12. Mai 2016

Mobil und unabhängig trotz Handicap

Es ist groß, weiß, grün und gelb, leise, umweltfreundlich – und hoffentlich ab sofort oft im Haarer Straßenbild zu sehen: Das Fahrservice-Auto der Gemeinde Haar. Denn mit diesem Angebot will das Rathaus seine älteren Bürger und Menschen mit Handicap in Haar in ihrer Selbstständigkeit und Mobilität unterstützen. Diese Woche wurden die Autoschlüssel von den Gemeindewerken, die das Elektroauto finanzieren, an Bürgermeisterin Gabriele Müller überreicht. Besser gesagt: an die Fahrer, die künftig die Haarerinnen und Haarer damit zum Arzt, zum Einkauf oder zum Nachmittagskaffee zu Freunden bringen werden.

Vor knapp einem halben Jahr wurde im Gemeinderat mehrheitlich beschlossen, einen Fahrdienst für Bürger mit körperlichen Einschränkungen im Gemeindegebiet zu etablieren. Das tolle Angebot dabei: Die Gemeindewerke finanzieren das Auto, einen Nissan eNV200 – ein E-Auto, das mit Ökostrom aus dem Rathaus betrieben wird und so laut Gemeindewerke-Geschäftsführer Walter Dürr garantiert mit „rein bayerischer Wasserkraft läuft“. Komplett ökologisch also und abgasfrei. Die Reichweite des Autos beträgt garantierte 100 Kilometer – für das Gemeindegebiet eine weite Strecke.

Ein Hingucker mit Hilfsmitteln
Das Auto ist auf jeden Fall ein Hingucker – schon von weitem erkennt man farblich die Zuordnung zur Gemeinde und den Gemeindewerken. Auch innen ist alles vorbereitet, um es den gehandicapten Menschen einfach zu machen: Ein drehbarer Sitz fürs leichte Ein- und Aussteigen, ein Hocker, der den großen Schritt ins Auto verkleinert – sogar an einen Kühlkorb wurde gedacht, damit der Einkauf auch den Heimweg übersteht ohne aufzutauen. Obendrauf gibt es natürlich die Hilfestellung der Fahrer. Eine kleine Einschränkung: Während zusammenklappbare Rollstühle leicht transportiert werden können, ist das Auto nicht so konzipiert, das man im Rollstuhl sitzend mitfahren kann.

Mehr Mobilität
Neben diesem positiven Beitrag für die Energiebilanz hat das Auto jedoch noch einen ganz anderen, sehr großen Nutzen. „Es ist ein ganz wichtiger Beitrag für ältere Menschen, lange selbständig zuhause leben zu können“, freut sich Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller. Denn durch den gemeindlichen Fahrservice können auch Bürgerinnen und Bürger, die nicht (mehr) mobil sind, ihre Wege innerhalb der Gemeindegrenzen problemlos und zum kleinen Fahrpreis zurücklegen. „Die niedrige Gebühr von 2 Euro ermöglicht den Menschen nicht nur notwendige Fahrten zum Arzt oder zum Einkaufen, sie können auch ihre sozialen Kontakte besser pflegen – mal Freunde oder Verwandte besuchen“, erklärt die Bürgermeisterin. Allerdings gilt der Service nur innerhalb der Gemeindegrenzen – denn Konkurrenz zu Taxiunternehmen will die Gemeinde auf keinen Fall sein.

Wer fährt?
Insgesamt fünf Fahrer beschäftigt die Gemeinde Haar, damit die Zeiten auch zuverlässig abgedeckt werden können. Künftig stehen Veysel Esin, Alexander Kutschke, Romeo Maramigi, Reiner Keimel sowie Jörg Bäse und Andreas Bäse für die Fahrten zur Verfügung. Allesamt sind Haarer Bürger, kennen sich in der Gemeinde aus, haben einen Personenbeförderungsschein – und freuen sich auf ihre neue Aufgabe.

Wie funktioniert es?
Der Fahrdienst ist Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr tätig. Anmelden muss man die Fahrt spätestens zwei Tage vor der gewünschten Abholzeit im Bürgerbüro telefonisch von Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr und mittwochs zusätzlich von 15 bis 18 Uhr unter der Nummer 089-46002-198 oder per E-Mail (fahrservice@gemeinde-haar.de). Hier wird der Termin notiert, ein Fahrer organisiert, der dann pünktlich vor der Haustüre steht. Die Abholzeit für die Rückfahrt wird ebenfalls vereinbart – für den Fall, dass es zeitliche Verzögerungen gibt, wird den Fahrgästen eine Mobilfunknummer mitgeteilt, um Bescheid zu geben. Jede Fahrt kostet 2 Euro. Fahrten, die mit der Krankenasse abgerechnet werden, können vom Fahrdienst leider nicht übernommen werden.

Erste Einsätze bereits gebucht
Nun freut sich der Fahrservice auf die ersten Einsätze – die ersten Termine sind schon gebucht. „Den allerersten Anruf hatten wir übrigens schon im November, nachdem eine kleine Notiz unseres Gemeinderatsbeschlusses in der Zeitung stand“, berichtet Gabriele Müller lachend. Ein sehr gutes Zeichen dafür, das Angebot der Gemeinde richtig ergänzt zu haben.

Claudia Erl