13. November 2015

Notwendiges und Wünscheswertes

Wunschlisten sind häufig lang – auch die von Kommunen. Doch als erstes müssen Gemeinden an ihre Pflichtaufgaben denken. Genau diese Abwägung zwischen Pflicht und Kür war der Grund, warum Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller den Gemeinderat zu einer Sondersitzung einberufen hat. Thema Nummer eins dabei: die Grundschulsituation.

Ob Neubaugebiete oder Nachverdichtung – die Gemeinde Haar wächst: In zehn Jahren werden laut Prognose etwa 25.000 Menschen hier leben. Darunter auch viele Kinder und Jugendliche, die dann von der Kinderkrippe bis zur Schule einen Platz brauchen. Im Krippen- und Kindergartenbereich werden sich laut Berechnungen keine größeren Engpässe ergeben – völlig anders sieht das im Grundschulbereich aus. Noch akuter ist der Bedarf in der Nachmittagsbetreuung nach dem Unterricht.

Engpässe an den Grundschulen
Derzeit verteilen sich 766 Grundschüler auf die beiden Grundschulen, wobei die Konradschule bereits an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen ist. Auch die Jagdfeldschule wird mit dem sukzessiven Aufbau des Ganztagszugs bis 2017 räumlich an ihre Grenzen kommen – und das bereits ohne den prognostizierten Zuzug.

Bedarf an Nachmittagsbetreuung steigt
Bei der Nachmittagsbetreuung beginnt der Engpass schon ab dem kommenden Schuljahr: Jedes Jahr steigt laut Prognose der Bedarf – bis zu 78 Plätze werden pro Jahr benötigt. Auch wenn die Eltern keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Nachmittagsbetreuung ihrer Schulkinder haben, weiß die Bürgermeisterin, wie existenziell wichtig diese Unterbringung doch für Familien ist. So hatte sie für den ersten Bedarf an Hortplätzen bei der Sondersitzung schon einen Plan in der Tasche: In der Hans-Pinsel-Straße könnte eine Hortgruppe mit 44 Kindern unterkommen. Auf dem Notfallplan der Gemeinde steht auch die mögliche Errichtung eines provisorischen Horts. Außerdem setzt man weiterhin auf den Ausbau der Ganztagesklassen an den Schulen.

Mehr Raum für die Grundschulen
Auf die Frage, wie man mehr Raum für die Schüler bekommt, hatte Bürgermeisterin Müller schon vor einigen Monaten eine Antwort parat und dem Gemeinderat mögliche Erweiterungsvarianten für den Schulkomplex im Jagdfeld vorgelegt, die auf große Zustimmung im Gremium trafen. Auf diese Weise könnte man sich eine dritte Grundschule sparen. Doch das Vorhaben muss trotzdem finanziert werden: Neben den Aufstockungen bzw. Anbauten wird sowohl eine Tiefgarage als auch eine zusätzlich Turnhalle benötigt. Kosten: rund 24 Millionen Euro. „Eine kommunale Pflichtaufgabe – denn die Grundschulversorgung trägt jede Gemeinde selbst“, sagte Müller.

Prioritäten setzen
Viel Geld, das derzeit nicht in der Gemeindekasse vorhanden ist. „Und dann fehlt uns noch eine Menge anderer Investitionen, die wir tätigen müssen oder wollen“, erklärte Müller. Egal ob die Sanierung des Maria-Stadler-Hauses, kommunaler Wohnungsbau, ein Busbahnhof, die Erweiterung des Wertstoffhofes,  die Sanierung der Hallenbäder, eine mögliche Rathauserweiterung, ein größeres Gebäude für die Bücherei oder die bereits genehmigte Realschule und FOS/BOS in Haar. Die Liste ist lang. Trotzdem gilt „Pflicht vor Kür“ – und in Sachen Grundschulerweiterung müssen im kommenden Haushalt bereits erste Planungskosten eingestellt werden. Für alles andere wird der Gemeinderat im Laufe der nächsten Monate oder sogar Jahre eine Lösung finden müssen. Oder zumindest Weichen stellen.

Claudia Erl