18. September 2015

Lärmschutzwand fast fertig

Für viele Durchreisende ist es nur eine typische Schallschutzwand, die sich größtenteils südlich der Bahnlinie entlangzieht. Für die Gemeinde Haar ist mit der Abnahme ihrer Lärmschutzwand eine 15-jährige Geschichte beendet. Beinahe beendet: Denn im Bahnhof klafft noch eine Lücke. Die wird im Zuge der Umbaumaßnahme am südlichen Treppenabgang geschlossen.

Gute fünf Stunden lief ein 10-köpfiger Trupp an den Gleisen entlang, jeder Meter der von Hell- bis Dunkelgrün changierenden hochabsorbierenden Leichtmetall-Lärmschutzwand, die mit einer Gesamtlänge von 2.925 Metern auf Haarer Flur verläuft, wurde genau unter die Lupe genommen. Die fünf Stunden mögen lang wirken, doch es ist geradezu ein Wimpernschlag im Vergleich zur eigentlichen Historie der Wand.

Antrag und Gemeinderatsbeschluss
Alles begann mit dem Lärmsanierungsprogramm der Bundesregierung aus dem Jahr 1999: Damals wurde beschlossen, entlang bestehender Schienenwege der Eisenbahn Lärmschutz zu errichten. Auch die Gemeinde Haar hatte sich für das Programm angemeldet. Ende 2002 bekam die Gemeinde den Bescheid, in das Programm aufgenommen worden zu sein, worauf man in Haar sofort ein Planungsbüro beauftragte, um den genauen gemeindlichen Bedarf bei der Deutschen Bahn anzumelden. Die schalltechnischen Untersuchungen, die die Deutsche Bahn vornehmen ließ, verzögerten sich bis ins Jahr 2005. Das Ergebnis: nur ein kurzer Streckenabschnitt –ein knapper Kilometer - wird aus dem Fördertopf des Bundes bezahlt. Der Gemeinderat entschloss sich dann einstimmig dazu, die Lärmschutzwand auf eigene Kosten über die ganze Länge zu schließen.

Verzögerungen
Die Deutsche Bahn lud nur wenige Wochen später zu einer großangelegten Bürgerinformation ein. Es hieß, mit der Fertigstellung der Wand sei bis 2008 zu rechnen. Doch dann gab es eine Diskussion über die Höhe der Lärmschutzwand:  zwei Meter sagte die Bahn, drei Meter wollte die Gemeinde. Erst Mitte 2007 einigte man sich auf 2,50 Metern. Ganze weitere sechs Jahre zogen ins Land, bis alle Verfahrensfragen geklärt werden konnten. Im März 2013 war schließlich Baubeginn. Gute zwei Jahre später steht die Wand nun.

Kosten
Auch die Wände, die von der Gemeinde finanziert wurden, gehen nun ohne Gegenleistung in das Eigentum der Deutschen Bahn über. Dafür, dass die Bahn dann die Wartung und den Unterhalt übernimmt, muss die Gemeinde einen einmaligen Ablösebetrag in Höhe von ca. 850.000 Euro bezahlen. Die Leistungen der Bahn - wie etwa Bauüberwachung, Planüberprüfungen, Rechnungsprüfungen etc. - verursachen Kosten von weiteren 100.000 Euro. Die Kosten für das Projekt belaufen sich so für die Gemeinde schließlich voraussichtlich auf insgesamt 3,5 Millionen Euro.

Gelungener Lärmschutz
Doch am Ende geht es darum, den Lärm zu mindern: Durch den Bau der Wände wird es nun für die Anwohner von knapp 140 Häusern ruhiger. Außerdem erhielten 54 Wohneinheiten noch Zuzahlungen zu passivem Lärmschutz, wie etwa Schallschutzfenster. Während des Prüfungsgangs traf der Trupp auf zahlreiche Anwohner – und befragte diese nach ihren Erfahrungen mit der Wand. Deutliche Verbesserungen spüren alle der im Süden wohnenden Haarer. Einige sprechen gar von einem „neuen Leben“ durch die Schallschutzwand. Und genau dafür hat sich der Marathon dann auch gelohnt.

Abschluss der Maßnahme für Sommer geplant
Die Schließung der Schallschutzwand am Haarer Bahnhof ist für den Sommer 2016 geplant: Dann wird hier die Treppe umgebaut und eine neue Überdachung erstellt – und gleichzeitig die Wand geschlossen. Bis auf die Sockelbereiche werden die Wände in diesem Bereich aus Sicherheitsglas erstellt.

Claudia Erl