16. Februar 2018

Wie läuft der Verkehr in Haar?

Die beiden Bundesstraßen und die Leibstraße – das sind die Verkehrsschwerpunkte in der Gemeinde Haar. Eine echte Überraschung ist dieser Teil des Ergebnisses der Verkehrserhebung aus dem Jahr 2017 nicht. Aus der Fülle der Zahlen wird nun ein Mobilitätskonzept für die ganze Gemeinde erstellt.–

Einen Tag lang im Mai – einem ganz normalen Donnerstag – zählten Helfer in der Gemeinde Haar Fahrzeuge. Ein Menge Autofahrer wurde zudem aufgehalten und befragt. Und in allen Haarer Haushalten war ein Fragebogen gelandet. 25 Prozent kamen zurück, das sind über 5.000 Einwohner – ein guter Wert. Im September gab es noch eine Nachzählung an neuralgischen Punkten im Ortsgebiet.
In der Januarsitzung wurde die Auswertung vom Büro „Stadt Land Verkehr“ dem Gemeinderat vorgestellt. Robert Ulzhöfer präsentierte seitenweise Diagramme, Zahlen, Prognosen und Vergleichswerte. Nicht verwunderlich, mussten doch 79.309 Verkehrsbewegungen einzeln bewertet werden.

Die B304

Innerhalb Haars bleibt die B 304 mit durchschnittlich rund 30.000 Fahrzeugbewegungen in 24 Stunden unter den Werten Richtung Ebersberg zurück: Über 40.000 fahren von der A99 Richtung Osten. Dafür läuft auf der B304 in Haar fast ausschließlich Durchgangsverkehr – und der ist zwischen 6 und 18 Uhr gleichbleibend stark. „Die Straße ist am Limit. Deswegen verändern sich hier die Zahlen in den letzten Jahren nicht mehr so stark“, erklärte Ulzhöfer.

Die B471

Auch die B471 hat ebenfalls viel Durchgangsverkehr: Südlich der B304 fahren etwa 18.000 Fahrzeuge in 24 Stunden, nördlich – auf der Vocke- bzw. Feldkirchener Straße - sind es noch 11.000. Gerade wenn die A99 vollläuft, geht hier nichts mehr. Und genau da muss Abhilfe geschaffen werden. „Die Autobahnparallele wäre eine Lösung, denn der Verkehr muss aus dem Ort raus“, sagt Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller.

Die Leibstraße

Ein drittes Nadelör ist die Leibstraße: Als einzige innerörtliche Haarer Straße, die neben der B471 die Bahnstrecke überwindet und zudem eine Verbindungsstraße zwischen den beiden Bundesstraßen ist, zählt man hier 8.000 bis 9.000 Bewegungen in 24 Stunden.

Schleichwege

Die Zählungen zeigen auch die „Schleichwege“, die sich durch die drei Engpässe ergeben: Die Bahnhofstraße (4.500) beispielsweise, aber auch die Waldluststraße (3.000 bis 4.000) oder die Brunnerstraße (1.150) gehören dazu. Aber auch die Andreas-Kasperbauer-Straße in Ottendichl wird von 6.200 Fahrzeugen genutzt, gut 5.000 Fahrzeuge kommen davon in der Gronsdorfer Schneiderhofstraße an. Ein Zeichen dafür, dass auch die Ortsteile vom Durchgangsverkehr betroffen sind.

Viele Radfahrer, viele Kurzstrecken

Sowohl die Befragungen der angehaltenen Autofahrer als auch die Fragebögen vervollständigten die Zählergebnisse. Der dritte Bürgermeister Thomas Reichel fragte nach den „Haarer Spezifika“. Zwei Aspekte hob Verkehrsspezialist Ulzhöfer hervor. Zum einen: 60% der Haarer sind zu Fuß und mit dem Fahrrad unterwegs – eine hohe Quote. Trotzdem gebe es noch Potenzial nach oben, denn die zweite Besonderheit in Haar, sind die vielen Kurzstrecken, die mit dem Auto zurückgelegt werden. Jede zweite liegt unter 1,5 Kilometer.

Interkommunal, zentral, öffentlich

Lösungen für den Durchgangsverkehr sind nur interkommunal zu finden, ist sich Gemeinderat Thomas Fäth sicher – wobei hier schon Gespräche laufen. Mike Seckinger von den Grünen freut sich, dass das langjährige gemeindliche Bestreben, fußläufige Einkaufsmöglichkeiten zu schaffen, Früchte trägt. Bürgermeisterin Gabriele Müller setzt zudem auch auf den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, der in der Haushaltsbefragung oft bemängelt wurde.

Mobilitätskonzept vorbereiten

Einstimmig beauftragte der Gemeinderat die Verwaltung, die erforderlichen Vorbereitungen für die Ausarbeitung eines Mobilitätskonzepts zu treffen, das mit Fachleuten erarbeitet wird.