21. Oktober 2016

30 Jahre Rentenberatung im Rathaus

9.100 Haarerinnen und Haarer waren ihm bereits im Rathaus gegenüber gesessen. Und alle hatten das gleiche Anliegen: die Rente. Damit kennt sich kaum einer so gut aus wie Hans-Jürgen Wuttke. Seit 30 Jahren berät er zweimal im Monat mittwochs Bürgerinnen und Bürger in Sachen Altersversorgung. Und das komplett ehrenamtlich.

Es sind die Zufälle, die manchmal große Geschichten zum Laufen bringen. So auch die der Rentenberatung im Rathaus Haar. Hans-Jürgen Wuttke, seines Zeichens Elektroingenieur, kannte Hans Wehrberger, noch bevor dieser Bürgermeister von Haar wurde – aus der „Arbeitsschiene“ wie er verschmitzt lächelnd berichtet. Und dem macht er vor drei Jahrzehnten ein tolles Angebot: Er könne doch die Haarer Bürgerinnen und Bürger zum Thema Rente informieren - ehrenamtlich. Wuttke, damals 43 Jahre alt, hatte diese Materie brennend interessiert und so hat er sich diesbezüglich ständig fortgebildet – bis er zum Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung bestellt wurde. Was für eine gute Fügung für die Haarer Bürgerschaft! Mittlerweile ist viel Zeit vergangen, die Bürgermeister wechselten, die Menschen, die Beratung brauchen auch – nur Herr Wuttke blieb. Und sein Enthusiasmus für das Thema.

„Man kann wirklich helfen“

Ein- bis zweimal im Monat, immer an einem Mittwochnachmittag, bezieht er Stellung in seinem Zimmer B 140 im Rathaus – wobei die Terminvergabe ausschließlich über das Sozialamt läuft. Hans-Jürgen Wuttke berät in allen Fragen zum Ruhestand, klärt mit den Ratsuchenden Rentenkonten und schreibt Rentenanträge. An Mangel an Ratsuchenden kann er sich nicht beklagen: Nach wie vor ist seine Zeit vor Ort voll ausgefüllt. Und es gibt nichts, was er nicht schon erlebt hat, dort an seinem Schreibtisch. Doch abgesehen von der einen oder anderen skurrilen Geschichte, hat er vor allem Positives zu berichten. „Man kann wirklich viel helfen. Wir hatten schon echte Erfolge hier“, erklärt er. Wie viele Rentenanträge er bereits ausgefüllt hat, das kann der Mann, dem man sein Alter nicht glauben mag, gar nicht mehr sagen. „Ich mache das Gleiche ja auch seit 1995 in Dingolfing“, erklärt er der erstaunten Bürgermeisterin Gabriele Müller, die ihm für seinen enormen Einsatz im Namen der Gemeinde dankte. Wie es dazu kommt? Wuttke ist bereits vor über 20 Jahren nach Dingolfing gezogen – Haar hat er aber nicht aufgegeben. Trotz der Fahrzeit von einer Stunde. „Dieses Versprechen hat mir wiederum Helmut Dworzak abgenommen. Und das halte ich. Bis heute“, erklärt er.

Ein Mann der Tat

Doch damit nicht genug: Wenn Hans-Jürgen Wuttke anfängt aufzuzählen, wo er überall tätig war und nach wie vor ist, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus: von Vorträgen bei Parteien bis zu großen Seminarveranstaltungen, von der Vermittlung von Kenia-Safaris bis hin zur Gründung der Rentner-Gewerkschaft Deutschland – Langeweile kommt da sicher nicht auf. „Ich bin halt nicht der Mensch für Pantoffeln“, erklärt er. Nein. Das ist er mit Sicherheit nicht. Und er ist ein Mensch der Tat – und der Unterstützung. Ein Glück – auch für Haar.

Claudia Erl