18. Dezember 2019

Mahnmal oder Kunstwerk?

Haarer Kaserne wird in die Denkmalschutzliste aufgenommen

Das Gebäude der alten Kaserne kennt in Haar jedes Kind. Geheimnisumwittert ist es seit vielen Jahren – denn was sich genau darin abspielte, ist den meisten unbekannt. Jetzt soll es in die Denkmalschutzliste aufgenommen werden. Nicht alle Haarer Gemeinderäte können das nachvollziehen.

Die Historie des Gebäudes ist durchaus spannend: Erbaut wurde das Haus in der NS-Zeit als Kaserne der motorisierten Gendarmerie an der Wasserburger Straße 43-47. Nach dem 2.Weltkrieg kam dem Gebäude dann aber schnell eine andere Bedeutung zu: Obwohl hier noch bis zum Bau der Polizeiinspektion 27 die Bayerische Landespolizei stationiert war, haben auch eine große Anzahl an Heimatvertriebenen die Zimmer der Kaserne bezogen. Als 1959 alle Flüchtlinge eine neue Bleibe gefunden hatten, kam der Bundesgrenzschutz (BGS) nach Haar: Die Fernmeldehundertschaft Süd zog 1961 von Rosenheim mit gut 120 Mann in die Kaserne. Dafür wurde das Haus zuvor komplett saniert.

Zeitweise offen für Bevölkerung

Neben dem typischen Kasernenalltag war auf dem Gelände zu BGS-Zeiten auch immer wieder einiges für die Haarer Bevölkerung geboten: Es fanden beispielsweise legendäre Faschingsfeste statt, die noch heute im Gedächtnis der älteren Generation lebendig sind. Doch Anfang der 80er Jahre war damit Schluss: Der Bundesgrenzschutz verließ Haar und erneut wurde die Kaserne für den Bundesnachrichtendienst (BND) umgebaut und modernisiert. In dieser Zeit war das Haus dann nicht mehr zugänglich für die Bevölkerung, denn hier wurden in durchaus geheimer Mission Ausbildung betrieben. Jahrelang wurde darüber gesprochen, dass der BND den Standort Haar aufgeben und nach Berlin ziehen will. Im vergangenen Jahr war es soweit. Die Gemeinde Haar meldete Interesse an dem Gelände an, bekam aber von höchster Ebene eine Absage: Man würde das Areal selbst nutzen, hieß es vom Bund. Bezogen wurde es seitdem offensichtlich aber nicht mehr.

Knappe Mehrheit im Gemeinderat

Nun kam der Antrag vom Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, das Areal in die Denkmalliste aufzunehmen -  weil dessen Erhalt im Interesse der Allgemeinheit liege. Nur zwölf von 23 Gemeinderät*innen konnten sich dieser Argumentation anschließen. In einer kontroversen Diskussion gingen die Meinungen während der Gemeinderatssitzung extrem auseinander. Während Alfons Meindl, SPD, den Abriss des „alten Plunders“ forderte, sieht Horst Wiedemann, SPD,  darin „ein Mahnmal an das Gedankengut der NS-Zeit“. Die CSU-Fraktion äußerte zudem Bedenken, der Denkmal-Status beschränke eine mögliche Nachnutzung zu sehr.

Der Denkmalpfleger wird nun alles Nötige in die Wege leiten, sodass die Haarer Kaserne bald in den Denkmallisten stehen wird.