13. September 2021

Eröffnung des neuen Haarer Lernhauses am Jagdfeld

An die 500 Schüler*innen werden am 14. September die Tür zu ihrer Grundschule im Jagdfeldring aufdrücken. Und die ist teilweise nagelneu. Ein Erweiterungsbau am Schulkomplex erwartet sie, der  viel Platz für neue Unterrichtsmöglichkeiten bietet, dazu neue Pausenhöfe, Sportanlagen und eine Dreifachturnhalle. Die Lehrkräfte dürfen sich über eine neue Tiefgarage freuen.

Als im Herbst 2018 der Spatenstich für den Erweiterungsbau an der 70er-Jahre-Grundschule am Jagdfeldring getätigt wurde, war die Motivation klar: Die von Jahr zu Jahr beengtere Situation der Haarer Grundschulkinder soll verbessert werden – und das auf qualitativ hohem Standard. Fest im Fokus war schon bei den Planungen, die bereits mit ersten Standortüberlegungen im Jahr 2012 starteten, auch die Ausweitung der Ganztagsbetreuung. Aus ganz aktuellem Stand betrachtet, war das damals eine sehr weitsichtige Entscheidung.

Gefördertes modernes Großprojekt
Beim Architekturwettbewerb machte im Jahr 2017 der Entwurf für ein modernes Lernhaus des Architekturbüros Bär, Stadelmann und Stöcker aus Nürnberg gemeinsam mit Landschaftsarchitekten Hackl Hofmann das Rennen.  38,5 Mio Euro (inklusive Risikopuffer) waren vom Gemeinderat für das Großprojekt eingeplant worden. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie ist dafür verantwortlich, dass das gesamte Puffergeld zum Einsatz kommen musste und man voraussichtlich bei 38,8 Mio. Euro Gesamtkosten landen wird. Den besonderen Umständen der letzten Monate ist es auch geschuldet, dass sich die Eröffnung des Schulhauses zudem um ein Jahr verzögerte.  Über großzügige finanzielle Unterstützung darf sich die Gemeinde Haar freuen: 9,5 Mio. Euro an Fördergeldern wurden vom Freistaat Bayern genehmigt – ausschlaggebend dafür war vor allem der Aspekt der Ganztagsbetreuung.

Schwierige Standortsuche
Der Standort des neuen Lernhauses war im Vorfeld nicht unumstritten – dennoch überzeugte die Mehrheit des Gemeinderats die Argumentation, dass die Vorteile des eigenen Grundstück an dieser Stelle, gepaart mit der damaligen Schülerzahlprognose für eine Erweiterung am Jagdfeldschul-Komplex sprach. Zudem konnte an dieser Stelle sogar eine weitere Dreifach-Turnhalle untergebracht werden, die nicht nur den Schulen, sondern auch den örtlichen Vereinen größeren Spielraum bringen würde. Und es war das einzige Grundstück, das eine zügige Umsetzung versprach: Ein anderes Grundstück stand zu diesem Zeitpunkt nicht im Angebot, Verhandlungen hätten dementsprechend Zeit gekostet – und am Ende natürlich auch zusätzliche Kosten für den Grundstückserwerb. Architektonisch konnte der von manchen Seiten befürchtete Pausenplatzmangel für die Kinder geschickt gelöst werden: Ein Teil des Pausenhofes wurde auf das Turnhallendach verlegt. So haben die Schulkinder weiterhin mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben ist.

Überzeugendes Ergebnis
Zum Schulbeginn 2021 ist der Erweiterungsbau nun fertig – und das Ergebnis überzeugt auch manchen ehemaligen Kritiker.  Hinter der sandfarbenen Klinkerfassade  des neuen Gebäudes befinden sich 16 helle Klassenzimmer, die jeweils über einen angeschlossenen und in sich teilbaren Gruppenraum verfügen. Je vier Klassen sind zu einer Einheit zusammengefasst. Auch die großzügigen Flure, die mit stockwerkübergreifenden Lichthöfen die Sonne in das Gebäude holen, fließen in das neue Lernkonzept ein und werden sicher rege genutzt. Für die Lehrkräfte gibt es zudem pro Einheit einen Teamraum, für die individuelle Förderung von Schulkindern sieben Intensivierungsräume. „Es sind wie viele kleine Schulen in einer großen – und dennoch eine Einheit“, schwärmt Schulleiterin Carolin Friedl. Sie betont, dass die individuelle Förderung dank der großzügigen Raumaufteilung und der modernen Lernmittel – alle Klassenzimmer verfügen beispielsweise über Smartboards –  deutlich stärker fokussiert werden kann. „Alles wird noch kindgerechter, die Schule deutlich vernetzter“, freut sich auch die stellvertretende Schulleiterin Erika Neuß. „Mit viel Liebe zum Detail wurde hier eine Umgebung geschaffen, in der es sich trefflich lernen lassen wird. Denn wie sagte schon Erich Kästner: der Mensch soll lernen, nur die Ochsen büffeln“, betont auch Bürgermeister Dr. Andreas Bukowski.

Gesamtkonzept mit Altbau
Und tatsächlich: Es ist ein Gesamtkonzept, das den Schulalltag sowohl für die Kinder als auch den Lehrkörper rund macht und eine anregende Atmosphäre schafft. Die verspielten Pausenhöfe – zum einen auf dem Dach zum anderen ebenerdig – lassen Kinderherzen höherschlagen. Sowohl die tiefergelegte Dreifach-Turnhalle mit umlaufender Fenstergalerie als auch die große Mensa mit 220 Plätzen samt gemütlichen Außenbereich sind gerüstet für den Ansturm der Kinder. Es gibt einen großen Musikübungsraum, in dem auch Konzerte stattfinden können. Auch das „alte“ Gebäude ist voll integriert – äußerlich sichtbar gemacht durch einen gläsernen Verbindungsgang in der ersten Etage. Im Altbau werden neben der gesamten Nachmittagsbetreuung sechs der insgesamt 22 Klassen verbleiben. Natürlich werden auch diese Klassenzimmer mit modernen Smartboards nachgerüstet.  Die Schulleitung zieht in das neue Haus, ein großes Lehrerzimmer mit Silentium-Raum ist direkt am Glasverbindungsgang zwischen Alt- und Neubau platziert. Auch ein Zeichen für die Einheit der Schulfamilie, egal in welchem Gebäude sie untergebracht ist. Ein weiterer toller Bonus für das komplette Jagdfeld ist das neue Zuhause der Kinderbücherei im Erweiterungsbau: Sie steht in den neuen Räumlichkeiten ab Mitte Oktober allen Haarer Kindern offen - unabhängig von Schulöffnungszeiten.

Kunst kommt nach
Fehlt da noch was? Das einzige, das es bis zum Herbst nicht ans neue Schulhaus geschafft hat, ist die Kunst: Die wunderbaren Vogelfiguren – von der Blaumeise bis zum Storch – die unter dem Titel „Birdlife“ vom Münchner Künstler Wolfgang Stehle geschaffen werden, landen erst etwas später auf dem Grundschulgelände. Und werden dabei sicherlich freudig von den Kindern in Empfang genommen.