18. Juli 2017

Grosse Auszeichnung für eine grosse Dame

Christa Gebel, Gründerin der Ungarnhilfe, erhält Verdienstkreuz am Bande

Das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland – ein langer Name für eine wirklich große Auszeichnung. Angemessen für eine große Dame: Die Haarerin Christa Gebel nahm für ihren außergewöhnlichen Einsatz für die Ungarnhilfe Haar den Orden im feierlichen Rahmen und im Beisein von über 70 Gästen entgegen. Nur wenige Minuten später lieferte die 92-Jährige in ihrer Rede auch gleich den Beweis dafür, dass sie die Auszeichnung mehr als verdient hat. Sie brennt nach wie vor für ihr Ehrenamt.

Die Allianz-Arena kann man einmal voll machen mit den Menschen, denen Christa Gebel in Ungarn bereits geholfen hat - und dabei würden einige Tausend sogar keinen Platz ergattern, erklärte Dr. Stephan Graf von Bethlen. Dieser Herr, der bei der Verleihung sehr persönlichen Worte fand, hat einen großen Anteil am Engagement der Haarer Dame: Er hatte sie im Jahr 1990 eingeladen, Ungarn zu bereisen. Ihr Eindruck war erschütternd – und ließ für sie keinen anderen Schluss zu, als: Da muss man helfen. „Da reicht kein entsetztes Mitleid“, lauteten ihre Worte damals.

Start mit viel Mut

Privat ist sie noch im gleichen Jahr mit ihrer Hilfsaktion gestartet - mit fünf Damen. Fünf Herren kamen dazu, als dann die ersten Kisten geschleppt und Lastwagen beladen werden mussten. Als dann tatkräftige Unterstützung aus Ungarn selbst anreiste, räumte Christa Gebel kurzerhand ihre Wohnung, um den Männern Platz zum Schlafen zu geben. Es sind diese kleinen Geschichten, die bei der Ehrungsfeier im Pfarrsaal von St. Bonifatius immer wieder erzählt wurden, die ein Bild zeichnen über die Art und Weise, wie die Geehrte agierte. Und das bis heute tut. Getrieben von ihrem Herzen, mutig, ausdauernd, mit Verstand und gutem Verhandlungsgeschick.

Schluss nach 205 Hilfstransporten

Erst 2014, im Alter von 90 Jahren, gab sie die Leitung an ihren Nachfolger Hermann Meyer ab. Verabschiedet hat sie sich dann zwar im Jahr 2016 während ihrer letzten Ungarnreise von ihren Schützlingen in Ungarn – der Truppe der Hilfsorganisation allerdings ist sie treu geblieben, erledigt nach wie vor die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Sie hat einen mehr als intakten Verein abgegeben: Heute zählt die Ungarnhilfe 50 ehrenamtliche Helfer, insgesamt sind unter Gebels Leitung 205 Lastzüge mit 4.510 Tonnen Sachspenden im Wert von etwa 12 Millionen Euro nach Ungarn gerollt. Geholfen wurde damit Krankenhäusern, Behinderteneinrichtungen, Pflege- und Altenheimen, Kindergärten, Schulen, Gemeindeverwaltungen und Feuerwehren sowie privaten Haushalten. „Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen“, zitierte Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller das Motto der Geehrten. Wie beachtlich dieses „Mögliche“ sein kann, ahnte Christa Gebel zu ihren Anfangszeiten sicherlich auch nicht.

Eigene Erfahrungen

Doch woher kommt dieser bis heute ungebrochene Einsatz der mittlerweile 92-Jährigen? Sie hat Leid und Entbehrungen selbst erlebt, war im zweiten Weltkrieg als Jugendlichen ausgebombt – kennt also die Situation, vor dem Nichts zu stehen. Und anzupacken. Als Christa Gebel dann während der Ehrung selbst das Wort ergriff, präsentierte sich eine selbstbewusste aber auch sehr dankbare Frau. Sie hob hervor, dass der wichtigste Teil der Ungarnhilfe nicht sie, sondern die ganzen freiwilligen Helfer wären. Wie wichtig ihre Rolle dabei immer war und ist, zeigten ihre anschließend so lebendig und emotional vorgetragenen Anekdoten aus dem Alltag der Ungarnhilfe. Sie ist die Seele der Ungarnhilfe. Das waren auch die Worte des ehemaligen ungarischen Staatspräsidenten Ferenc Mádl, der Gebel 2005 das ungarische Offizierskreuz des Verdienstordens verliehen hat: „Sie haben uns nicht nur materielle Hilfe gegeben, sondern auch ihre Seele“.

Nicht mit Geld und Auszeichnungen aufzuwiegen

Schon am 18.10.2006 war Christa Gebel mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Der Vorschlag für die jüngste Auszeichnung kam aus den Reihen ihrer Helfer. Auch das spricht Bände. „Die Mitmenschlichkeit, die Sie in Ihrem langen ehrenamtlichen Wirken zeigen, kann man nicht mit Geld und nicht mit Auszeichnungen aufwiegen. Der Orden heute ist ein äußeres Zeichen für eine sehr verdienstvolle Frau mit Verstand – und Herz“, fasste es Bürgermeisterin Gabriele Müller bei der Überreichung der Auszeichnung unter dem Applaus aller Gäste zusammen.