13. April 2015

Marktschreier spenden

Wenn die Marktschreier in Haar Station machen, dann geht es zur Sache. Dann fliegen nicht nur Nudeln, Käse, Wurst, geräucherte Aale und Pflanzen über die Straße, sondern auch markige Sprüche. Doch die Standlbetreiber vom Veranstaltungsservice Hoffmann sind nicht nur Verkaufsgenies mit wahrhaft durchdringenden Stimmen, sie haben auch eine feine soziale Ader. Am Eröffnungstag überreichten sie Haars zweiter Bürgermeisterin Katharina 500 Euro für das kommunale Bildungsprogramm „Kindern Chancen geben“.

Es freut mich, dass Sie nach fünf Jahren wieder in Haar sind, sagte Katharina Dworzak zur Nudel-Rappo „und auch wieder Fisch im Angebot haben.“ Stellvertretend für seine Kollegen hat der Teigwarenverkäufer die Spendenübergabe übernommen. „Wir sind ja leider eine aussterbende Zunft“, sagte er. Die jungen Leute seien nicht mehr bereit, den Beruf auszuüben. Das jahrhundertealte Prinzip der Marktschreier kommt ursprünglich vom Hamburger Fischmarkt. Das mag auch an den unchristlichen Arbeitszeiten liegen. Im hohen Norden müssen die Jungs ähnlich früh aus dem Bett wie Bäcker. Dort geht es schon um 5 Uhr morgens los auf den Fischmärkten. In Bayern ist es da schon gemütlicher. Vor 11 Uhr machen die Stände nicht auf -  wegen der Kirche.

In Haar erhoffen sich die Marktschreier gute Geschäfte. Schecks vertrauen die Jungs aus Hamburg Altona dabei nicht. Sie bevorzugen Bares. Mit Freude nahm Katharina Dworzak dann auch die Spende in Form von zehn 50-Euro-Scheinen für „Kindern Chancen geben“ in Empfang. „Das ist wirklich eine noble Geste. Wir können damit Kindern in der Schule helfen, die sich schwer zu tun in Deutsch und Mathematik.“ Seit Jahren finanziert die Gemeinde aus Spendengeldern Förderunterricht an den Grundschulen und an der Mittelschule. Im laufenden Schuljahr nehmen rund 150 Schülerinnen und Schüler daran teil. „Im besten Fall verbessern sich die Noten“, sagt Katharina Dworzak. „In jedem Fall stellen die Lehrkräfte eine Steigerung der Aufmerksamkeit und des Selbstwertgefühls fest.“ Die Information hat die stellvertretende Bürgermeisterin aus erster Hand. Mutter Juliane ist Rektorin an der Grundschule am Jagdfeldring. Vater Helmut, der frühere Haarer Bürgermeister, hat das Spendenprogramm ins Leben gerufen. Und so gab es bei der Eröffnung auch von beiden Beifall für die Spendenbereitschaft der Marktschreier und für die Tochter.