16. Februar 2018

Läden schützen und neu planen

Unsere Geschäfte in Haar bieten eine große Vielfalt. Innerhalb weniger Meter findet man Schreibwaren und Bücher, Mode und Drogerie, Obst und Gemüse, asiatische Mittagssnacks, italienische Feinkost und Blumen. Die Kunden schätzen die persönliche Beratung und außerdem trifft man auf der Straße immer jemand zum Reden. Einfach haben es die Ladenbetreiber aber nicht: Die Konkurrenz ist groß vor allem durch den Onlinehandel im Internet.

Dass man in Haar noch im Ortszentrum einkaufen kann, ist kein Zufall. Seit Jahren verfolgt das Rathaus ein Ziel: Läden zu den Leuten, einkaufen können, wo man wohnt. Die beiden Discounter sind deswegen im Jagdfeld geblieben und auch der Vollsortimenter in der nördlichen Leibstraße. Bald kommt ein Supermarkt an den Gronsdorfer Bahnhof. Großmärkte auf der grünen Wiese hat die Gemeinde bisher immer abwehren können und das will man auch weiterhin so handhaben.

Mit der vom Gemeinderat beschlossenen Rahmenplanung B304 entsteht nun die Möglichkeit, an der Münchener Straße ein großes Einkaufszentrum zu errichten – mitten in Haar. Da sich das Grundstück in Privatbesitz befindet, ist offen, ob und wann es dazu kommen wird. Bürgermeisterin Gabriele Müller sieht in dem Vorhaben eine Chance. Für den Fall einer Umsetzung muss die Gemeinde Vorkehrungen treffen zum Schutz der bestehenden Läden.

Hier kommt die Firma CIMA ins Spiel, eine Beratergesellschaft mit langjähriger Erfahrung im kommunalen Sektor. CIMA hat in den letzten Monaten die Haarer Einkaufsmöglichkeiten begutachtet und bewertet. Ihr Fazit:

  • Die Ortsmitte – Leibstraße, Bahnhofplatz, Bahnhofstraße, Kirchenstraße – funktioniert, hat Potential und soll geschützt werden.
  • Die Haarer haben eine gute Kaufkraft.
  • Auch aus den Nachbargemeinden kommt man nach Haar zum Einkaufen, sogar mit dem Bus.
  • Es gibt eine positive Entwicklungsprognose durch Bevölkerungszuwachs, z.B. im Jugendstilpark.

Zum Schutz der Ortsmitte und der dort ansässigen Läden, schlägt CIMA nun ein Standort- und Sortimentskonzept vor, das im Januar in einer Sondersitzung im Gemeinderat vorgestellt wurde.

Was ist ein Einzelhandelskonzept?

  • Es gibt Empfehlungen für künftige Einzelhandelsstandorte im Gemeindegebiet.
  • Und es sagt, wo, welche Branchen angesiedelt werden können und wo nicht.
  • Wird es vom Gemeinderat beschlossen, hat es Rechtssicherheit und dient der Steuerung der Bauleitplanung für ganz Haar.
  • Projektentwickler von Handelsketten und Investoren haben damit Klarheit über künftige Entwicklungsmöglichkeiten in der Gemeinde.

Was kann ein Einzelhandelskonzept leisten?

Beeinflussen kann es nur NEUE Ansiedlungen: Standorte und Sortimente über das Baurecht. Es hilft dem Gemeinderat bei der strategischen Ortsentwicklung und gibt Planungssicherheit.

Der Schutz der bestehenden Läden in der Ortsmitte wird dadurch erreicht, dass deren Warensortimente an anderen Haarer Standorten ausgeschlossen werden.

Also kein Blumen-, Brillen- oder Schuh-Discounter beispielsweise im Jagdfeldzentrum, weil das der Leibstraße schadet.

Lebensmittel, Getränke, Arzneien, Naturkost, Zeitschriften in einer Ladengröße bis 400 qm dürfen sich überall ansiedeln. Größere Flächen sind möglich, müssen aber im Einzelfall geprüft werden.

Wo greift ein Einzelhandelskonzept NICHT?

Es hat keine Auswirkungen auf die Ist-Situation, will heißen, Läden, die da sind, können bleiben. Auch bereits beschlossene Bauvorhaben genießen Bestandsschutz.

Auf private Mietverträge hat es ebenfalls keinen Einfluss. Die Gemeinde kann einem Vermieter nicht vorschreiben, an wen er seinen bestehenden Laden vermietet. Ausnahmen bilden Flächen, die im Bebauungsplan eine bestimmte Nutzung vorsehen.

Wird ein Laden in der Ortsmitte frei, kann mit jedem Innenstadtsortiment neu belegt werden. Das bedeutet, auf einen Bäcker muss nicht zwingend ein Bäcker folgen. Erlaubt ist alles, was im „Innenstadtsortiment“ festgelegt ist: beispielsweise ein Metzger, ein Bioladen oder ein Schmuckgeschäft. Natürlich wird hier der Ladeninhaber vorher die Lage prüfen und kein aussichtsloses Unternehmen starten.

Es ist keine Handlungsanweisung für Stadtmarketing.

Wie geht es weiter?

Nach Beratung in den Fraktionen wird das Einzelhandelskonzept in den nächsten Monaten im Gemeinderat erneut behandelt und abgestimmt.