09. Januar 2015

Eine Realschule für Haar

Das Kultusministerium gibt grünes Licht für eine Realschule in Haar. In einer Presseerklärung des Staatsministeriums vom 7. Januar heißt es, Bildungsminister Ludwig Spaenle habe in Abstimmung mit Finanzminister Markus Söder die Genehmigung für den Bau einer Realschule in Haar erteilt. „Mit der neuen Staatlichen Realschule reagieren der Landkreis München als Sachwaufwandsträger und der Freistaat Bayern auf die Bevölkerungsentwicklung in der Region.“ Entstehen soll eine dreizügige Realschule für rund 800 Schülerinnen und Schüler aus dem Landkreis und im östlichen Ballungsraum München.

Auch im Haarer Rathaus hat man davon erst aus der Presse erfahren. Bürgermeisterin Gabriele Müller ist über die Informationspraxis des Staatsministeriums erstaunt, begrüßt aber die Entscheidung. „Die Realschule ergänzt unsere Bildungslandschaft; damit haben wir alle Schularten am Ort. Ich hoffe, dass sich alle Beteiligten bald an einen runden Tisch setzen und wir mit der konkreten Ausarbeitung beginnen können.“

Standortanalysen liegen bereits vor

Die Realschule in Haar geht auf einen Kreistagsbeschluss der vorherigen Sitzungsperiode zurück. Unvorbereitet trifft die Kommune die ministeriale Zusage daher nicht. Standortanalysen für eine mögliche Realschule gekoppelt mit Fachoberschule (FOS) / Berufsoberschule (BOS) hat das Rathaus bereits in der Schublade. Gemeindliche Grundstücke gibt es dafür nicht.

Zu klären ist in naher Zukunft auch, ob Haar eine weitere Grundschule benötigt. Die Grundschulversorgung liegt im direkten Aufgabenbereich der Gemeinden. „Hier sind wir auch finanziell voll verantwortlich: für Grundstückserwerb, Bau und Unterhalt. Wir müssen uns mit der Realisierung beider Schularten auseinandersetzen. Jetzt gilt es mögliche Partner für die weiterführende Schule zu finden und die noch offenen Fragen zu klären“, sagt Gabriele Müller.

Kooperation mit München denkbar

Bereits auf der Haarer Bürgerversammlung hatte Landrat Christoph Göbel versprochen nach einer Lösung zu suchen, die der Belastungsfähigkeit Haars entsprechen würde. Der Landrat bevorzugt ein Schulzentrum mit Realschule und FOS / BOS. Deren Umsetzung ist reine Landkreisaufgabe. Bei der Realschule wären Zweckverbände mit dem Landkreis Ebersberg oder auch mit der Stadt München denkbar. Der neue Oberbürgermeister Dieter Reiter signalisiert Gesprächsbereitschaft. Er hält nicht mehr an der bisherigen strikten Ablehnung der Landeshauptstadt an Zweckverbandsbeteiligungen wie noch beim Ernst-Mach-Gymansium fest. Sowohl Bürgermeisterin Müller als auch Landrat Göbel sind in Gesprächen mit dem Münchner OB. „Eine Kooperation mit München wäre ein Meilenstein und könnte die lang ersehnte Bewegung in eine Lösung für den Rappenweg und die Umsetzung der Spange Haar-Nord bringen“, sagt Gabriele Müller.

Realschule Vaterstetten wird erweitert

Alleine aus Haarer Schülern wird sich die Realschule auch auf längere Sicht nicht tragen können. Derzeit besuchen rund 250 Schülerinnen und Schüler aus Haar eine Realschule; die überwiegende Mehrheit fährt nach Vaterstetten. Die Zahl ist seit Jahren trotz steigender Einwohnerzahl konstant. Großen Bedarf gibt es in Trudering und auch im Landkreis Ebersberg. Die Realschule in Vaterstetten platzt aus allen Nähten. Der dortige Zweckverband, dem auch Haar angehört, hat deshalb eine Erweiterung der Schule beschlossen. Dafür hat der Gemeinderat einen Betrag von einer Million Euro im Haushalt 2015 bereitgestellt. Die erste Bauphase soll in den Sommerferien starten.

Entscheidung über FOS / BOS im Frühsommer

Auf die Vaterstettener Erweiterungspläne wird das neue Bildungszentrum in Haar wohl kaum Einfluss haben. Wann mit dem Neubau begonnen wird, ist noch offen. Handlungsdruck besteht nicht, denn in der Finanzierungszusage des Ministeriums ist keine zeitliche Begrenzung festgelegt. Landrat Christoph Göbel sieht es als realistisch an, dass die Frage Realschule oder Schulzentrum mit FOS / BOS bis zum Frühsommer 2015 beantwortet ist. In Kürze startet das Landratsamt die Probeeinschreibung für FOS / BOS, die die geschätzen Schülerzahlen bestätigen und zur Genehmigung im Kultusministerium führen soll.

Bürgermeisterin Gabriele Müller: „Als ehemalige Lehrerin freue ich mich darauf, eine Schule eröffnen zu dürfen. Gleichzeitig muss uns allen klar sein, dass das Projekt allein durch seine Standortwahl Haar verändern wird – weit über den reinen Schulhausbau hinaus.“

Ute Dechent