15. Juli 2016

Grosser Bahnhof

Wenn der Aufzug am Haarer Bahnhof nicht funktioniert, ist das für die Fahrgäste ärgerlich. Dieses Mal hat der Fahrstuhl wie bestellt zum rechten Zeitpunkt gestreikt. Mit eigenen Augen hat sich Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt am Freitagnachmittag davon überzeugen können, wie Menschen mit Einschränkungen unter der Unzuverlässigkeit der Technik leiden. Dobrindt war auf Einladung von Parteifreunden aus der CSU nach Haar gekommen, um sich den Bahnhof näher anzuschauen.

Schandflecke wollte man dem Minister präsentieren und das ist mühelos gelungen: Die Treppen schief und verwittert. Seit Jahren ein Holzverschlag als Dach über dem Südabgang. In der Bahnsteigunterführung ein unebener Boden, Feuchtigkeitsflecken an den Wänden und bei nicht funktionsfähigen Aufzügen schier unüberwindliche steile Treppenanlagen für Rollstuhlfahrer, ältere Menschen mit Rollatoren oder Eltern mit Kinderwägen.

Seit fast zehn Jahren versucht die Gemeinde, die Qualität des Bahnhofs zu verbessern. Bisher vergeblich. Sogar eigenes Geld ist im Haushalt bereit, doch die Bahn blockiert. Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) hat daher die Gelegenheit genutzt, die Pläne der Gemeinde für die Sanierung des Bahnhofs in die ministerialen Hände zu übergeben. Ein Vertreter der Bahn war ebenfalls dabei.

Im Herbst – so heißt es jetzt seitens der Bahn – könnte es mit dem Umbau des Aufgangs Süd nun endlich losgehen. Im nächsten Frühjahr soll der behindertengerechte Aufgang Nord in Angriff genommen werden. Und zuletzt kann 2018 die Unterführung neu bemalt oder mit Fliesen gestaltet. Der Kunstwettbewerb läuft bereits. Für den Start der Arbeiten gibt es ein enges Baufenster. Die Bahn selbst hat sich selbst eine Gleisstillegung genehmigt, die sie nicht braucht. Diese könnte die Gemeinde nutzen, wenn die Genehmigungsverfahren der Bahn bis dahin abgeschlossen sind. Ja, wenn. Funktioniert das nicht, ist die Verschönerungskation S-Bahnhof Haar weiter Zukunftsmusik.

Ob der Bundesverkehrsminister jetzt Bewegung in den Haarer Bahnhof bringt? „Die Vorarbeit ist längst geleistet“, sagt Bürgermeisterin Müller. „Dem Rathaus und vor allem den Haarern wäre es recht.“

BU: von rechts: Bundesminister Alexander Dobrindt, MdL Ernst Weidenbusch und Bürgermeisterin Gabriele Müller