22. Oktober 2014

Naturnaher Pausenhof eröffnet

Viele abenteuerliche Tunnels, windschiefe Häuschen, ein riesiger König auf dessen Schoß man sitzen kann, eine große freundliche Schildkröte, Wasserpumpen, verwinkelte Wege, Glitzersteinchen überall, Rutsche und Schaukel, Kletter- und Balanciergerüste, kleine Höhlen zum Verstecken und außenrum wundervolle Natur. Was sich anhört wie die Beschreibung eines Traumspielplatzes ist in Haar Realität geworden – und zwar als Pausenhof! Die Grundschule St. Konrad lud nun zur offiziellen Eröffnung ihrer vollendeten „Mitmachbaustelle“ ein.

„Wenn die Kinder nicht in die Natur gehen können, dann muss die Natur zu den Kindern kommen.“ Mit diesem Satz von Barbara Stark ist eigentlich alles zum neugestalteten Pausenhof der Grundschule St. Konrad gesagt. Sie war es, die von der Idee bis zur Umsetzung das Projekt komplett begleitet hat – und sie war es nun auch, die bei der Eröffnung die emotionalsten Worte fand. Die Kinder hätten bei solch einem Pausenhof eben nun nicht mehr nur die Wahl zwischen „Rennen und Schubsen“, und er bietet außerdem mehr als nur Spaß in schöner Umgeben: Sogar die immer größer werdenden Lücken in der Motorik der Kinder werden mit diesem Pausenhof geschmälert, so die Initiatorin. Schließlich verbringen immer mehr Kinder den ganzen Tag in der Schule und da bleibt die Bewegung häufig auf der Strecke.

Eine besondere Entstehungsgeschichte
Das ganz Besondere am Schulhof ist neben seinem Erscheinungsbild aber eindeutig die Entstehungsgeschichte: „Aus einer Laune heraus“, sei der Plan entstanden, erinnert sich Schulleiterin Andrea Zran an ein Gespräch mit Barbara Stark und dem Umweltreferenten Michael von Ferrari. „Eigentlich wollten wir nur ein Kräuterbeet anlegen – dann haben wir einen ganzen Schulhof daraus gemacht“, erklärte die Rektorin lachend. Was dann geschah, war wohl einmalig: Die Kinder durften alle ihre Pausenhof-Träume in kleine Modelle stecken, die Eltern wurden in verschiedenen Veranstaltungen informiert, der Gemeinderat mit großer finanzieller Unterstützung an Bord geholt. Während bereits Baustelleneinsatzpläne im Internet erstellt wurden, erliefen die Kinder in einem Sponsorenlauf stolze 15.000 Euro, wie Elternbeiratsvorsitzende Ilka Unglauben stolz berichtete. Von vielen Sponsoren gab es Geld, Geräte und Zeit, ganz besondere Fachleute wurden engagiert – allesamt absolute Könner ihres Fachs und zudem Künstler. Und dann griffen Lehrer, Eltern und Kinder zur Schaufel – mit riesigem Einsatz und Herzblut. „Wir haben uns einen Traum verwirklicht – und dafür braucht man die richtigen Leute im Boot“, sagte Andrea Zran.

Musterbeispiel für Bürgerbeteiligung
Ein „Musterbeispiel für Bürgerbeteiligung“ sei dieser Pausenhof, freute sich auch Bürgermeisterin Gabriele Müller. Sie war es, die – damals noch zweite Bürgermeisterin – den Aspekt der Inklusion in die Planung miteinbrachte. So ist es heute auch Rollstuhlkindern möglich, den Abenteuer-Pausenhof zu nutzen. Wie sehr man den Pausenhof als Gemeinschaftsprojekt schätzt, zeigte auch die Geste des Fördervereins: Sie gaben der Gemeinde, die den Umbau mit insgesamt 250.000 Euro unterstützt hatte, 10.000 Euro zurück. Geld, das schließlich übriggeblieben ist.

Kinder passen auf ihren Hof auf
Ebenfalls bemerkenswert: Natürlich gab es einen grundsätzlichen Plan des Pausenhofes, doch die Details und Formen sind erst beim Arbeiten entstanden. „Wir haben einfach immer gemeinsam die Bretter und Balken hingehalten und geschaut, wie sie an dieser Stelle aussehen“, schwärmte Barbara Stark, als der Pausenhof bei der Eröffnungsfeier längst von den Kindern erobert worden war. Apropos erobert: Einen Zweifel, den viele Erwachsene vor der Umsetzung des Hofes hatten, konnte Schulleiterin Andrea Zran jetzt ausräumen - durch die „Wildnis“ des Hofes liegt nicht mehr Müll rum. Im Gegenteil: „Wir finden fast gar keinen Abfall mehr. Die Kinder wissen ihren Hof zu schätzen und passen drauf auf“, freut sie sich. Und eines machten die Blicke der Erwachsenen am  Eröffnungstag klar: Viele wünschten sich in diesem Moment wohl heimlich, noch einmal Schulkind zu sein. Verständlicherweise.

Claudia Erl