21. August 2015

Junge Märchenerzähler im Maria-Stadler-Haus

Beamer, Laptop, ein großer Plüschfrosch, ein goldener Schemel, Ziegenmasken und viele Seiten bedruckt mit Märchen – so bepackt betraten neun Haarer Kinder vergnügt das Maria-Stadler-Haus. Sie waren gekommen, um den betagten Bewohnern eine schöne Märchenstunde zu bescheren. Eine ganze Woche lang haben die Ferienkinder der Nachbarschaftshilfe das Gemeinschaftsprojekt von Volkshochschule und Gemeindebücherei vorbereitet. Eine sehr spannende Woche...

„Wir haben ja öfter Kinderbesuch hier, aber so eine Wuseltruppe ist schon wirklich was Tolles für unsere Bewohner. Das genießen sie doch sichtlich.“ Der Leiter des Maria-Stadler-Hauses, Klaus Stierstorfer, sah mit Begeisterung zu, wie sich die Kinder auf die drei Stockwerke des Hauses verteilten. Hier warteten bereits viele Damen und Herren, allesamt um die 70 Jahre älter als ihre wuseligen Gäste. Doch damit hatten sicher die wenigsten Senioren gerechnet: Der Besuch war weit mehr als ein reines Vorlesen. Die Kinder hatten eine Fotogeschichte zu den einzelnen Märchen aufgenommen, die sie auf einer Leinwand präsentierten. Eine Aktion, die sich auch Bürgermeisterin Gabriele Müller nicht entgehen ließ: Sie war extra vom Rathaus durch den Park ins benachbarte Seniorenheim gegangen, um der besonderen Begegnung der Generationen beizuwohnen –  Pläuschchen mit Senioren und Kindern inklusive.

Aktion des Bundes
„Lesen macht stark“, so lautet der Name der Aktion, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgerufen wurde. „Wir hatten uns da beworben und uns sehr gefreut, dass wir genommen worden sind“, erklärt Désirée Bitzer. Voraussetzung für die Aktion: Kinder sollen lesen mit digitalen Medien verbinden – und eine Fotostory erschaffen. Das haben die Ferienkinder mit Unterstützung der VHS, Bücherei und ehrenamtlichen Helfern mit Begeisterung gemacht.

Auswählen, basteln, knipsen, digital bearbeiten
Zunächst wählten die Kids ein Märchen aus, dann überlegten sie sich, wie man das bebildern kann. Benötigte Utensilien wurden vorneweg gebastelt. Die Fotos wurden dann ebenfalls von den Kindern selbst an verschiedenen Orten in Haar mit Tablets aufgenommen, die besten Aufnahmen ausgewählt – und dann digital gleich am Tablet weiterbearbeitet: Da bekommt der liebe Gott schnell einen digitalen Heiligenschein verpasst, der blau-weiße Himmel löst die Decke eines geschlossenen Raumes auf oder mit Blitzen wird der Frosch zum Königssohn. Sogar ein Medienpädagoge kam für einige Stunden zur Truppe, um den Kindern Rede und Antwort zu stehen. Zu jeder Geschichte wurden so schließlich fünf tolle Bilder fertig. Die Kinder bekamen zudem eine gehörige Portion Medienkompetenz vermittelt. „Unter anderem erfuhren sie auch, dass jeder ein Recht an seinem eigenen Foto hat. Und wenn er sich darauf nicht gefällt, muss man es löschen“, erklärt Sara Giebel-Dörnemann von der VHS.

Außergewöhnliche Märchen
Mit „Der Schneider im Himmel“, „Die 3 Ziegenböcke“ und „Der Froschkönig“ hatten sich die Kinder schließlich für zwei doch eher unbekannte Märchen entschieden – sehr zur Freude der Altenheimbewohner, die diese Geschichten auch noch nicht kannten. So war die Aktion „Lesen macht stark“ schließlich ein besonders schöner bunter Alltags-Tupfer im Maria-Stadler-Haus und für die Kinder eine kreative und durchaus aufregende Ferienaktion. Am Ende bekamen sie von Heimleiter Stierstorfer dann noch Urkunden verliehen – und so viele Süßigkeiten, wie sie tragen konnten.

Eine Aktion, die im nächsten Jahr sicher noch einmal wiederholt wird. Übrigens: Die vom Projekt vorgesehene Aufwandsentschädigung für die Ehrenamtlichen, wird von den fünf Helferinnen gespendet. So gehen 150 Euro an „Kindern Chancen geben“.

Claudia Erl