13. Oktober 2016

Gebührenfreie Gartenabfallsammlung

Jeder Gartenbesitzer kennt das: Im Frühjahr und im Herbst haben die Gartenarbeiten Hochkonjunktur – und es fallen überdimensional viele Gartenabfälle an. Die Biotonne schluckt das längst nicht mehr. Bislang wurden Äste, Laub und Co dann von den Gartenbesitzern in den Wertstoffhof gebracht – zweimal im Jahr bot die Gemeinde eine Abholung vor Ort an, gegen Voranmeldung und Gebühr. Doch damit soll jetzt Schluss sein: Ab 2017 wird es zweimal jährlich eine kostenlose Abholung geben. Das beschloss der Gemeinderat mehrheitlich. Entlastet werden soll damit neben den Bürgern vor allem der Wertstoffhof.

Bis zu 400 Anlieferungen am Tag – das ist die Bilanz des Wertstoffhofs an den stark frequentierten Tagen im Frühjahr und Herbst. Obendrauf vermutet man, dass auch Hausmeisterfirmen aus anderen Kommunen die kostenlose Gartenabfallabgabe in Haar nutzen und den Ansturm auf den Wertstoffhof dadurch noch erhöhen. Abgesehen von den personellen Problemen in diesen Zeiten und der Tatsache, dass die Bürger dann nur schwerlich einen Parkplatz auf dem Hof bekommen, geht es dem Wertstoffhof dann nicht anders, als den Gartenbesitzer mit ihren Biotonnen: Auch hier werden die Container schnell voll.

Überbelastung des Wertstoffhofs

Teilweise müssen sogar während der Öffnungszeiten Behälter abtransportiert und neue aufgestellt werden, um den anfallenden Gartenabfall überhaupt noch annehmen zu können. Was das bedeutet, erklärte Brigitte Merz vom Umweltamt dem Gemeinderat: Manchmal muss der Wertstoffhof auch während der Öffnungszeiten wegen des Container-Abtransports gesperrt werden – sehr zum verständlichen Missfallen der Bürger, die dann kurzzeitig vor verschlossenen Toren stehen.

Beispiel Landkreis Ebersberg

Um das zu ändern hat sich das Umweltreferat nach Lösungsmöglichkeiten in den Nachbargemeinden umgesehen. Fündig wurde sie im Landkreis Ebersberg: Hier werden seit vielen Jahren zweimal pro Jahr gebührenfreie Gartenabfallsammlungen angeboten. Dafür legen die Gartenbesitzer ihren Gartenabfall an dem verkündeten Termin vor dem eigenen Grundstück. Dieser wird dann abgeholt. Eine Voranmeldung ist nicht nötig.

Kosten für Haar

Kostenpunkt für die Gemeinde Haar: etwa 20.000 Euro. Jedoch beinhaltet dieses Vorgehen für Haar sogar noch eine Einsparungsmöglichkeit: Durch die Quarantäne-Zone aufgrund des Asiatischen Laubholzbock-Käfers müssen die Gartenabfälle aus dem Wertstoffhof immer komplett gehäckselt werden. Da die Quarantäne aber eigentlich nur in den Gemeindeteilen nördlich der Bahnlinie liegt, kann man künftig bei der Sammlung gut trennen: Alles was nördlich eingesammelt wird, wird gehäckselt – der Rest nicht. Eine Kostenersparnis.

Bedenken im Gemeinderat

Im Gemeinderat regten sich jedoch Bedenken. Zum einen kam der Vorschlag von Thomas Reichel, ob man das Geld nicht besser für die Aufstockung des Personals im Wertstoffhof verwenden sollte. Auch über zusätzliche Öffnungszeiten im Wertstoffhof könnte man nachdenken, sagte er. Zudem befürchten Teile der CSU-Fraktion, dass in den Tagen der Sammlung die Abfallhaufen verkehrsbehindernd vor allem für die Fußgänger sein könnten. Der Gartenabfall könnte verwehen, andere Abfälle auf den Haufen landen.

Gute Erfahrungen

Brigitte Merz, die selbst im Landkreis Ebersberg lebt, konnte von all dem nichts bestätigen: Dort laufe es sehr gut. Natürlich könne der gesamte Abfall nicht innerhalb eines Tages abgeholt werden – mit zwei bis drei Tagen müsse man tatsächlich rechnen. „Wir müssen sicher noch ein wenig üben in Haar, das ist klar. Aber wir schaffen einen wichtigen Service für den Bürger und entlasten den Wertstoffhof – bevor wir tatsächlich einen neuen bauen müssen“, betonte Bürgermeisterin Gabriele Müller und erhielt dafür viel Zustimmung aus dem Gremium. Mit fünf Gegenstimmen aus der CSU-Fraktion wurde der Antrag angenommen – die gebührenfreie Gartenabfallsammlung kann kommen.

Claudia Erl