21. August 2015

Ein Praktikant aus Somalia

Abdifatah Mohamed Ducaale will Elektroniker werden. Er ist 23 Jahre alt, aus Somilia, Vater von zwei Kindern und Flüchtling. In den nächsten beiden Wochen macht er ein Praktikum im Bauhof der Gemeinde Haar, weil er reinschnuppern will in einen Beruf, für den er nach deutschen Maßstäben nicht qualifiziert ist – noch nicht.

Vor gut einem Monat kam der junge Mann ins Rathaus. Den Kontakt hatte der Helferkreis hergestellt. Bürgermeisterin Gabriele Müller zögerte nicht lange und bot einen Praktikumsplatz im Bauhof an. Zuvor jedoch musste das Landratsamt eine Beschäftigungserlaubnis ausstellen, da Flüchtlinge nicht arbeiten dürfen. Auch dann nicht, wenn sie schon viele Monate auf ihr Aufnahmeverfahren warten wie Mohamed Ducaale und für ihr Praktikum kein Geld bekommen.

Der junge Ostafrikaner ist hoch motiviert. Er will die Wartezeit nicht tatenlos verstreichen lassen. Nach erfolgreich bestandenem Test will er im September am European Trainings Centre in München den Hauptschulabschluss nachholen. Im Haarer Bauhof will er einstweilen schauen, ob er das richtige Berufsfeld im Auge hat. Elektrikermeister Klaus Blechner wird ihn unter seine Fittiche nehmen. Er ist zusammen mit Geselle Patrick Reiter für die Stromversorgung in allen gemeindlichen Gebäuden zuständig: in Schulen, Kindertagesstätten, im Poststadl, Sportpark, Rathaus oder in der Bücherei. Mohamed Ducaale wird den gelernten Fachleuten freilich nur über die Schulter schauen können. „Ich will verstehen lernen“, sagt der junge Mann, der nur wenige Jahre in Somalia zur Schule ging und danach als Hilfsarbeiter bei einem LKW-Fahrer beschäftigt war, bevor er sich alleine auf die Reise ins Ungewisse machte.

In Somalia gibt es kein offizielles Bildungssystem, etwa 13 % der Jungen und 7 % der Mädchen lernen in Koran- oder Privatschulen. Das Land leidet an klimatischen und wirtschaftlichen Problemen und an den Kämpfen, die die verschiedenen Clans seit Jahren untereinander ausfechten. In einem elf Meter langen Boot ist Ducaale deshalb zusammen mit 47 anderen Afrikanern übers Mittelmeer von Libyen nach Malta geflohen. Dort hat er sechs Monate verbracht, bis er nach Deutschland ausgeflogen wurde. Ein Aufnahmelager in Niedersachsen war seine nächste Zwichenstation bis er nach Haar kam. „In München kann man viel lernen“, sagt Mohamad Ducaale, der schon recht gut Deutsch spricht und es noch besser versteht. Dabei stellt er verschmitzt fest: „Ich glaube, in Bayern und Niedersachsen ist Deutsch sehr verschieden“.

Ute Dechent