10. Januar 2018

Falsche Entwicklung für Haarer S-Bahn-Anbindung

Zweite Stammstrecke nimmt 10-Minuten-Takt - Bürgermeisterin Gabriele Müller wendet sich ans Staatsministerium

Die zweite Stammstrecke kommt -  und nicht nur in der Landeshauptstadt selbst ist der Ausbau des S-Bahn-Netzes ein großes Thema. Denn was München Vorteile und Entzerrung im öffentlichen Nahverkehr bringen soll, droht der Gemeinde Haar Nachteile zu bescheren: Der morgendliche und abendliche 10-Minuten-Takt zum Berufsverkehr soll wegfallen und durch einen durchgehenden 15-Minuten-Takt ersetzt werden. Und auch die Langzüge soll es in beiden Richtungen nicht mehr geben. Für Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller eine Entwicklung, die mehr als unglücklich ist.

In einem Brief wandte sich die Rathauschefin nun an das Bayerische Staatsministerium des Inneren, für Bau und für Verkehr, um ihre Bedenken mitzuteilen. Das Argument der Planer, die Strecke hätte „vergleichsweise wenig Passagieraufkommen“ kann Gabriele Müller nicht nachvollziehen. „Die derzeitigen Voll- und auch Langzüge sind morgens wie abends in beide Fahrtrichtungen voll ausgelastet. Unseres Wissens gehört der Ostast der S4/S6 mit zu den stärksten frequentierten S-Bahn-Strecken“, erklärt die Bürgermeisterin.

Zahlgrenze Haar

Haar hat zudem einen Sonderstatus im östlichen Landkreis, denn hier ist Zahlgrenze. Sprich: Viele München-Pendler aus den Nachbargemeinden, die vom günstigeren Innenraum-Tarif profitieren wollen, fahren mit dem Auto zum S-Bahnhof Haar und steigen hier zu.

Schlechtere S-Bahn-Anbindung für immer mehr Einwohner

Außerdem, so Müller, darf man die Zukunftsentwicklungen nicht aus den Augen verlieren: Schon heute ist der Siedlungsdruck auf das nähere Münchner Umland enorm, immer mehr Menschen ziehen in den Landkreis, Haar ist als Wohnort und als Unternehmensstandort sehr gefragt. Schon heute hat Haar gut 8.800 Arbeitsplätze. Die derzeit gute öffentliche Anbindung der Gemeinde ist für viele Unternehmen ein Argument, Haar als ihren Firmensitz zu wählen.

Öffentlichen Nahverkehr stärken

Ein weniger attraktives Angebot im öffentlichen Nahverkehr hätte durchwegs negative Folgen – auch für die breite Bevölkerung. „Es braucht ein tragfähiges Mobilkonzept bei Bussen und Bahnen, denn schon heute leiden viele Bewohner unter der Belastung durch den Individualverkehr auf den Straßen“, fordert Gabriele Müller. Aufs Auto verzichten würden die Menschen ihrer Meinung nach aber nur, wenn der öffentliche Nahverkehr noch nutzerfreundlicher wird.

Schon heute Lücken

Der Blick in die Zukunft ist also bang. Und dabei gibt es schon heute aus Haarer Sicht Lücken und Beanstandungen beim S-Bahn-Angebot: Seit dem Fahrbahnwechsel vergangenen Dezember gibt es von Montag bis Freitag zwischen 13 und 14.30 Uhr aufgrund von Änderungen im Betriebskonzept Probleme mit den Anschlüsse zu den Buslinien. Die Folge: Die Fahrgäste müssen deutlich längere Wartezeiten in Kauf nehmen.

Fehlender Nachttakt

Ebenfalls ein Ärgernis ist es für die Haarerinnen und Haarer, dass der 40-Minuten-Takt der S-Bahn bereits um 23:30 Uhr einsetzt, wenn viele noch bei Veranstaltungen oder in der Gastronomie in München unterwegs sind. Gabriele Müller bittet darum, den 20-Minuten-Takt zumindest für eine Stunde zu verlängern. Insgesamt plädiert sie auch dafür, einen durchgängigen Nachtbetrieb der S-Bahn einzuführen, wie er in den meisten anderen deutschen Großstädten außerhalb Bayern längst üblich ist.

„Mit solchen Verbesserungen ließe sich die Akzeptanz des öffentlichen Nahverkehrs steigern“, ist sich Gabriele Müller sicher – und ist gespannt auf die Antwort aus dem Ministerium.