20. Oktober 2014

Der neue Poststadl

Er ist ein echtes Schmuckstück geworden, darüber sind sich die Haarer einig – und nun wurde er auch offiziell an die Bürger übergeben: der neue Poststadl im Herzen der Gemeinde Haar. Bei der offiziellen Einweihungsfeier stand dann auch vor allem eines im Mittelpunkt: die Lebendigkeit des Hauses. Und die war an diesem Tag wirklich in allen Ecken und Enden des neuen Bauwerks zu spüren.

Begonnen hat alles im neuen Vortragsraum, mit dem offiziellen Teil des Tages – und dabei konnte dank des Bläserensembles „Red Socks Brassquintett“ gleich unter Beweis gestellt werden, wie gut durchdacht die Räumlichkeiten hier sind: Die Akustik im Vortragssaal war brillant.

Altes Gesicht bewahren
Großes Lob fand Bürgermeisterin Gabriele Müller im Anschluss für die Umsetzung dieses Gebäudes „damit bewahren wir das alte Gesicht des Ortskerns“, sagte sie. Überhaupt habe es sich Haar auf die Fahnen geschrieben in architektonischer Qualität und in Verantwortung für die Menschen zu planen und zu bauen. „Mit diesem Gebäude haben wir zudem Weichen gestellt“, betonte Gabriele Müller, denn man hat durch den neuen Poststadl der Grundschule im Jagdfeld den Raum gegeben, Ganztagsklassen zu etablieren. Und natürlich gebe man mit dem neuen Gebäude auch vielen Haarer Institutionen ein neues Zuhause: neben Musikschule und Volkshochschule ist hier auch die Bürgerstiftung einquartiert, zudem trifft sich hier die  Griechische Gemeinde, der Verein Hand-in-Hand-in-Haar und der Mieterverein München hält seine Sprechstunden ab.  

Ein Dialog zwischen Alt und Neu
Auch Landrat Christoph Göbel war voll des Lobes für den gesamten Ortskernsanierungsprozess der Gemeinde Haar, die schon sehr früh – nämlich in den 80er-Jahren – damit begonnen hatte. Damals wurde das alte Feuerwehrhaus zum Rathaus umfunktioniert und erstmals ein Haarer Altbau mit neuen Elementen versetzt. Heute ist der ganze Ortskern in dieser Anmutung, wie Architekt Gert Goergens in seiner Rede betonte. „Alt und Neu sollen einen Dialog eingehen“, erklärte der Architekt. Reißt man das Alte ab und baut komplett neu, entstünde eine austauschbare städtebauliche Situation – wie man es in zig anderen Gemeinden sehe. In Haar wird das anders gehandhabt.

Gebäude in der gleichen Anmutung wie das Original
Dennoch sei der Poststadl ein besonders schwieriges Thema gewesen: 150 Jahre stand er hier im Ortskern und die Haarer hatten das alte Gemäuer in ihr Herz geschlossen. Deswegen gab es auch zunächst den Plan, den Stadl zu sanieren – das war im Jahr 1991. Doch die Bausubstanz war einfach zu schlecht. So habe man das alte Gebäude in seiner Anmutung analysiert, damit die Haarer auch den neuen Stadl ins Herz schließen können. Zwei Jahre wurde nun gebaut, und neben der sensiblen Architektur auch auf hohe Qualität in der Ausführung geachtet. 14 Millionen Euro hat alles zusammen gekostet – und er sei „Ein Geschenk für die Haarer Bürger“, das er nun mit großer Freude übergeben könne, freute sich Gert Goergens.

Schöne Hülle, lebendiger Inhalt
„Die Hülle ist ein ganz kleiner Teil – der Inhalt ist das Wesentliche“, hatte auch der Landrat in seiner Rede betont – und wie lebendig, künstlerisch und bunt dieser Inhalt ist, das konnte jeder im Anschluss an den offiziellen Teil und der Segnung durch die Geistlichkeit selbst erleben. Denn dann waren alle Haarer Bürger eingeladen, sich ihren neuen Poststadl mal ganz genau anzusehen. Und sehr viele sind dieser Einladung gefolgt. Während im Innenhof die „Münchner Frechheit“ bei strahlendem Sonnenschein und Freibier für die Haarer aufspielte, gab es regelrechte Völkerwanderungen durch das Haus. Und zu entdecken gab es da Einiges: Von überall ertönten Musikinstrumente, in den Werkstätten der VHS konnte man vom Gemälde über die Tonfigur bis hin zum Silberschmuck viel Künstlerisches bewundern. Es wurde geratscht und gestaunt, informiert und sich ausgetauscht - vor, hinter und im Poststadl, Kurzum: lebendiger geht es nicht mehr.

Ein kleiner Nebenschauplatz zeigte bei dieser Veranstaltung auch, dass das Konzept hier voll aufgeht: Es gab im Umfeld noch einige leere Parkplätze – doch der komplette Weg vor dem Haus war mit Fahrrädern überfüllt. Das Haus ist eben mittendrin, im Haarer Leben.

Claudia Erl