichen Voraussetzungen ins schulische Leben starten können. Egal aus welchem Elternhaus sie kommen und welchen finanziellen Hintergrund sie haben. Denn: Das Spendenprogramm holt die Kinder dort ab, wo sie das Leben hingesetzt hat. Und unterstützt sie auf ihrer Schullaufbahn. Die Kinderarmut steigt, auch in Haar leben Familien am Existenzminium – und in manchen Bereichen sieht die Gesetzgebung schlicht keine staatlichen Hilfen vor. Es war diese Erkenntnis, die die Gemeinde Haar vor mittlerweile knapp neun Jahren veranlasste, selbst tätig zu werden.

Vom Mittagessen bis zum Schulranzen

Aus Gesprächen mit betroffenen Eltern, mit dem „Haarer Tisch", mit Lehrern und Erziehern ging hervor, dass häufig sogar das Geld für das tägliche warme Mittagessen für die Kinder fehlt. Zusätzliche, damals kostenpflichtige Förderangebote und Betreuung am Nachmittag konnten sich diese Familien überhaupt nicht leisten. Und genau da setzte die Gemeinde Haar an: Mit den Spendengeldern wollte sie Nachmittagsbetreuung bezuschussen, Mittagessen bezahlen, Förderunterricht und Nachhilfe unterstützen. Außerdem wurden Unterrichtsmaterialen und Klassenbeiträge bezuschusst und beim Schulanfang auch Geld für Schulranzen und Hefte und Schuhe zur Verfügung gestellt. Und die Haarer waren von Anfang an mit an Bord – vom Privatmann bis zur Firma wurde fleißig gespendet. Auch die große Silvesterspende floss immer wieder in dieses Projekt. Mit dem Bildungspaket im Rahmen der Hartz IV-Leistungen wurde ein Teil des gemeindlichen Förderprogramms von staatlicher Seite übernommen. Seither gehen die Zuschüsse nur noch an Familien, die keine staatlichen Hilfen bekommen, mit ihrem Einkommen aber nur knapp über den Hilfegrenzen liegen.

Förderstunden während des Unterrichts

Seit 2011 hat „Kinder Chancen geben" dann noch ein weiteres Feld aufgemacht: Durch die Spenden werden Nachhilfestunden während der Unterrichtszeit ermöglicht. Das heißt: Schulkinder, die nicht so schnell lernen, erhalten in Nebenräumen der Schule Intensivierungsstunden von Pädagogen. Es soll ihnen geholfen werden, Lücken zu schließen – und zwar sobald sie erkannt werden. Auf diese Weise sollen die Kinder dann wieder schnell mit Erfolg dem Regelunterricht folgen können. Diese Unterstützung soll alle betroffenen Kinder erreichen - und zwar ungeachtet ihrer Herkunft und der finanziellen Situation ihrer Familie. Und die Förderung hat auch noch einen anderen „Nebeneffekt": Auch der Rest der Klasse kann wieder ungestörter und im normalen Tempo weiterlernen

Deutsch und Mathe für Grund- und Mittelschüler

Es waren die Schulen und ihre Jugendsozialarbeiter, die 2011 an die Gemeinde mit ihrem Problem herantraten. Hier hatte man sofort offene Ohren – und das obwohl es sich bei den Intensivierungsstunden um einen bildungspolitischen Auftrag handelt, für den nicht die Kommunen, sondern der Freistaat zuständig ist. Mit an Bord sind die Grundschüler – sowohl aus der Konrad- als auch aus der Jagdfeldschule – und die Mittelschüler. Dabei geht es um die Fächer Deutsch und Mathematik, in der Mittelschule auch um Englisch. Allerdings ist die Maßnahme nicht als „Power-Training" für den Übertritt zu sehen: Es geht darum, den Kindern durch Erfolgserlebnisse die Motivation zurückzugeben. Deshalb entscheiden allein die Lehrkräfte, wer daran teilnimmt. „Wir haben vor zwei Jahren die Schulen um eine Überprüfung der Leistungen gebeten", sagt Bürgermeisterin Gabriele Müller. „Das Ergebnis bestätigt unserEngagement: Von 100 Kindern konnten 30 ihre Noten verbessern, 54 ihre Noten halten; auch das bei steigenden Anforderungen des Lernstoffs ein Erfolg."

Thema Kinderarmut noch aktuell

Auch heute, nach fast einem Jahrzehnt, ist das Thema Kinderarmut noch aktuell: Die Familien von 126 Kindern sind derzeit Kunden beim „Haarer Tisch". Erfasst sind derzeit 357 Kinder, die in einer Hartz-IV.-Familie leben. Die Familien, die nicht in den Bezug fallen, jedoch nur wenige Euro mehr zur Verfügung haben, sind dabei nicht berücksichtigt. Und genau auf die zielt „Kindern Chancen geben" ab. Im Schuljahr 2015/2016 konnten 39 Familien und im Schuljahr 2016/2017 bis zum jetzigen Zeitpunkt bereits 21 Familien unbürokratisch und schnell Zuschüsse gewährt werden. Bis zu 150 Kinder nehmen jährlich an den Intensivierungsstunden teil.

Spenden benötigt

Doch die Förderungen und Zuwendungen sind kostspielig. Jährlich fließen zwischen 30.000 und 40.000 Euro allein in die Nachhilfestunden. Der Gemeinderat hat deshalb 20.000 Euro als Puffer für die Deutschnachhilfe im Haushalt eingestellt, falls die Spenden nicht mehr ausreichen. „Bisher mussten wir nicht darauf zurückgreifen", sagt die Bürgermeisterin „dank der großzügigen und vertrauensvollen Unterstützung unserer Firmen und Bürger."

Wer spenden möchte:

Spendenkonto der Gemeinde Haar

Kennwort „Kindern Chancen geben"

Kreissparkasse München-Starnberg

Konto 080 320 021

BLZ 702 501 50

 

Claudia Erl