16. Januar 2017

Verleihung der Goldenen Ehrennadel

Haar ehrt „Indianer“ und „Häuptling“

Es sind ungezählte Stunden, die so manche Haarer Bürger für die Gemeinschaft gewerkelt haben – mit großem Engagement und ohne finanzielle Entlohnung. Die Ehrenamtlichen machen die Gemeinden zu einem sozialeren Ort, sie sind Motor und Herz im Zusammenleben. In Haar werden jedes Jahr einige von diesen aktiven Menschen mit der Goldenen Ehrennadel ausgezeichnet. In diesem Jahr bedankte sich Bürgermeisterin Gabriele Müller bei Inge Eckstein und Peter Hartmann.

 

Soziales und Kultur
Sie wohnt seit 42 Jahren in Haar und ist hier seit über 30 Jahren tätig: Inge Eckstein ist studierte Mathematikerin, hat sich aber schon als jung Frau gegen die berufliche Zahlenwelt und für ihre Familie entschlossen. Die evangelische Jesuskirche ebnete ihr den Weg in das soziale Engagement: Sie gehörte hier Gesprächskreisen an und kam schließlich so zum Tischdienst des Maria-Stadler-Hauses. Seit 1989 ist sie hier jeden Mittwoch, unterstützt die Bewohner beim Frühstück– mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen. Der Mittwoch ist seither ihr sozialer Tag, den sie noch weiter ausgebaut hat: Am Nachmittag gibt sie Nachhilfestunden im Förderkurs der Nachbarschaftshilfe – natürlich auch in Mathe, aber nicht nur.  Ihre Motivation sind die Lernerfolge der Kinder – und wenn einer ihrer Schützlinge gar den Übertritt aufs Gymnasium schafft, dann freut sich die bescheidene Frau mindestens genauso wie das Kind selbst. Damit endet ihr ehrenamtliches Engagement noch nicht: Denn Inge Eckstein ist auch kulturell in eine Gemeinschaft eingewoben: Seit Beginn macht hat sie mit dem legendären Satz „Kultur? Kasse kann ich!“ die Geldgeschäfte des Kulturvereins übernommen. Dieses Jahr sind das bereits 20 Jahre – in denen sie gut 80 Abende mit ihrem Mann an der Kasse im Bürgerhaus verbracht hat. Wie sich die sympathische Frau selbst sieht, merkte man spätestens, als sie sich für die Ehrennadel bedankt: Sie dankt allen Gruppen, bei denen sie mitmachen durfte. „Ich gehöre nämlich zu den Indianern, nicht zu den Häuptlingen“, sagt sie und strahlt.

Schützen und Gewerbe
Der zweite Geehrte ist hingegen ein geborener Häuptling. Ein sehr sympathischer Häuptling: Peter Hartmann verkörpert in Haar vieles – ganz vorne weg ist er aber das Gesicht der Haarer Schützen. 1969 stieß er durch einen Arbeitskollegen zur Schützengesellschaft – und er kam um zu bleiben. Nach eigenen Worten und mit dem für ihn charakteristischen trockenen Humor bezeichnete er sich in den ersten Vereinsjahren selbst als „Kasperl für ois“. Er war sich auch nicht zu schade, unpopuläre Entscheidungen zu vertreten: So drückte er einst eine 400prozentige Gebührenerhöhung von 5 auf 20 Mark bei den Mitgliedern durch, um die Jugendarbeit ordentlich ausbauen zu können. Der wirklich große Erfolg anschließend gibt ihm bis heute Recht. Häuptling, also Schützenmeister, war er dann von 2000 bis 2016. Die 16 Jahre sind Symbol für eine weitere gute Eigenschaft: Peter Hartmann setzt auf Beständigkeit. Dabei konnte er diese Beständigkeit für seine Schützen nicht immer bewahren: In seiner Zeit mussten der Verein innerhalb Haars umziehen. Doch das Schützenheim in der Blumenstraße konnte mit viel Eigenleistung wieder zur Heimat gemacht werden. Neben den Schützen kannte man Peter Hartmann aus als Vorsitzenden des Gewerbeverbands Haar-Trudering: Von 1987 bis 2005 gab er hier den Ton an. „Die Auszeichnung ist eine Ehre“, betonte Hartmann bei der Verleihung. Doch gab er das Lob, das er von Bürgermeisterin Gabriele Müller bekam, gleich weiter: Ohne seine Mannschaft im Schützenverein, würde er hier nicht stehen.