14. Juli 2016

Ehejubiläum im Standesamt

Hand in Hand schritten sie durch die Rathaustüre – und insge-samt betraten mit ihnen fast 800 Ehejahre das Standesamt der Gemeinde Haar: Zum ersten Mal hatte Bürgermeisterin Gabriele Müller zum Ehejubiläums-Empfang geladen, 15 Paare waren die-ser Einladung gefolgt. Und es wurde ein feierlicher, berührender, aber auch sehr humoriger Moment.

50 Jahre - bei einigen sogar 60 Jahre - sind vergangen, seit sie sich das Ja-Wort gaben. Jetzt saßen die Paare erneut im Standesamt – und ein klein wenig Nervosität war auch nach dieser langen Zeit wieder zu spü-ren. Die Damen hatten gleich zu Beginn von der Bürgermeisterin einen Blumenstrauß überreicht bekommen, schließlich muss ja alles stilecht sein. Für ein paar Paare war das tatsächlich eine kleine Zeitreise, denn sie hatten sich im Haarer Rathaus trauen lassen: Vor einem wurde hal-ben Jahrhundert wurde in der ersten Etage im Sitzungszimmer „Ja“ gesagt.

Empfang statt Hausbesuche
Die Idee zum Empfang hatte Gabriele Müller, die die Haarer Ehepaare zu ihren besonderen Hochzeitsjubiläen bislang immer zuhause besuch-te. Und irgendwann hatte sie das Gefühl, dass ihr Erscheinen in den Familien für unnötigen Wirbel sorgte. „Die Feiern wurden für meinen Besuch schon mal aus ihrem familiären Rahmen gehoben – doch da ge-hören sie doch eigentlich hin“, sagte sie. Und so kam ihr die Idee, einmal im Jahr alle Haarer Paare mit hohem Ehejubiläum zu sich ins Rathaus einzuladen – mit Blumen, Sekt, Häppchen und einem neu aufgenom-menen Hochzeitsfoto als Geschenk. Und mit netten Gesprächen. Von denen gab es reichlich auf dem ersten Empfang.

Ein besonderer Reichtum
Viele der Paare sahen sich im Trauzimmer um und begannen in Erinne-rungen zu schwelgen, während draußen der Regen prasselte. „Genauso ein Wetter hatten wir damals auch – erinnerst Du Dich noch?“, fragte einer der Bräutigame seine Ehefrau, die lachend nickte. Damals hätte man ihnen gesagt, dass das viel Geld in der Ehe bedeute. Darauf warte er heute noch, sagte der Mann im feinen Anzug lachend. Aber Reichtum hätte er dennoch erlangt, betonte er und warf seiner Frau einen über-wältigend liebevollen Blick zu. Solche Szenen gab es viele an diesem Vormittag.

Das Geheimnis einer guten Ehe
Vorbilder, das sind diese Paare tatsächlich. Denn heutzutage haben die allermeisten Ehen längst nicht mehr diese Beständigkeit. Die Bürger-meisterin berichtete in ihrer Ansprache, dass sie nicht selten von den Paaren, die sie traut, gefragt wird, ob sie denn bei ihren Besuchen bei den goldenen oder gar diamantenen Hochzeitspaaren schon mal Ge-heimnisse für die lange Ehezeit in Erfahrung bringen konnte. Und so warf sie eben diese Frage in die Runde. Die Antwort kam ohne Zögern. „Die Liebe ist es, die einen zusammenhält“, sagte eine Dame. Und wenn die im Alltag auch mal unterginge dürfe man nicht gleich aufgeben. Ge-lassenheit und Geduld seien durchaus empfehlenswert – aber die kä-men mit dem Alter häufig ein wenig von selbst. Die „Zahnpastatuben-Diskussionen“ ließen im Laufe der Zeit deutlich nach, erklärten die an-wesenden Paare lachend. Ein Geschenk sei es schließlich, im Alter noch zu zweit sein zu dürfen.

Ein Hoch auf die „Seufzerallee“
Nach dem offiziellen Teil wurden dann noch Fotos geschossen und na-türlich ausgiebig bei einem Gläschen Sekt geplaudert. Viele kannten sich ohnehin, sind Nachbarn oder gemeinsam in Vereinen aktiv. Und es gab sogar das eine oder andere Wiedersehen. Hätte man eine nicht re-präsentative Umfrage gestartet, dann hätte man wohl Folgendes her-ausbekommen: Viele haben damals eine eher kleine Hochzeit gefeiert – und das nach nur wenigen Tagen Volljährigkeit, die mit 21 Jahren er-reicht war. Der Grund? Man hätte ja vor der Ehe nie zusammen wohnen können, teilweise war schon ein Treffen schwierig. Glücklicherweise gab es in Haar ja die legendäre „Seufzerallee“, wie augenzwinkernd von den Althaarern erzählt wurde. Die Hochzeitskleider waren damals zum Teil noch selbstgenäht und wirklich wunderschön. Und: Bei den meisten hat es an ihrem Hochzeitstag geregnet. Ob man auch an diesem Um-stand die Haltbarkeit einer Ehe messen kann? Wie auch immer: Beim Auseinandergehen war der Wunsch groß, sich genau in dieser Konstel-lation in 10 Jahren wiederzutreffen – dann zu Diamantenen und Gnaden Hochzeit.

Claudia Erl